Im Test – der Lenovo HW01 Fitnesstracker

Marke ist Marke und besser als No-Name. Gerade in Punkto Elektronik, und dazu zählen auch die Fitnessarmbänder, ist dieser Glaube weit verbreitet. Bevor man sich irgendein NoName Teil zulegt, legen viele ein paar Euro drauf und greifen zu einem namhaften Hersteller. Hierzulande kennt jeder Fitbit, Garmin oder Jawbone. Günstig und auch namhaft ist das Lenovo HW01. Ob das was taugt, habe ich im Dauertest herausgefunden.


Zugegeben. Seit dem das Xiaomi Mi Band 2 (Testbericht) auf dem Markt ist, liegt die Latte für günstige Fitnessarmbänder verdammt hoch. Bisher habe ich noch keines gefunden, welches besser ist. Mittlerweile bekommt man es an jeder Ecke genauso das jetzt von mir getestete Lenovo HW01. Das habe ich bei den ebay Kleinanzeigen für schlappe 18 € geschossen. Einmal getragen und in einem tadellosen Zustand. Mittlerweile habe ich ja einige dieser vermeintlichen China-Tracker getestet, aber bis auf das Xiaomi Mi Band 2 (Testbericht) konnte mich noch keines überzeugen. Mal sehen, ob Marke wirklich was bringt.

Technische Daten:

  • Android ab 4.4 und iOS ab 8.0
  • 0,91″ OLED Display mit 128 x 32 Pixel
  • 3-Achsen Beschleunigungssensor
  • Pulsmesser PXI PAH8001E
  • Schrittzähler
  • Distanz
  • Kalorien
  • Schlafüberwachung
  • Wecker
  • Benachrichtigung bei Anrufen / SMS
  • 3-Achsen Beschleunigungssensor
  • Bluetooth 4.2 BLE
  • Staub- und Spritzwassergeschützt nach IP65
  • Armbandlänge von 155 – 220 mm
  • Abmessungen Tracker: 40,3 x 18,8 x 12,7 mm
  • 25 g
  • 90 mAh

Produktseite: n/a

Bedienungsanleitung: n/a

Das in Fitnessarmband gibt es in den Farben Rot und Schwarz. Die Preise variieren sehr stark je nachdem wo man bestellt. Bei Amazon* kostet es um die 40 €. Bei  ebay geht es ab 24,99 € los. Bei den bekannten China-Shops wie GearBest* und Co ab ca. 18 €. Hier solltet ihr übrigens beim Versand den Priority Line (Germany Express) wählen, dann ist die Ware innerhalb von 10 Tagen bei euch und das ohne Stress mit dem Zoll.




Verarbeitung und Ausstattung:

In der schmucken Kiste findet man neben dem Tracker ein kurzes Micro-USB Ladekabel und eine englische Bedienungsanleitung. Der eigentliche Tracker besteht aus Plastik in hochglanzoptik und ist nicht herausnehmbar. Das Armband ist in der Länge von 155 – 220 mm verstellbar und aus einem sehr weichen Silikon-ähnlichen Material. Es fühlt sich sehr gut an und dank der vernünftigen Schließe aus Edelstahl kann man es eigentlich nicht verlieren. Obwohl er nicht zu den leichtesten Trackern gehört, ist er im Alltag nicht zu spüren. Selbst wenn man beim Sport stark schwitzt, riecht das Band nicht unangenehm. Neben dem mittlerweile obligatorischen Pulsmesser erfasst es natürlich auch die Schritte, zurück gelegte Strecken, verbrauchte Kalorien und überwacht den Schlaf. Aber das HW01 kann (angeblich) noch mehr. Aufzeichnung von sportlichen Aktivitäten, Musiksteuerung, Auslösung der Kamera, Stoppuhr, Wecker, Benachrichtigungen von Anrufen, SMS und Apps, Auffinden des Handys bzw. des Bandes über die App und noch einiges mehr. Liest sich richtig gut oder?

Dank IP65 Klassifizierung ist das Lenovo HW01 spritzwassergeschützt. Nicht wasserdicht, wie man immer wieder lesen kann. Das heißt, dass alltägliche Dinge wie Duschen, Haare waschen oder Hände waschen kein Problem darstellen. Aber schwimmen sollte man nicht gehen. Der Grund dafür liegt auf der Rückseite unter einer Abdeckung. Die Ladebuchse, welche erfreulicherweise eine gewöhnliche Micro-USB Buchse ist. Hier ist auch die LED des Pulsmesser zu sehen. Das Schwarz/Weiß Display hat keinen Touchscreen und löst mit 128 x 32 Pixel eher grob auf. Allerdings reicht das für die angezeigten Infos vollkommen aus. Bedient wird der Tracker durch einen kapazitiven Button unterhalb des Display. Durch die Bewegung des typischen „Auf-die-Uhr-schauen“ wird das Display aktiviert. Leider kann man dieses nicht zeitlich begrenzt abschalten, so dass es sich Nachts immer wieder aktiviert und stört. Im Freien ist das OLED Display bei Sonnenschein gerade noch so ablesbar. Gerade bei Aktivitäten im Freien dürfte das zu einem echten Problem werden.

Die Verarbeitungsqualität ist sehr gut. Der Tracker sitzt sauber eingepasst im Armband, welches aber leider nicht wechselbar ist. Rein optisch wirkt das Lenovo HW01 wie aus einem Guss. Absolut lobenswert. Allerdings zieht das Material des Armbandes im Laufe der Zeit Fussel magisch an und so einfach wird man die dann auch nicht los. Der Akku mit seinen 90 mA bringt es auf 6 Tage. Geladen wird es über ein Standard Micro-USB Kabel an der Unterseite des Tracker und dauert runde zwei Stunden. Ein GPS Modul ist übrigens nicht vorhanden, auch wenn das in einiges Shops wohl so nachzulesen ist. Das GPS holt sich das Band, wie die allermeisten Fitnesstracker auch, vom Smartphone.

Bedienung und App:

Für das Lenovo HW01 gibt es natürlich auch eine App. Sie heißt Lenovo Smart Bracelet und gibt es für Android und iOS. Leider ist es spätestens hier vorbei mit den Vorzügen eines Markenartikels. Die Übersetzung wirkt wie vom Google Übersetzter 1:1 kopiert. Unfertig, teilweise falsch oder einfach nur schräg. Aber das kennt man ja von den zahlreichen China-Trackern zur Genüge und schreckt mich nicht mehr ab. Immerhin kann man die App nutzen, ohne raten zu müssen, was die Menüpunkte so bedeuten. 

Die erstmalige Einrichtung ist schnell erledigt. Überhaupt läuft das mit dem Verbinden und der Synchronisation sehr flott ab. Da habe ich schon ganz andere Kandidaten gehabt. Genauso ist die Bedienung des Lenovo HW01 denkbar einfach. Durch antippen der Taste unterhalb des Display oder mit der „Auf-die-Uhr-schauen“ Geste kann man die Anzeige aktivieren. Durch weiteres drücken der Taste kann man zwischen de verschiedenen Anzeigen wechseln. Zuerst eine Übersicht mit der Uhrzeit, dem Datum und Akkustand, dann Schritte, Puls, Distanz und verbrauchte Kalorien. Hält man die Taste bei aktiver Anzeige kurz gedrückt, erscheint ein Menü. Hier kann man eine Stoppuhr starten, einen 30 Minütigen Timer starten oder das Band ausschalten.

Die App an sich ist eeinigermaßen übersichtlich gestaltet. Direkt nach dem Start sieht man die Anzahl der Schritte. Durch wischen nach links und rechts wechselt man dann zum Schlaf und zur Pulsanzeige. Antippen eines Wertes holt die Details des aktuellen Tages nach vorne. Links oben findet man ein Icon im Statistik Design. Hierüber kommt man in die Chronik, von wo aus man das alles auch teilen kann. Rechts oben gelangt man in das eigentliche Menü der App. Zuerst das eigene Profil, darunter die Einstellungen für das Band. Eine Synchronisation mit Google Fit sucht man vergebens. Benachrichtigungen kann man nur aus einer festen Liste von 8 Apps auswählen. Die bekanntesten sind Facebook, Whatsapp, Line, Twitter und Skype. Dazu Anrufe, SMS und E-Mail.

Der Wecker kann leider maximal zwei Weckzeiten speichern, weckt aber zuverlässig, wenn man den richtigen Tag aktiviert. Über die App kann man auch eine Aktivität starten. Zwar nur Laufen aber besser als nichts. Der Pulsmesser misst alle 15 Minuten den Puls. Leider kann man die Intervalle nicht einstellen. dafür aber eine Warnschwelle, bei deren Überschreitung sich das Band meldet.




Alltagstest:

Was erwarte ich von einem Fitnessracker? Ganz klar, dass er zuerst einmal präzise Schritte zählt. Und nicht nur hier patzt das Lenovo HW01 so richtig. Überhaupt funktioniert bei dem Band so gut wie nichts. Der Schrittzähler hinkt heftig hinterher. Ich habe das Lenovo HW01 einen Tag und eine Nacht zusammen mit dem Xiaomi Mi Band 2 (Testbericht) getragen und daher sollten beide idealerweise identische Werte anzeigen. Also die Uhrzeiten und das Datum passten schon mal. Aber schon bei den Schritten driften die beiden Bänder massiv auseinander. Über die Genauigkeit solcher Fitnesstracker habe ich mich hier ja schon hier ausgelassen, aber das die beiden so extrem auseinander liegen kann ich mir nicht erklären. Am Ende des Tages waren es exakt 1680 Schritte, die das Lenovo weniger anzeigt, als das Mi Band 2 mit seinen 8660 Schritten. Um es noch genauer zu prüfen habe ich noch meine Fitbit Blaze dazu angezogen. Dieser misst absolut präzise, da er die Schrittlänge aus dem GPS Signal und den Bewegungen auf den Zentimeter genau ermittelt. Nach exakt 100 Schritten hat das Fitbit Blaze genau 100 angezeigt, das Mi Band 2 derer 94 und das Lenovo nur 81. Das entspricht einer Abweichung um knapp 20%. Eindeutig zu viel.

Das gilt auch für den Pulsmesser. Um exakte Werte zu bekommen, habe ich mich auf der Arbeit im Rettungswagen an das EKG angeschlossen und den Puls gemessen. Das Mi Band 2 war mit 68 Schlägen relativ deckungsgleich mit dem vom EKG angezeigten 66 Schlägen. Das Lenovo zeigte 82 an. Selbst in absoluter Ruhe kam ich auf völlig abnorme Werte von 70 aufwärts. Während eines sehr harten Freeletics Workout blieb das Lenovo beharrlich bei 88 Schlägen stehen, obwohl in in der Realität auf 122 Schläge kam. Interessanterweise findet das Band auch einen Puls, als es für das Foto auf dem Fussboden liegt. Absolut mangelhaft. Zu einem Lauf von 6,7 km Länge habe ich dann die Aufzeichnung über die App ausprobiert. Zwar startete der Timer und das GPS wurde als stark angezeigt, aber aufgezeichnet wurde nichts. Der Schlaftracker funktioniert zwar, aber den Werten kann ich nicht wirklich glauben. Jeden Tag fehlte mindestens eine Stunde. Zumeist hat es mich zu spät im Schlaf gesehen. 

Die Sache mit den Benachrichtigungen hat gar nicht funktioniert. Obwohl aktiviert, hat das Lenovo HW01 weder Anrufe, SMS noch Benachrichtigungen der Apps angezeigt. Da der Wecker funktioniert, also das Band vibriert, kann ich einen Defekt ausschließen. Ein Witz ist auch die versprochene Bedienung des Musikplayers. Den Menüpunkt habe ich gefunden und auch aktiviert, aber weder in der App noch auf dem Band finde ich irgendwas zum steuern. Das gilt auch für das Finden des Smartphone über die App, falls man es verlegt hat. Zwar aktiviert, aber wo bitte drücke ich, um es klingeln zu lassen? Da habe ich mich schneller selber angerufen. Der Menüpunkt „Das Armband lokalisieren“ löst nur die Vibration des Bandes aus. Und die hört man bekanntlich nicht wirklich außer man hat es gerade in der Hand. Die Auslösung der Kamera ist ebenfalls ein schlechter Witz. Ich muss erst das Smartphone entsperren, die App starten, warten bis das Band synchronisiert ist, zur Fotofunktion wechseln und kann dann über die Kameraapp abdrücken. Nicht über das Band. Nein. Es ist eine einfache Kameraapp eingebaut. Sinnloser geht es wirklich nicht Bis ich da ein Foto gemacht habe, sind meine Kinder erwachsen. 




Fazit:

Ich mache es kurz. Vergesst das Lenovo HW01 ganz schnell. Hier steht zwar Lenovo drauf, aber es ist nur Schrott drin. Kauft euch lieber das Xiaomi Mi Band 2 (Testbericht). Es ist nicht nur günstiger, sondern in wirklich allen Punkten deutlich überlegen. Das Lenovo HW01 hat zwar mehr Funktionen als das Mi Band 2, aber vieles funktioniert entweder nicht oder nur unzuverlässig und auch der Akku hält erheblich kürzer. Und da man auch das Mi Band 2 mittlerweile mit Prime bei Amazon* bekommen kann, ist mein Fazit eindeutig. Lasst das Lenovo HW01 links liegen und greift zum Preis/Leistungssieger Xiaomi Mi Band 2 (Testbericht). Wer wissen möchte welche Fitnesstracker die Besten sind, dem sei unsere Bestenliste ans Herz gelegt

     

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About Peter W.

Mit meinen Tests will ich den „normalen“ Interessenten davor bewahren, sein hart verdientes Geld für Müll auszugeben. Denn leider ist es Fakt, das nicht alles Gold ist, was glänzt. Daher gibt es von mir kein Technik-Chinesisch sondern Klartext. Wie ich teste könnt ihr hier nachlesen:

http://mobi-test.de/uber-uns/

Wenn ihr Fragen habt, dann verfasst einen kurzen Kommentar und wir versuchen diesen zu beantworten.

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