Im Test – das Xiaomi Huami Amazfit Health Band mit EKG

Ende April machte eine Meldung die Runde, nach der vermeintlich das Xiaomi Mi Band 3 das Licht der Welt erblickt hat und zwar in Form des Amazfit Health Band. Dieser Fitnesstracker ist mit einem EKG ausgestattet und kann somit etwas mehr als nur den Puls messen. Gearbest* hat mir die Möglichkeit gegeben, diesen ausgiebig zu testen. Und der hat mich einige Nerven gekostet…

In Punkto Fitnesstracker geht aktuell immer noch nichts über das Xiaomi Mi Band 2 (Testbericht). Nicht wenn es um die Preis/ Leistung geht. Daher ist es kaum verwunderlich, dass alle auf einen Nachfolger warten. Und wie in den Presseabteilungen so üblich, werden gerne namhafte Zugpferde vor den Karren gespannt und genau dasselbe ist beim Amazfit Health Band auch passiert. Amazfit ist eine eigenständige Firma und prodduziert unter eigenem Namen Tracker und Smartwatches. Amazfit gehört zu Huami, die ebenfalls unter eigenen Namen Tracker produzieren. Und Huami gehört wiederum zu Xiaomi. Damit schließt sich der Kreis und daher liest man immer den Namen Xiaomi, auch wenn Xiaomi rein gar nichts damit zu tun hat. Und weil der Name zieht, verwenden ihn alle. Aber das nur am Rande zur Information.

Mit knapp 109 € ist es allerdings alles andere als günstig und das liegt an der eingebauten Technik, die es sogar erlaubt ein EKG zu schreiben und auszuwerten. Als Rettungsdienstler natürlich genau mein Ding, dass mal auszuprobieren und zu sehen, ob die ermittelten Werte wirklich stimmen bzw. aussagekräftig sind.

Technische Daten:

  • Android und iOS
  • 0,42″ OLED Display
  • ECG Pulsmesser mit EKG-Analyse
  • PPG Schlaftracker
  • wasser- und staubdicht nach IP67
  • Bluetooth 4.0 LE
  • 42 x 19 x 10,5 mm (Tracker)
  • 10 g (Tracker)
  • 95 mAh

Produktseite (chinesisch): cn.amazfit.com/health-band

Deutsche Bedienungsanleitung: n/a

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, ist das Amazfit Health Ban bei GearBest* für schlappe 108,25 € zu haben. Allerdings gibt es aktuell nur die Ausführung in Deep Black. Die Ausführungen in Rose Gold und Sapphire Blue habe ich nirgends finden können.

Verarbeitung und Ausstattung:

In der Verpackung ist neben dem Tracker noch das dazu passende Ladegerät und eine Kurzanleitung in chinesischer Sprache zu finden.

Das Armband ist in der Länge von 155 – 210 mm verstellbar und wechselbar. Aber leider auch wieder ein eigenes System, so dass nur spezielle Bänder diesen Typs passen. Das Armband besteht aus TPE, also einer Art Silikon und sehr angenehm zu tragen. Überhaupt spürt man den Tracker so gut wie gar nicht und selbst empfindliche Nasen werden keinen unangenehmen Geruch feststellen können.

Durch den verhältnismäßig großen Verschluss hält es auch beim Sport sehr gut und hat sich während des gesamten Test nicht aus Versehen geöffnet. Nässe wie Schweiß, Hände waschen oder Duschen machen dem Health Band dank IP67 Zertifizierung nichts aus. Es könnte sogar bis zu 30 Minuten in bis zu 1 Meter Wassertiefe getaucht werden, was ich aber nicht ausprobiert habe.

Der Tracker selbst besteht aus ABS Kunststoff und Aluminium und ist trotz Monochrom Display im Freien sehr schlecht bis gar nicht ablesbar. Selbst bei bedeckten Himmel ist das Display nicht mehr zu erkennen. Die Bedienung erfolgt über das graue Sensorfeld unterhalb des Display. An der Unterseite des Trackers befinden sich die Pins zum Laden, der Pulssenor und zwei weitere metallische Sensoren, die zur Messung der Herzfrequenzvariabilität (HRV) benötigt werden. Und hier lauert das nächste Problem. Ich bin Rettungsassistent und musste mich erst einmal einlesen, was es damit eigentlich auf sich hat. Und selbst jetzt weiß ich nicht mehr, denn die Zahlen, die mir die App auswirft, kann ich absolut nicht deuten. Sind hohe Werte gut oder niedrige? Bei mir schwankt es zwischen 4 und 157. Was auch immer das heißen mag. Und dank chinesischer Sprache hilft mir die Erklärung in der App auch nicht wirklich weiter.



In Sachen Verarbeitung kann das Amazfit Health Band aber absolut überzeugen.

Leider wird ein eigenes Ladegerät verwendet und nicht wie mittlerweile üblich eine Standard Micro-USB Buchse. Dafür ist das Ladekabel magnetisch und dockt sauber an der richtigen Stelle an. Ein Netzteil wird nicht mitgeliefert, es passt aber jedes handelsübliche USB Ladegerät.

Der 95 mAh Akku soll bis zu 14 Tage halten, was ich aber für ein Gerücht halte. Bei aktivierten Benachrichtigungen, permanenter Pulsmessung, also einer ganz normalen Nutzung, war bei mir der Akku nach 9 Tagen leer. Wer nicht so oft ein EKG schreibt, die Benachrichtigungen deaktiviert und den Puls nur alle paar Tage misst, der kommt sicher länger mit einer Akkuladung hin. Allerdings frage ich mich dann, ob derjenige so einen ausgestatteten Tracker überhaupt benötigt…

Bedienung und App:

Die Sache mit der App hat mich die allermeisten Nerven gekostet. Das liegt vor allem daran, dass man die Amazfit Health App für Android aktuell nur über eine chinesische Seite herunterladen kann bzw den chinesischen Apple Appstore:

Android: http://sj.qq.com/myapp/detail.htm?apkName=com.huami.midong (den unteren grünen Button auf der rechten Seite anklicken)

iOS: https://itunes.apple.com/cn/app/mt=8

Das nächste Problem besteht darin, dass die App nur teilweise ins englische übersetzt wurde. Die wichtigsten Schritte wie die Einrichtung und Verbindung des Trackers sind in chinesisch und so habe ich gefühlt ewig mit Hilfe der Google Übersetzer App gebraucht, bis alles soweit eingerichtet war. Auch wenn dann einige Menüs in englischer Sprache sind, sind die wichtigsten Teile der App in chinesischer Sprache. Auf Anfrage konnte mir leider kein Termin genannt werden, ob und wann eine komplett englische Version kommen wird. Dessen sollte man sich bewusst sein.

Der Homescreen teilt sich in drei Tabs ein. Der ganz linke ist die Übersicht aller wichtigen Daten. Zuerst einmal ganz oben ein Wert von 0 bis 100 Punkten. Soll wohl eine Art Gesundheitsindex sein. Darunter der letzte Wert der Herzfrequenzvariabilität (HRV), ein weiterer Wert, der wohl auch einen Index für das Herz darstellen soll, meine aktuelle Schrittzahl und die Schlafdaten.



Im nächsten Tab dreht sich alles um den Sport. Workouts wie joggen oder wandern müssen über die App gestartet werden. Eine automatische Erkennung erfolgt nicht. Wer chinesisch beherrscht, kann sich über die App auch spezielle Workouts anzeigen lassen, die ein wenig an Freeletics erinnern oder auch geführte Atemübungen.

Der dritte Tab ganz rechts beheimatet das eigene Profil und alles wichtige rund um das Band. Also dessen Verbindungen und spezielle Funktionen wie den Wecker, Benachrichtigungen von Apps usw.

Die Bedienung des Bandes ist dagegen relativ einfach. Leider unterstützt es nicht die typische „Auf-die-Uhr-schauen“ Geste. Man muss also das Display antippen und bekommt dann die Uhrzeit mit Datum gezeigt, die Anzahl der Schritte, den Puls und den Akkustand. Hält man das Sensorfeld unterhalb des Display gedrückt, dann beginnt die Pulsmessung und es wird auch ein EKG geschrieben. Das ganze dauert knapp 25 Sekunden und während dieser Zeit muss der Finger auf dem Sensorfeld liegen und man sollte still sitzen, damit es nicht zu Fehlmessungen kommt, was leider öfter der Fall war. Die Pulsmessung erfolgt permanent und offensichtlich wird zwischendurch auf mal ein EKG geschrieben. Zumindest kann ich mich nicht daran erinnern, mitten in der Nacht wach geworden zu sein und ein EKG zu schreiben.

About Peter W.

Mit meinen Tests will ich den "normalen" Interessenten davor bewahren, sein hart verdientes Geld für Müll auszugeben. Denn leider ist es Fakt, das nicht alles Gold ist, was glänzt. Daher gibt es von mir kein Technik-Chinesisch sondern Klartext. Wie ich teste könnt ihr hier nachlesen: http://mobi-test.de/uber-uns/ Wenn ihr Fragen habt, dann verfasst einen kurzen Kommentar und wir versuchen diesen zu beantworten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter.

Schließen