Heutzutage hat man sein mobiles Navi immer dabei. Und zwar auf dem Smartphone. Die Auswahl ist riesig und drei davon, nämlich Google Maps, TomTom Go und Sygic habe ich auf einer knapp 800 km langen Autofahrt parallel laufen lassen und ausführlich getestet.

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Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich schon mal so einen Vergleichstest gemacht. Dort traten Google Maps, TomTom Go und Waze gegeneinander an (Testbericht). Dieses mal ist statt Waze nun Sygic in den Ring gestiegen. Davon hatte ich irgendwann einmal eine stark vergünstigte Livetime Lizenz gekauft und bin jetzt durch einen Newsletter wieder darauf aufmerksam geworden. Und da bei uns eine etwas längere Fahrt nach Regensburg mit mehrere Zwischenstopps geplant war, passte der Zeitpunkt perfekt.

Wie gesagt haben alle drei Navis zeitgleich, also parallel, navigieren müssen. Meine Frau und ich haben jeweils ein OnePlus 5T und als drittes kommt noch ein Samsung Galaxy A5 zum Einsatz. Dabei sind alle drei identisch genutzt worden. Einstellungen vornehmen, Ziele finden bzw. Route erstellen und dann navigieren inkl. Tankstellen suchen, Rastplätze suchen, Staus, Blitzer usw. Eben alles, was man so braucht. Die Route hatte als Ziel ein Hotel in Regensburg und dazwischen zwei Zwischenziele. Eine größere Firma in Forchheim und eine weitere Firma in Wackersdorf.

Wie gut funktioniert das bei den drei Kandidaten? Wer schlägt sich besser? Wer bietet das bessere Gesamtpaket? Am Ende gibt es einen ziemlich eindeutigen Sieger.

Google Maps:

Der Platzhirsch unter den Navigation Apps. Unangefochten die Nummer 1 bei Android und das einzige kostenlose im Test. Man kann mittlerweile auch Karten offline herunterladen und damit ohne Internetverbindung nutzen. Google Maps bietet alles Nötige, was man für ein Navi benötigt. Aber mehr auch nicht. Navigation in Reinkultur ohne Schnickschnack. Dafür eben kostenlos.

Kosten, Extras und Offlinekarten:

Wie gesagt ist Google Maps kostenlos. Extras wie Blitzerwarnungen oder ähnliches gibt es nicht einmal für Geld und gute Worte. Karten für den Offline Betrieb können im gewissen Rahmen heruntergeladen werden. Allerdings keine kompletten Länder oder Regionen sondern nur Ausschnitte, den man aber frei wählen kann.



Optionen und Bedienung:

Die Bedienung ist sehr einfach, was aber vor allem an den wirklich nötigsten Funktionen liegt. Man kann zwischen verschiedenen Routenoptionen wie PKW, Fahrrad und Laufen wechseln, aber viel mehr ist nicht möglich. Auch Warnungen vor zu hohem Tempo, Anzeige der Tempolimits usw. sucht man vergebens. Dafür werden Staus sehr einfach und effektiv angezeigt.

Zielsuche und Routenplanung:

In diesem Punkt macht Google niemand etwas vor. Einfacher und besser geht es wirklich nicht. Es reicht schon die Eingabe des Firmennamens bzw. Hotel und der Ortes, schon findet Google die passende Adresse, die man direkt übernehmen kann. Dabei kann man wählen, ob man das Ziel eintippen möchte oder aber auch sprechen per „OK Google“. Dabei verzeiht die Suche problemlos auch etwas falsch geschriebene Ortsnamen oder Firmennamen. So kann man innerhalb kürzester Zeit komplette Routen mit mehreren Zielen anlegen. Absolut perfekt. Sehr gut gefällt mir, dass man direkt bei der Routenübersicht alternative Routen angezeigt bekommt inkl. deren Fahrzeit. So kann man sehr schnell entscheiden und das auch während der Fahrt.

Navigation:

Die Kartenansicht ist eher nüchtern aber absolut zweckmäßig. Man sieht alle fast alle wichtigen Infos auf einen Blick. Was mich aber stört ist die knappe Anzeige bei Staus. Es ändert sich die Farbe (grün/gelb/rot) der Fahrzeit und deutet so auf Verzögerungen hin. Es kommt zwar eine gut verständliche Ansage, aber so wirklich viel hilft sie auch nicht, denn eigentlich immer befindet man sich trotz Stau angeblich auf der schnellsten Route und das ist oft genug eben nicht der Fall.

Wer mehr Infos will, muss aktiv auf das Icon der Störung tippen. Während der Fahrt nicht gerade ratsam, weil es außerdem noch sehr klein geschrieben ist. Negativ fällt aber auf, dass Stauinfos nicht immer aktuell sind, was aber überrascht, denn die Daten bekommt Google bekanntlich von jedem aktiven Androiden über die Standortabfrage. Baustellen sind schon wochenlang nicht mehr existent, werden aber immer noch angezeigt oder umgekehrt. Schon ewig da, aber nicht verzeichnet. Auf der aktuellen Route war ein Stau vorhanden, aber Google hat ihn nicht angezeigt. Plötzlich schaltet die Anzeige auf rot und das fast schon zu spät.

Ebenfalls wenig hilfreich ist die Suche nach Tankstellen und/oder Rastplätzen auf der Route. Muss man umständlich über das Menü erledigen und dann zeigt die Karte etliche möglichen Ziele an, aber die allermeisten weitab der Route irgendwo in der Pampa. Wenig hilfreich. Wie schon erwöhnt bekommt keine Anzeige von Tempolimits oder wie schnell man selber gerade fährt. Sehr informativ dafür aber die nächsten Routenanweisungen, Zeiten und Entfernungen.

Sygic:

Diese Navi stammt von einem slowakischer Softwarehersteller und behauptet sich schon seit 2004 auf dem Markt und ist nachweislich die am meisten heruntergeladene Navi App der Welt.

Kosten, Extras und Offlinekarten:

Sygic als solches ist kostenpflichtig, wobei es aber lebenslange Lizenzen sind und verschiedene Pakete gibt. So kostet komplett Europa exakt 49,99 €, wobei es sich immer wieder lohnt etwas zu warten. Sehr oft sind die Pakete im Angebot wie gerade (Stand April 2018), wo Europa nur noch 12,99 € kostet. Europa mit Verkehrsinfos kostet normalerweise 79,99 €, aktuell nur 17,99 €. Die komplette Welt inkl. Traffic kostet 99,99 € und aktuell nur 23,99 €. Dazu gibt es noch etliche Addons wie z.B. ein Head-up-Display für 6,99 € oder Dashcam Addon für 9,99 €. Ein Addon für Blitzer gibt es nicht. Das war aber noch längst nicht alles. Selbst für LKW gibt es eine eigene Version oder eine zusätzliche App „Sygic Travel“, um die Reiseplanung komplett mit dem Smartphone zu erledigen.

Optionen und Bedienung:

Das Menü und damit die Einstellungen sind sehr, sehr umfangreich. Es gibt fast nichts, was es nicht gibt und man nicht einstellen kann. So kann man sich zu dem Ort navigieren lassen, an dem ein Foto gemacht wurde oder Sygic automatisch starten lassen, sobald es sich mit der Bluetooth Freisprechanlage verbunden hat.

Daher verliert man oft genug etwas den Überblick. Frei nach dem Motto „Wo war das noch mal?“ Mit an Bord ist sogar die Möglichkeit Spritpreise in der Umgebung zu vergleichen.

Zielsuche und Routenplanung:

Das mit der Zielsuche ist so eine Sache. Eine Suche nach Firmennamen ist so nicht möglich, es sei denn, es sind wirklich große Firmen wie IKEA. Leider gestaltet sich auch die Suche nach POI alles andere als einfach. Hat man sich die Adresse von irdendwo kopiert oder notiert, findet Sygic oft genug nichts. Erst wenn man die Suche auf die richtige Straße mit Hausnummer und Stadt reduziert, findet Sygic das Ziel. Auch hier sollte man immer zuerst den Ortsnamen zuerst eingeben und dann die Straße.

Mehrere Zwischenstopps können zwar eingegeben werden, ist aber sehr umständlich und bei der Navigation wird immer die Entfernung und Zeit zum endgültigen Ziel angezeigt und nicht zum ersten Zwischenstopp. Alles etwas knifflig aber durchaus machbar mit Einschränkungen. Nach Zielen wie Tankstellen in der Nähe suchen ist hingegen per Knopfdruck sehr einfach inkl. aller wichtigen Infos.

Navigation:

Bei Sygic gefällt mir die Kartenansicht. Oben links sieht man auf einen Blick mit einer Kilometerangabe die nächste Tankstellen, den nächsten Rastplatz usw. Unten die Daten zur Strecke mit einer Grafik, die farblich über Verzögerungen informiert. Dazu passend jeweils eine sehr ausführliche Ansage, die keine Wünsche offen lässt. Leider sind die Daten nicht gerade aktuell. Baustellen, auch schon länger vorhandene, zeigt es nicht an und immer wieder kam es bei diversen Fahrten vor, dass auch Staus nicht bekannt waren und man direkt hinein fährt, obwohl man kurz vorher hätte abfahren können.

Das mit den Blitzern ist so eine Sache. Offiziell kann man kein Addon kaufen, sie sind aber vorhanden und werden auf der Karte angezeigt. Allerdings viel zu klein und es wird nicht vor ihnen gewarnt.

Sehr hilfreich ist der Spurassistent. Kennt man ja schon von den anderen Navis, aber bei Sygic ist der noch besser. Man sieht rechts eine Leiste, in der die tatsächlichen Fahrspuren mitlaufen und so kann man sich korrekt einordnen. Selbst bei schwierigeren Bedingungen wie mehrere parallele Abbiegespuren findet man so eigentlich immer die Richtige. Das gilt auch für die sehr gute Anzeige der Straßenschilder.

In der wichtigsten Disziplin patzt Sygic dann aber doch mehrfach. Das fängt direkt zu Beginn der Fahrt an. In einem Tunnel schaltet die App automatisch in den Nachtmodus, dunkelt also das Display ab und schaltet die Farben auf dunkel um. So weit so prima, aber nachdem ich aus dem Tunnel heraus fahre, schaltet es nicht mehr um. Am Tage ist so auf dem Display rein gar nichts zu erkennen. Man muss also anhalten und im Menü die Anzeige in die Tagansicht zwingen. Sehr nervig und der Fehler ist beliebig oft reproduzierbar.



TomTom Go:

Ich übertreibe nicht, wenn ich behaupte, dass TomTom das Navi schlechthin ist. Wer hat nicht schon so ein Teil von denen in der Windschutzscheibe hängen gehabt. Früher mit einer völlig veralteten Darstellung, ist TomTom Go mittlerweile richtig hübsch geworden.

Kosten, Extras und Offlinekarten:

Die App an sich ist kostenlos und bietet pro Monat 75 km freie Fahrt an. Egal welche und wie viele Karten man sich herunterlädt. Darin enthalten sind aber schon Verkehrsinformationen und Blitzer. Sozusagen All inclusive für lau. Alles was über die 75 km hinaus geht, muss bezahlt werden. So kostet 1 Monat unbegrenztes Fahren 5,99 € und ein Jahr freie Fahrt ist für 19,99 € zu haben. Mehr Extras gibt es nicht, denn in den beiden Paketen ist wie erwähnt alles enthalten.

Optionen und Bedienung:

Typisch TomTom ist die intuitive Bedienung. Die Menüs sind sehr aufgeräumt und lassen keine Fragen offen. Nur das mit den Zwischenstopps muss man etwas suchen, denn vom Werk aus zeigt TomTom das letzte Ziel an. In den Einstellungen kann man aktivieren, dass es die Zeiten und Entfernungen zum jeweils nächsten Ziel anzeigt.

TomTom Go bietet eigentlich alles, was man für ein Navi braucht. Verschiedene Routenoptionen, Anzeige von verschiedenen Routen zur Auswahl usw. Sehr gut gefällt mir die Möglichkeit direkt beim Start bestimmte Ziele wie z.B. nach Hause vorschlagen zu lassen und per Knopfdruck zu starten. Sehr praktisch.

Zielsuche und Routenplanung:

Die Suche nach Zielen bzw. POI ist der größte Schwachpunkt von TomTom Go. Die Datenbank an POI ist riesig, aber man muss schon genau suchen, um diese auch zu finden. Besondere Ziele wie Discounter Filialen oder Tankstellen findet man sehr einfach, aber sucht man z.B. per Google ein Ziel, kopiert die Adresse und fügt sie bei TomTom ein, wird es dieses Ziel zu 99,99% nicht finden. Entweder gibt es keine Heuristik, eine Funktion, die aus bestimmten Teilen der Suchanfrage mögliche Ziele vorschlägt und/oder Schreibfehler verzeiht. So gestaltet sich die Routenplanung mit den 3 Zielen auf einer Route zur Nervensache, weil selbst Hausnummern wie 6A nicht gefunden werden, sondern erst nachdem ich das A entfernt habe.

Direkt nachdem das Ziel gefunden wurde, erscheinen auf der Karte bis zu drei verschiedene Routen, aus denen man direkt die Fahrzeit und Entfernung sehen kann und sich entscheiden kann.

Navigation:

Auf der Fahrt ist TomTom recht unspektakulär weil zurückhaltend. Man sieht wirklich nur die allerwichtigsten Infos und hat ansonsten freien Blick auf die Karte. Rechts sieht man eine Leiste mit den Verzögerungen, nächsten Tankstellen und Parkplätzen inkl. Kilometer Angaben. Sehr hilfreich und reicht vollkommen aus. Bei Staus wird man neben der Leiste auch per Stimme mit Details versorgt. Im Falle einer schnelleren Route bekommt man diese angezeigt und auch benannt und kann dann entscheiden.

Absolut bemerkenswert hierbei ist wie genau Staus und Baustellen auf der Karte angezeigt werden. Gerade Baustellen werden direkt in die Berechnung der Zeit mit berücksichtigt und auf der Seitenleiste angezeigt. Es passt oft bis auf wenige Meter genau. Hier zeigt sich der Vorteil, dass viele per TomTom unterwegs sind und so permanent Daten liefern. Das gilt auch für Blitzer, auch wenn die Aktualität an die der Blitzer.de App heranreicht.

Die Routenführung erfolgt logisch und führt primär über große Straßen. Der Fahrspurassistent ist zwar optisch nicht so ausgefeilt wie bei Sygic, erfüllt aber absolut seinen Zweck und hilft mit entsprechenden Fahranweisungen. Nennenswerte Fehler oder Probleme gibt es bei TomTom Go nicht. Zumindest habe ich bislang noch keine bemerkt.

Fazit:

Das perfekte Navi gibt es leider nach wie vor nicht. Wer komplett kostenlos unterwegs navigieren möchte, wird mit Google Maps zufrieden sein, auch wenn man gegenüber kostenpflichtigen Angeboten gewisse Abstriche machen muss. So können keine kompletten Länder oder Regionen heruntergeladen werden. Nur eine bestimmte Fläche und Warnungen vor Blitzern oder ähnliches gibt es nicht. Dafür relativ genaue Angaben zu Verzögerungen, auch wenn diese leider nicht immer aktuell sind. Dafür bietet Google Maps die perfekte Suche nach Zielen. Das toppt so schnell niemand.

Sygic ist zwar optisch ganz schick und bietet jede Menge Funktionen bzw. Extras, die man per Addon dazukaufen kann, aber nach fast 1000 km bin ich zum Schluss gekommen, dass es einfach zu unzuverlässig ist. Zwar ist es über die Jahre günstiger als TomTom, aber eben mit einigen Abstrichen.

Mein bisheriger Testsieger ist auch der Neue. TomTom Go. Zwar mit einer verhältnismäßig umständlichen Suche nach Zielen, dafür perfekt wenn es um Staus oder anderweitige Verzögerungen geht. Ansonsten gibt es immer wieder Updates für die Karten und das immer kostenlos. Extras gibt es keine. Im Paket ist alles enthalten und wer mit 75 km pro Monat klar kommt, lotst komplett gratis. Alles im Allem das Beste Preis/Leistungsverhältnis.

Und schon bald werde ich den nächsten Kandidaten auf einem Wochenendtrip auf Herz und Nieren gegen TomTom und Google Maps ins sprichwörtliche Rennen schicken.

3 KOMMENTARE

    • In der Antwort einen Kommentar über deinem habe ich bereits geschrieben, dass ich beim nächsten mal Here testen werde. Aktuell teste ich es schon, bin aber nicht wirklich überzeugt. Mal sehen, ob es auf längeren Strecken besser ist funktioniert.

      Gruß

  1. Das ist genau die Erfahrung, die ich auch gemacht habe. Selbst das im BMW eingebaute Navi mit RTTI kann in Punkto Genauigkeit und Aktualität einem TomTom Go nicht das Wasser reichen.
    Habe auch schon einige Navi-Programme getestet (Navigon, Here, Waze, Google Maps, etc.), doch lande ich immer wieder bei TomTom. Allein schon der Staubalken rechts ist Gold wert, da man sich besser auf die Staus einstellen kann und nicht plötzlich hinter einer Kurve auf eine stehende Wand trifft.

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