Im Test habe ich die smarte Waage Waage Phicomm Smart Scale S7. Preislich im Premiumsegment angesiedelt, verspricht der Hersteller viel, aber kann es diese auch im Alltagstest halten?



Smarte Waagen sind immer mehr im Kommen. Eigentlich verwunderlich, denn eigentlich versteckt dieses Teil irgendwo im Bad unter einem Schrank und holt es, wenn überhaupt, nur ganz kurz heraus. Aber die Entwicklung macht auch vor dieser Gerätegattung nicht halt und so sprechen immer mehr Waagen mit unseren Smartphones. Sind also smart. Und wenn man schon einen Fitnesstracker oder Smartwatch trägt, dann muss auch so eine intelligente Waage ins Haus. So war das zumindest bei mir. Seitdem habe ich schon mehrere solcher smarten Waagen von Xiaomi Mi Smart Scale 2 (Testbericht), 1byOne (Testbericht), Yunmai Balance (Testbericht) oder Medisana BS444 Connect (Testbericht) hier zum Test gehabt. Überzeugt hat mich bislang keine.

Hauptproblem ist, dass bei den meisten nur die Füße auf den Elektroden stehen und damit nur die Werte der untere Körperhälfte gemessen werden. Der Rest des Körpers wird berechnet und das kann keine exakten Ergebnisse liefern. Am besten sind noch Handelektroden, also ein zusätzliches Griffteil, um den Körper ganz zu erfassen. Nur leider kosten derartige Geräte wie die Tanita BC-601 ab 150 € aufwärts. Das ist dann vielen, auch mir, zu teuer. Bei ebay und ebay Kleinanzeigen bin ich schon seit Monaten auf der Jagd nach einer gebrauchten für unter 100 €, bislang aber ohne Erfolg. Wie passend, als ich über die Pressemitteilung einer mir bis dato unbekannten Firrma stolperte. Die Phicomm Smart Scale S7 hat solch ein Griffstück, misst also über insgesamt 8 Elektroden, ist total smart und kostet unter 100 €. Meine Neugier war geweckt. Ein paar Tage später lag das gute Stück bei mir auf dem Tisch und kurz darauf im Bad auf dem Boden.

Technische Daten:

  • Android 4.4 und iOS 8.0 und höher
  • 8 Sensoren
  • Bis zu 10 Benutzer
  • WLAN (nur 2,4 GHz)
  • 5 – 150 kg
  • 330 x 280 x 15 mm
  • 2000 mAh

Produktseite: phicomm.de/s7

Ausführliche Bedienungsanleitung: n/a

Erhältlich ist die Phicomm Smart Scale S7 derzeit nur bei Amazon* für 89 €.

Verarbeitung und Ausstattung:

Die Verpackung ist unspektakulär, also weg damit. Drinnen die Waage, ein Micro-USB Ladekabel und eine Kurzanleitung in deutscher Sprache.

Mit nur 15 mm Bauhöhe sieht sie nicht nur sehr flach aus, sondern ist es auch. Ansonsten aber wie jede andere aktuelle smarte Waage auch. Das Gehäuse besteht aus einem weißen ABS Kunststoff. Die Oberseite bildet eine 6 mm dicke Glasplatte, in der die vier Elektroden aus Edelstahl integriert sind. Mittig und im ausgeschalteten Zustand komplett unsichtbar, das gut ablesbare Display mit großen Ziffern. Das Gesamtbild der Phicomm Smart Scale S7 ist sehr clean, modern und stylisch. Nichts außergewöhnliches. Aber halt.

Es gibt kein Batteriefach. Dafür einen fest verbauten Akku, der über das beiliegende Micro-USB geladen wird. Genau wie ein Smartphone. Auch wenn kein Netzteil mitgeliefert wird, sondern nur das Ladekabel, kann man jedes USB Ladegerät verwenden. Der 2000 mAh Akku soll dann bis zu 1 Jahr halten. Die Buchse dafür findet man an der Stirnseite der Waage. Daneben ein Reset-Knopf und die Klinkenbuchse für das Kabel der Handelektrode.




Die Handelektrode der Phicomm Smart Scale S7 besteht aus weißen Kunststoff und in ihr sind ebenfalls 4 Edelstahlelektroden eingelassen. Somit wird eine Messung des kompletten Körpers ermöglicht. Das Kabel ist ausreichend lang, so dass auch ich mit meinen 1,90 m das Handstück wie beschrieben im rechten Winkel mit ausgestreckten Armen halten kann.

Per WLAN verbindet sich die Waage mit dem heimischen Netzwerk und damit auch zur App. Allerdings nur Singleband mit 2,4 GHz und genau das sollte bei der Einrichtung zu einem riesigen Problem werden.

Wie die allermeisten smarten Waagen auch, misst auch die Phicomm nach dem üblichen BIA Standard, was für Bioelektrische Impedanzanalyse steht und erfasst dabei 22 Werte. Unter anderem:

  • Gewicht
  • BMI
  • Biologisches Alter
  • Körperfett
  • Muskelmasse
  • Wassergehalt
  • Protein
  • Viszerales Fett
  • Knochenmasse

Die Füße sind beweglich angebracht, so dass leichte Unebenheiten ausgeglichen werden können.

Die Verarbeitungsqualität ist hervorragend. Anders kann man es nicht nennen und muss ich vor der namhaften Konkurrenz absolut nicht verstecken. 

Einrichtung und Verbindung:

Die Einrichtung stellte sich als knifflig heraus. Zuerst einmal installiert man sich die App PHICOMM Health (Android / iOS) und startet diese. Danach tritt man kurz auf die Waage, schaltet sie damit ein und die Einrichtung beginnt. Per WLAN. An sich sehr einfach, denn die App zeigt das eigene WLAN an, man gibt sein Passwort ein und dann…nichts. Ich habe ewig herumprobiert. Zig mal das WLAN Passwort kontrolliert, Handy neu gestartet, anderes Smartphone genommen, die Waage resetet, App neu installiert. Alles was einem halt so einfällt. Aber ohne Erfolg. Die Verbindung wollte sich nicht herstellen lassen. Also in die Anleitung geschaut. Nach der Beschreibung habe ich alles richtig gemacht, aber ich habe einen entscheidenden Hinweis übersehen, der nirgends außer nebenbei in der Anleitung erwähnt wird.

Die Waage funktioniert nur im 2,4 GHz Band. Mein Telekom WLAN Router ist ein Dual-Band. Funktioniert also im 2,4 GHz und im 5 GHz Band. Genau wie die allermeisten anderen Router wohl auch. Vom Werk aus sind die allermeisten dann auch im Dual-Band Modus aktiv, weil man sich so mit anderen WLANs nicht in die Quere kommt. Und genau das funktioniert dann leider nicht. Damit die Waage sich mit dem Router verbindet, muss der eigene Router in den Single-Band Modus auf 2,4 GHz umgestellt werden. Ist für mich aber keine Option, weil ich dort massive Probleme bekomme und bewusst nur im 5 GHz Modus bin. Kennt sich jemand nicht aus, wird er genau daran verzweifeln. Weil es nirgends ganz klar kommuniziert wird. Eine extrem wichtige Info und durch diesen Umstand ist diese Waage leider für die allermeisten Nutzer unbrauchbar. 



Ich habe mir damit beholfen, dass ich meinen mobilen WLAN-Router temporär auf 2,4 GHz Single-Band umstelle. Und das muss ich bei jedem Wiegen vorher machen. Eine andere Option wäre die Hotspot Funktion des eigenen Smartphones. Hat aber bei meinem Samsung Galaxy S8 und OnePlus 5 auch nicht funktioniert, weil beide im Dual-Band funken. Was für ein Krampf.

Über meinen mobilen WLAN-Router hat es dann endlich funktioniert und die Verbindung wurde hergestellt. Nun noch schnell das Profil anlegen und los geht es. Das Anlegen und Verwalten der Profile ist sehr einfach. Einfach oben links auf das Profil tippen und schon kann man jederzeit wechseln.

Praxistest:

Sobald die App gestartet wurde, stellt man sich auf die Waage, nimmt das Griffstück in Hand und darf sich dann für die Dauer der Messung (ca. 10 Sekunden) nicht bewegen.

Apropos Messung. Kurz zu mir. Ich bin 45 Jahre alt, 1,90 m groß, wiege aktuell 89,5 kg und habe einen Fettanteil von 22,0%. Vier bis fünfmal die Woche mache ich Sport, wodurch ich in den letzten Wochen knapp 8 kg abgenommen habe. Darunter Fitnesswalking, Bodyweight Workouts, leichtes Krafttraining und Fahrradergometer. Rund um die Uhr trage ich die Amazfit Bip (Testbericht), die alle möglichen Daten erfasst. Also ein klassischer Durchschnittssportler, der gerne noch zwei oder drei Kilo loswerden möchte. Immer Sonntag morgen vor dem Frühstück wiege ich mich auf einer klassischen Waage. Mein Körperfett messe ich mit einer Caliper-Zange* und lasse die Messwerte auf dieser Seite berechnen.

Um korrekt zu messen, muss die Waage zwingend auf einem harten Untergrund stehen. Das ist ein bekanntes Problem aller Waagen. Je weicher der Untergrund z.B. auf einem Teppich, umso leichter ist man und ungenauer die Messungen. Auch sollten keine Fugen oder andere Störfaktoren vermieden werden. Bei mir steht die Waage auf einem Fließenboden im Bad. Gewogen wird immer an der gleichen Stelle, nur in Unterhose. Natürlich barfuß, denn nur so können die Sensoren auch was erkennen. Daher muss man auf der Glasplatte sehr vorsichtig sein. Niemals mit nassen Füssen auf die Waage stellen. Das ist echt gefährlich weil super rutschig.



Sobald man sich auf die Waage stellt, aktiviert sich das Display und kurze Zeit später wird das Gewicht angezeigt. Direkt im Anschluss beginnt die Übertragung zur App, was auf dem Display durch eine Animation angezeigt wird. Ist die Übertragung beendet, bleibt die Linie stehen und in der App erscheint eine Abfrage, zu welchem Profil die ermittelten Werte gehören und gespeichert werden sollen.

Um die Werte vergleichen zu können, habe ich mich parallel auch mit meiner klassischen Waage gewogen und mit dem Caliper mein Körperfett gemessen. Die restlichen Werte kann man im Internet schnell errechnen lassen. Auch bei mehreren Messungen direkt hintereinander variierte das angezeigte Gewicht auf der Phicomm Smart Scale S7 um maximal 100 g und damit sehr genau. Da hatte ich schon ganz andere Kandidaten mit Abweichungen um bis zu 3 kg pro Messung. Das trifft auch auf das Körperfett zu. Manuell gemessen komme ich auf 21,8%. Die Differenz zähle ich zur Toleranz.

Mein BMI wird von der Phicomm Smart Scale S7 mit 24,8 errechnet. Als Figurentyp wird mir „fettleibig“ angezeigt. Ich möchte aber behaupten, dass ich alles andere als fettleibig bin, denn mein biologisches Alter wird mit 35 angezeigt. Bleibt also jedem selbst überlassen, in wie weit man solchen Aussagen vertraut. Überhaupt sollen derartige Waagen nicht mit geeichten Profigeräten beim Arzt verglichen werden. Das kann nur schief gehen. Aber für Menschen wie mich, die eben etwas mehr wissen wollen, als nur das Gewicht, ist so eine Wagge wirklich hilfreich. zeigt sie doch sehr schnelle eine treffende Tendenz, wie sich die Werte im Laufe der Zeit entwickeln.

Fazit:

Würde ich die Phicomm Smart Scale S7 empfehlen? Eine schwer zu beantwortende Frage. Rein von der Optik, dem Preis, den guten Messwerten und der App eindeutig ja. Sie ist sicher nicht schlechter als eine Tanita BC-601* und ganz sicher liefert die Phicomm exaktere Werte als Platzhirsche wie eine von Nokia Health (früher Withings), Fitbit oder Garmin, denn die Phicomm besitzt noch ein Handteil und liefert damit gute Ergebnisse. Aber das mit dem 2,4 GHz Single-Band macht alles kaputt. Niemand wird sich für eine smarte Waage sein komplettes WLAN umstricken und auf Single-WLAN umstellen, nur damit die Waage verbindet. Da muss schleunigst ein Upgrade der Hardware her. Daher vergebe ich das Gütesiegel nicht.

     

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