Im Test – die Xiaomi Amazfit Pace Smartwatch mit GPS

Günstige Smartwatches sind ja so eine Sache. Entweder taugen die nix, oder sind Müll. Bislang galt eigentlich immer, dass man für eine brauchbare Smartwatch Geld in die Hand nehmen muss. Unter 100 Euro gibt es da rein gar nichts. Immer wieder las ich was von einer Xiaomi Amazfit Pace Smartwatch. Kostet unter 100 Euro und soll richtig gut sein. Was heißt das für mich? Kaufen und ausprobieren. Und genau das habe ich getan.



Ich bin ja irgendwie schon ein Xiaomi Fan. Bislang habe ich noch nichts wirklich schlechtes von denen gekauft. Der Name Amazfit ist der eigentliche Hersteller, gehört aber zu Xiaomi und wird irgendwie immer zusammen genannt. Smartwatches habe ich ja schon einige getestet. Auch günstige wie die Ninetec Smart9 G2 (Testbericht), die unter vielen Namen zu finden ist oder die ZTE W01 (Testbericht). Beides echte Verrecker und alles andere als empfehlenswert. Aktuell trage ich eine Fitbit Blaze und damit ein Markenprodukt, welches auch nicht wirklich billig ist. Also war ich zu Beginn eher skeptisch, was eine Smartwatch für unter 100 € angeht. Im Netz liest man viel, auch Lob ohne Ende, aber oft genug siegt auch hier die Skepsis, was den Wahrheitsgehalt irgendwelcher Rezensionen angeht. Also probiere ich es doch am besten selber aus und habe mir die Uhr einfach mal bei einem Flashsale von Gearbest* für 74,89 € bestellt. 

Technische Daten:

  • Android ab 4.4 und iOS ab 7.0
  • 1,34″ LCD Display mit 320 x 300 Pixel
  • Gorilla Glass
  • 1,2 GHz Prozessor
  • 512 MB RAM
  • 4 GB interner Speicher
  • Bluetooth 4.0 LE
  • WiFi
  • GPS / GLONASS
  • Gyroskop
  • 6-Achsen Beschleunigungsmesser
  • Pulsmesser
  • Schlaftracker
  • Schrittzähler
  • spritzwassergeschützt nach IP67
  • 24,5 x 24,5 x 15 mm
  • 56 g (inkl. Band)
  • 280 mAh

Produktseite: us.amazfit.com/pace

Ausführliche deutsche Bedienungsanleitung: n/a

Die Amazfit Pace gibt es in zwei Variationen. Einmal mit einem schwarzen und einem roten Armband. Der Preis variiert sehr stark, je nachdem, wo man sie bestellt. So kostet sie bei Amazon* ab 159 €. Wer eine Bestellung bei Gearbest* nicht scheut, bekommt sie für 99,98 € und öfter auch mal in einem Flashsale* für unter 80 €. Da heißt es die Augen offen halten. Allerdings muss man genau aufpassen, denn es gibt eine chinesische und eine internationale Version. Die chinesische ist zwar günstiger, muss aber umständlich auf englisch umgeflasht werden. Das ist was für Bastler und alles andere als ratsam und auch nicht offiziell. Dann lieber ein paar Euro mehr ausgeben und die internationale Version kaufen, die dann direkt ab Werk auf Englisch ist.

Im Lieferumfang befindet sich neben der Uhr ein Micro-USB Kabel, eine Ladeschale und eine Kurzanleitung in englischer Sprache. Ein Netzteil fehlt zwar, allerdings kann das Ladekabel an jedes normale USB Ladegerät angeschlossen werden.

Verarbeitung und Ausstattung:

Nach dem Auspacken hält man eine vergleichsweise schwere Smartwatch in der Hand. Exakt 56 g mit Armband, was aber positiv gemeint ist, denn die Uhr wirkt alles andere als billig. Ganz im Gegenteil. Robust und wertig. Auf den ersten Blick wirkt sie etwas klobig, aber am Arm sieht das richtig gut aus. Egal ob Mann oder Frau. Ist zum großen Teil auch dem Gehäuse geschuldet. Der oberer Teil besteht aus Keramik. Sieht aus wie polierter Edelstahl, fühlt sich aber viel besser an. Der Unterteil aus Plastik und darin versenkt die Pogo-Pins für das Ladegerät und der optische Pulssensor, der auch die kontinuierliche Messung erlaubt. Etwas seitlich die einzige Taste, mit der die Uhr Ein- und ausgeschaltet und auch bedient wird. Meiner Meinung nach sitzt er etwas zu tief und ist etwas zu klein geraten. Das Display misst 1,34″ und löst mit 320 x 300 Pixel auf. Durch den an der Oberseite integrierten Helligkeitssensor gibt es den sog. „Flat-Tire“ Effekt. Heißt, dass am unteren Rand des Displays ein Teil schwarz ist. Und genau hier sitzt der Sensor. Zum Glück ist er relativ klein, so dass er kaum stört. Die automatische Helligkeitsregelung funktioniert seit dem letzten Update von Anfang Oktober einwandfrei und leuchtet jetzt auch sehr hell. Im Freien bei Sonnenschein ist es somit endlich problemlos ablesbar. 

Auch nicht selbstverständlich in dieser Preisklasse ist der Schutz des Displays durch Gorilla Glass und das ist wirklich sehr kratzfest, wie ich auf der Arbeit feststellen konnte, als ich mit der Uhr an einem Metallgeländer hängengeblieben bin. Kein Kratzer, keine Macke, Nix.




Als eine der wenigen Smartwatches verfügt die Pace über ein eingebautes GPS-Modul. Heißt, dass man kein Handy mitnehmen muss und trotzdem die Strecken aufgezeichnet werden. Das funktionierte im Test richtig gut und vor allem exakt, auch wenn es immer bis zu 30 Sekunden gedauert hat, bis ein GPS Signal empfangen wurde. Bei der Verbindung der Uhr zur Außenwelt hat man die Wahl zwischen Bluetooth und WLAN. Ja, die Uhr besitzt auch ein WLAN Modul und kann so völlig unabhängig von der Uhr genutzt werden. Der interne Speicher hat eine Größe von 4 GB und von diesen bleiben etwas mehr als 2,5 GB übrig und können mit Musik befüllt werden. Ein entsprechender Player ist vorhanden. Zum übertragen einfach die Uhr mit dem Ladekabel an einen PC anschließen, wo es dann als Speicher erkannt wird. Und wer möchte, kann sogar ein Bluetooth Headset direkt mit der Uhr koppeln. Alles ohne Handy. Absolut genial. Was mir aber fehlt ist die Möglichkeit die Musikwiedergabe von Google Play Music oder Diensten wie Spotify zu steuern. Das wäre das i-Tüpfelchen.

Bei der Wasserdichtigkeit gibt es widersprüchliche Angaben. Auf der Produktseite steht die Angabe IP67, wonach sie staub- und spritzwassergeschützt wäre. Also nicht komplett wasserdicht, wie öfter zu lesen. Duschen , Hände waschen usw ist kein Problem, aber schwimmen gehen würde ich mit der Uhr nicht.

Das Armband hat die Standardbreite von 22 mm und ist problemlos wechselbar. Es gibt bei Amazon und Co. eine riesige Auswahl an Armbändern und durch den standardisierten Verschluss passen alle ohne Werkzeug. Das mitgelieferte Band besteht aus Silikon und trägt sich wirklich sehr angenehm. Direkt aus der Verpackung heraus gibt es keinerlei Geruch ab. Da hatte ich schon ganz andere Kandidaten, die man erst einmal lüften musste, so sehr stanken die Armbändern. Nicht so bei der Pace. Selbst wenn man stark schwitzt, riecht es nicht unangenehm. Der Verschluss ist ebenfalls top und lässt sich sehr gut einhändig öffnen und schließen. 

Der Akku ist mit seinen 280 mAh etwas knapp bemessen. Im reinen Uhrenmodus, also ohne Pulsmessung, kein Sport und kaum Benachrichtigungen, soll der Akku bis zu 12 Tage durchhalten. Ist aber totaler Quatsch, denn wer die Smartwatch so nutzt, braucht schlicht keine Smartwatch. Wer sie, so wie ich, ganz normal nutzt, also Pulsmessung aktiviert, öfter mal eine Benachrichtigung, zwei bis dreimal die Woche laufen gehen und damit das GPS nutzen, der kommt etwas über 2 Tage durch. Also 2 Tage komplett und am 3. Tag muss dann morgens der Akku geladen werden. Das geht innerhalb von knapp 2 Stunden von fast leer auf voll.

Erfreulich ist die Tatsache, dass es immer wieder Updates gibt. In den drei Wochen meines Dauertests insgesamt drei, die neben Verbesserungen bei der Beleuchtung auch neue Funktionen wie einen Timer gebracht haben. Leider keine Selbstverständlichkeit bei den Chinateilen.

Verbindung und Bedienung:

Die dazu passende App nennt sich Amazfit Watch und ist kostenlos für Android und iOS erhältlich. Nach der Installation startet man die Uhr durch gedrückt halten der Powertaste. Es erscheint ein QR-Code den man für die App abscannen kann, wer sie noch nicht hat. Danach erklärt sich die Einrichtung von selbst bzw. wird auf dem Display erklärt. Nachdem man einen Account bei Amazfit angelegt hat, kann man direkt die persönliche Daten eintragen. 

Die App an sich ist übersichtlich und aufgeräumt. Im Hauptbildschirm sieht man auf einen Blick alle wichtigen Daten und kann von hier aus auch alles einstellen. Zwar ist alles in englisch, aber man kommt sehr gut klar, da sich eigentlich alles von selbst erklärt. Wer seine Daten auswerten möchte, kann alle Daten zu Strava hochladen lassen. Andere Anbieter wie Google Fit oder MyFitnessPal werden leider nicht unterstützt. Zumindest nicht direkt, aber wenn man sich die original Mi Fit App installiert, kann man dort auch die Pace verbinden und werden sämtliche Daten zwischen Mi Fit und Amazfit Watch synchronisiert und Mi Fit unterstützt sehr wohl die Synchronisation mit Google Fit. Hier kann man die ganzen Auswertungen und Aufzeichnungen in deutscher Sprache sehen.

Sehr gut gefallen mir die vielen vorinstallierten Watchfaces. Da ist für jeden etwas dabei und wer die über die Uhr selbst ändert, kann bei einigen auch noch solche Dinge wie Hintergründe, Umrandungen, Zeiger und/oder die Anordnung der Anzeigen anpassen. Die einzelnen Ziele lassen sich leider nur über die Uhr ändern und nicht in der App. Das gilt auch für den Standort der Wettervorhersage, Änderungen der Pulsmessung, 24-Stunden Anzeige usw. Oft genug sucht man eine Option vergeblich in der App und sucht dann auf der Uhr danach. Um z.B. die kontinuierliche Pulsmessung zu aktivieren, geht man auf der Uhr in den Screen für die Pulsmessung und tippt einmal auf das Display. Es erscheint ein Schalter, über den man die permanente Pulsmessung aktivieren und auch wieder deaktivieren kann. Das hätte man sicher besser lösen können.




Aktiviert, also das Display einschalten, wird die Uhr über die typische „Auf-die-Uhr-schauen-Geste“. Also drehen des Handgelenks. Damit erhält man die Anzeige der Uhrzeit und der wichtigsten Infos. Durch antippen des Display soll die Uhr dann in den normalen Modus geschaltet werden können, um Nachrichten zu lesen oder durch die Anzeigen zu scrollen. Aber das funktionierte überhaupt nicht. Erst durch drücken der Taste wurde die Uhr aktiviert. Kommen Benachrichtigungen von Apps rein, bekommt man das Icon der betreffenden App angezeigt und die erste Zeile der Nachricht. Das reicht mir völlig aus zu entscheiden, ob wichtig oder nicht. Solche Meldungen kann man dann wegwischen. Übrigens unterstützt die Pace die Anzeige von Benachrichtigungen aller Apps. Also auch Whatsapp, Facebook und. Co.

Die Bedienung der Uhr erfolgt durch swipen in alle Richtungen. Vom Startscreen aus swipt man nach rechts und kann direkt sportliche Aktivitäten starten, pausieren oder beenden. Nach links swipen bringt einen zu den weiteren Screens wie die Wettervorhersage, Schritte, Puls, Wecker, Timer usw. Durch Swipen nach oben oder unten gelangt man jeweils in weitere Ansichten oder Menüs. Um z.B. das Schrittziel zu ändern, geht man in den Bildschirm für die Schritte, tippt einmal auf das Display um zu den Details zu gelangen und slidet dann einmal nach unten. Klingt im ersten Moment kompliziert oder umständlich, aber macht man ja nicht täglich. Ansonsten kann die App und auch die Uhr bei der Bedienung durchaus überzeugen, da die Synchronisation direkt nach der Start der App sehr schnell vonstatten geht.

Praxistest:

Schon nach kurzer Zeit habe ich die Pace ins Herz geschlossen und meine Fitbit Blaze nicht mehr vermisst. Sie sitzt gut und lässt sich sehr angenehm tragen, auch wenn sie auf den ersten Blick klobig wirkt. Im Alltag spürt man die Uhr so gut wie nicht mehr. Und oft wird man gefragt, was das für eine Uhr sei und was die denn kostet. Entsprechend große Augen, wenn man den Preis von unter 100 € nennt und was die Pace alles kann. Die Auswahl an passenden Armbändern ist dank Standardbreite schier unerschöpflich und lässt Raum für persönliche Vorlieben. Ein weiterer Pluspunkt.

So ein Tracker soll primär richtig zählen und messen. Und genau das tut die Amazfit Pace richtig gut. Egal ob Schlafdaten, Puls oder Schritte. Die ermittelten Werte wissen zu überzeugen. Im direkten Vergleich mit einem professionellen Pulsmesser zeigt die Pace eine Abweichung von 6 bis 10 Schlägen und würde ich als Toleranz bezeichnen. Genauere Messungen wird man über die Haut am Handgelenk nicht bekommen. Den Schlaf trackt die Uhr übrigens automatisch. Empfehlenswert ist übrigens über die Uhr direkt einmal die Ruhezeiten einzustellen. Also den Zeitraum, in dem Uhr Ruhe gibt. Bei mir von 22 Uhr bis 8 Uhr. 

Nachdem ich die Vibrationsstärke erhöht habe, hat mich auch der Wecker zuverlässig geweckt. Es gibt zwar keinen smarten Wecker, aber das ist nicht weiter schlimm, da der Wecker ansonsten alles bietet, was man benötigt. Sehr gut funktioniert auch das tracken von Aktivitäten. Zumindest für das Laufen, Wandern, Laufband, Radfahren, Ergometer, Trail Run oder Ellipsentrainer. Können direkt an der Uhr gestartet werden, pausiert und auch fortgesetzt. Mir persönlich fehlen noch ein paar Aktivitäten wie Bodyweight Übungen. Also „normale“ Fitness Workouts. Sehr hilfreich ist auch der Timer und die Stoppuhr. Wer sich auf das Laufen konzentrieren möchte, findet auch ein „Trainings Center“ und kann dort auf verschiedenen Levels wie Anfänger auf verschiedene Distanzen bis hin zum Marathon trainieren. Kennt man eigentlich nur von wesentlich teureren Modellen.

Fazit:

Ist die Amazfit Pace empfehlenswert? Ja, aber sowas von. Wer nicht unbedingt 200 oder mehr Euro ausgeben möchte und mehr Funktionen benötigt als ein normaler Fitnesstracker bietet, dem kann ich die Pace wärmstens empfehlen. Zwar ist alles auf Englisch, aber das ist kein wirkliches Problem, weil sich eigentlich alles von selbst erklärt. Und auch der Akku hält genauso kurz oder lang, wie bei der Konkurrenz. Nur sind die meistens erheblich teurer. Dazu kommt die hervorragende Verarbeitung und eine tolle, vor allem zeitlose Optik. Und das alles zusammen wird mit dem Gütesiegel belohnt.

Und das allerbeste zum Schluss. Hier geht es zum Gewinnspiel, in dem wir insgesamt drei Stück verlosen -> Link

     

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About Peter W.

Mit meinen Tests will ich den "normalen" Interessenten davor bewahren, sein hart verdientes Geld für Müll auszugeben. Denn leider ist es Fakt, das nicht alles Gold ist, was glänzt. Daher gibt es von mir kein Technik-Chinesisch sondern Klartext. Wie ich teste könnt ihr hier nachlesen: http://mobi-test.de/uber-uns/ Wenn ihr Fragen habt, dann verfasst einen kurzen Kommentar und wir versuchen diesen zu beantworten.

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