Smarte Waagen erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Draufsteigen und schon werden alle wichtigen Daten erfasst und drahtlos an die App übermittelt. Daher habe ich mir mal die brandneue Xiaomi YUNMAI Mini 2 Balance Smart Body Fat Scale bestellt und ausgiebig ausprobiert. Mit einem nicht wirklich überraschenden Fazit.



Die YUNMAI Mini 2 hat intern die Bezeichnung Model M1690 und wird als inoffizieller Nachfolger der Xiaomi Mi Smart Scale 2 (Testbericht) genannt. Sucht man nach der Xiaomi Mi Smart Scale 3, findet man zig Angaben, aber immer wieder diesen einen Typ. Und zwar die Yunmai Balance aka Yunmai Mini 2. Es ist war noch nicht offiziell, aber weil die anderen beiden Xiaomi Waagen auch von Yunmai kommen, kann man davon ausgehen, dass die Mini 2 wirklich die Xiaomi Smart Scale 3 werden könnte.

Das ist auch der Hauptgrund, warum ich mir diese smarte Waage gekauft habe. Und das obwohl ich vor einiger Zeit ein vernichtendes Urteil über smarte Waagen veröffentlicht habe. Unter anderem war da auch die genannte Mi Smart Scale 2 dabei und die hier soll alles besser machen. Zumindest auf dem Papier liest sich das wie immer ganz toll. Aber wie sieht es in der Realität aus? Dazu werde ich deren Messungen mit der einer professionellen Körperfettwaage vergleichen.

Technische Daten:

  • Android ab 4.3 und iOS an 8.0
  • Bluetooth 4.0
  • Gewicht bis 180 kg +/- 50g
  • Körperfett
  • Knochengewicht
  • Muskelgewicht
  • Metabolisches Alter
  • Wasseranteil
  • BMI
  • Viszerales Fett
  • Speicher für 16 Personen
  • 260 x 260 x 26 mm

Produktseite: iyunmai.com/light-mini2

Ausführliche Bedienungsanleitung: n/a

Die Yunmai Balance Mini 2 ist derzeit nur über Gearbest* in den Farben Weiß und Schwarz zum Preis von 31,77 € zu haben. Ich bin mir sicher, dass es sie irgendwann mal auch bei Amazon geben wird, dann aber entsprechend teurer um die 50 €. Auch wenn man die Waage nur aus Asien importieren kann, muss man keine Angst haben, dass sie im Zolle wegen eines fehlenden CE-Kennzeichens abgefangen wird. Dieses ist vorhanden. Auf der Produktseite sieht man noch eine Ausführung mit WiFi, die aber aktuell noch nicht erhältlich ist.



Verarbeitung und Ausstattung:

Die Verpackung ist unspektakulär, also weg damit. Drinnen die Waage und eine Kurzanleitung in englischer Sprache. Leider fehlen 3x AA Batterien. Die gab es beim Vorgänger noch dazu.

Auf den ersten Blick könnte man die Yunmai Balance mit der Xiaomi Smart Scale 2 verwechseln. Sie sehen sich verdammt ähnlich. Nur die ovalen Elektroden unterscheiden das Neue vom alten Modell. Das Gehäuse besteht aus ABS Kunststoff. Die Oberseite bildet eine Glasplatte, in der die vier Elektroden aus Edelstahl integriert sind. Zwischen den oberen beiden Elektroden das Display, welches im ausgeschalteten Zustand nicht zu sehen ist. Erst wenn man sich auf die Waage stellt, wird es aktiviert. Wie die allermeisten smarten Waagen auch, misst auch die Yumai nach dem üblichen BIA Standard, was für Bioelektrische Impedanzanalyse steht.

Mit den vier Sensoren misst die Waage folgende Angaben bzw. berechnet diese aus den Messwerten:

  • Gewicht
  • BMI
  • Fett
  • Muskel
  • Wasser
  • Protein
  • Viszerales Fett
  • Knochen
  • BMR
  • Fitness Alter

Die Füße sind leider fest und gleichen leichte Unebenheiten daher nicht aus. Unter einer Abdeckung der Schacht für die drei AA Batterien.

Rein optisch kommt die Yunmai Balance sehr schlicht und daher ungemein stylisch daher. Die Verarbeitung ist allererste Sahne und muss ich vor der namhaften Konkurrenz absolut nicht verstecken.

Einrichtung und Verbindung:

Die Einrichtung ist sehr einfach. Zuerst einmal braucht man die passende App, die sich treffenderweise Yunmai nennt und für iOS und Android erhältlich ist. Leider wird die Waage nicht von der offiziellen Mi Fit App erkannt. Erwähnen sollte man vorher noch, dass die Waage nicht extra per Bluetooth verbunden werden muss. Sobald die App gestartet wurde, stellt man sich auf die Waage, um sie zu aktivieren und wird dann durch die Einrichtung geleitet, bei der man auch gleich sein Profil anlegen kann. Bis zu 16 Profile können gespeichert werden. Gäste können ohne extra Profil gewogen werden.

Zum Wiegen öffnet man die App, wählt oben links das jeweilige Profil aus und stellt sich auf die Waage. Jetzt aktiviert sich das Display und kurze Zeit später wird das Gewicht angezeigt. Dabei läuft dann direkt die Übertragung zum Smartphone, was über einen laufenden Balken angezeigt wird. Ist die Übertragung beendet, bleibt die Linie stehen und die Werte werden in der App angezeigt. Es gibt jede Menge Anzeigen und Auswertungen. Dafür ist die App aber recht übersichtlich und man findet sich schnell zurecht. Es macht irgendwie Spaß durch die Ergebnisse zu streifen und sich zu informieren.

Praxistest:

Kurz zu mir. Ich bin 45 Jahre alt, 1,90 m groß, wiege aktuell 89,1 kg und habe einen Fettanteil von 19,4%. Vier bis fünfmal die Woche mache ich Sport, wodurch ich in den letzten Wochen knapp 8 kg abgenommen habe. Darunter Fitnesswalking, Bodyweight Workouts, leichtes Krafttraining und Fahrradergometer. Rund um die Uhr trage ich die Fitbit Ionic, die alle möglichen Daten erfasst. Also ein klassischer Durchschnittssportler, der gerne noch zwei oder drei Kilo loswerden möchte. Immer Sonntag morgen vor dem Frühstück wiege ich mich auf einer klassischen Waage. Mein Körperfett messe ich mit einer Caliper-Zange* und lasse die Messwerte auf dieser Seite berechnen.

Um korrekt zu messen, muss die Waage zwingend auf einem harten Untergrund stehen. Das ist ein bekanntes Problem aller Waagen. Je weicher der Untergrund z.B. auf einem Teppich, umso leichter ist man und ungenauer die Messungen. Auch sollten keine Fugen oder andere Störfaktoren vermieden werden. Bei mir steht die Waage auf einem Fließenboden im Bad. Gewogen wird immer an der gleichen Stelle, nur in Unterhose. Natürlich barfuß, denn nur so können die Sensoren auch was erkennen. Daher muss man auf der Glasplatte sehr vorsichtig sein. Niemals mit nassen Füssen auf die Waage stellen. Das ist echt gefährlich weil super rutschig.



Dann steigt man auf die Waage, bewegt sich nicht und wartet, bis die Messung fertig ist. Das geht bei der Yunmai mit gut 6 Sekunden recht flott. Allerdings gibt es auch hier das Problem, dass man bei verschiedenen Messungen direkt hintereinander jeweils andere Werte erhält. Es reicht schon, wenn man nur minimal anders steht oder etwas bewegt. Hier ist die Yumai genauso problematisch wie alle anderen smarten Waagen auch.

Um die Werte vergleichen zu können, habe ich mich parallel auch mit meiner klassischen Waage gewogen und mit dem Caliper mein Körperfett gemessen. Die restlichen Werte kann man im Internet schnell errechnen lassen. Die ermittelten Werte der Yunmai Balance liegen jedes mal exakt 1,2 kg über denen meiner klassischen Waage. Das trifft auch auf das Körperfett zu. Manuell gemessen komme ich auf 19,4%. Die Yumai ermittelt traumhafte 16%, die ich aber sich nicht habe. Leider.

Mein BMI wird von der Yunmai mit 25,0 errechnet. Genau wie das Gewicht und Körperfett weichen die restlichen Werte genauso von der Realität ab. Inwiefern man sich auf die Zahlen einlässt, muss jeder für sich entscheiden. Für mich zählen präzise Werte, die erhält man nur über Waagen, die über ein extra Handteil verfügen. Hier wird über alle 4 Extremitäten gemessen und nicht nur die Beine wie bei der Yunmai und den Rest hochrechnet.

Fazit:

Würde ich die Yunmai Balance empfehlen? Eindeutig nein. Ja, die Waage sieht toll aus und könnte der Nachfolger der Xiaomi Smart Scale 2 sein, aber das sind auch die einzigen Vorteile. Die Werte sind zu ungenau. Eine Abweichung beim Gewicht von 1,2 kg sind einfach zu viel. Damit einhergehend passen auch alle anderen Werte nicht. Die Messung des Fettgehalt und allen anderen Daten kann man nach wie vor nur mit echten Profiwaagen vernünftig ermitteln. Ein brauchbarer Kompromiss zwischen Profiwaage und bezahlbaren Preis ist die Tanita BC-601*, die ich mir als nächstes kaufen werde.

     

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