Immer öfter werden hochwertige Bluetooth Headsets mit ANC gekauft. Die Auswahl wird immer größer und ein neuer Vertreter ist das Bowers & Wilkins PX5, welches ich ausführlich getestet habe.

Seit längerem bin ich ein echter Fan von hochwertigen Headsets. Auch wenn ich jeden Tag mit einem Haylou GT2 TWS Headset (Testbericht) die Podcasts höre und auch mal Nachrichten, hole ich zum Musik hören mein Bowers & Wilkins PX (Testbericht) heraus. Einfach weil ein Over-Ear bzw. ein On-Ear Headset auf Dauer angenehmer zu tragen ist, der Klang so phänomenal gut ist und der Akku gefühlt ewig hält.

Und so geht es vielen. Anstatt oft was billiges zu kaufen, lohnt es sich ein bisschen mehr auszugeben und gleich was hochwertiges, vielleicht noch mit ANC, zu kaufen. Als das Bowers & Wilkins PX5 vorgestellt wurde, war mir sofort klar, dass ich es testen muss, was jetzt der Fall ist.

Dabei ist mir das ANC nicht so wichtig, denn auch das ANC des Sony WH-1000XM3 (Testbericht) als das beste der Welt gilt, kann auch dieses nicht alles eliminieren. Solange es einigermaßen filtert bin ich zufrieden. Zumal ein aktives ANC (fast) immer den Klang ein Stück weit verschlechtert. Stichwort Grundrauschen.

Technische Daten Bowers & Wilkins PX5:

  • 10 Hz – 30 kHz
  • 35 mm Treiber
  • Adaptives ANC
  • Bluetooth 5.0 mit aptX HD
  • A2DP, AVRCP, HFP, HSP, SBC, AAC, BLE GATT
  • 25 Stunden Akkulaufzeit mit aktiven ANC
  • USB Typ-C 
  • 3,5 mm AUX-IN
  • Schnellladefuktion
  • 267 g

Produktseite: bowerswilkins.com/px5

Deutsche Bedienungsanleitung: bowerswilkins.com/PX5_Anleitung.pdf

Erhältlich ist das Bowers & Wilkins PX5 in den Farben Schwarz/Grau oder Blau/Schwarz unter anderem bei Amazon* zum Preis ab 279 Euro.

Wie ich genau teste und worauf ich dabei so achte, habe ich hier im Detail beschrieben -> Link

Natürlich sind das meine ganz persönlichen Eindrücke und gerade der Klang, aber auch die Akkulaufzeit hängt extrem vom eigenen Nutzungsverhalten und Hörgewohnheiten ab.

Was ich gut finde:

In der Verpackung befindet sich neben dem Kopfhörer noch eine Tragetasche, ein USB Typ-C Ladekabel, ein 3,5 mm Klinkenkabel und eine deutsche Anleitung. Soweit so normal für diese Preisklasse.

Gar nicht so normal ist die Verarbeitung. Wie auch schon beim Bowers & Wilkins PX (Testbericht) ist die über jeden Zweifel erhaben. Der neu designte Bügel besteht aus Karbonfaser-Composite und sieht nicht nur schnittig aus, sondern wirkt alles andere als billig. Der Bezug ist am Kopf und den Ohrmuscheln aus einem weichen Ziegenleder und der Rest aus einem robusten Stoff.

Positiv zu erwähnen ist auch der kleine, aber feine Umstand, dass die Lage in schönen großen Lettern in die Hörmuschel zu sehen ist. Also wo links und wo rechts ist. Die meisten Konkurrenten ärgern uns mit kleinsten Buchstaben irgendwo am Bügel.

Wirkt alles sehr solide und gefällig. Ehrlich gesagt, erwarte ich das aber auch von einem Headset in dieser Preisklasse.

Die Liste der Ausstattung ist komplett. Neben dem adaptiven ANC gibt es noch eine  Bewegungssensorik, die erkennt, ob man das Headset absetzt oder wieder aufsetzt. Entsprechend wird die Musik pausiert oder wieder gestartet.

Dieses adaptive ANC (Active Noise Canceling) ist zwar keine Neuheit, aber findet man in immer mehr Headsets dieser Preisklasse. Beim Bowers & Wilkins PX5 analysieren 4 Mikrofone die Umgebungsgeräausche und steuern den Grad der Geräuschunterdrückung bzw. den Umgebungsfilter, mit der z.B. Ansagen und Gespräche noch hindurch kommen. 

Dazu noch eine App, in der am einiges einstellen kann, aber nicht zwingend notwendig ist. Dazu gibt es noch eine Freisprechfunktion, Unterstützung von Sprachassistenten und eine moderne USB Typ-C Buchse. 

Kabelgebunden Musik zu hören ist dank der 3,5 mm Buchse auch kein Problem. Wer möchte, kann das Headset per USB Kabel auch problemlos mit einem PC verbinden und so Musik hören.

Auch die Bedienung ist dank der „richtigen“ Tasten ein Kinderspiel. An der linken Ohrmuschel ist die Taste für das ANC, mit der man es in vier Stufen verstellen kann. Hoch, niedrig, Auto und Aus.

An der rechten Ohrmuschel findet man die drei-teilige Taste, wovon eine für Lauter zuständig ist, eine für Leiser und die mittlere eine Multifunktionstaste. Die drei kann man sehr leicht durch fühlen auseinanderhalten. Die Multi-Taste ist deutlich erhaben und trennt die beiden Lautstärketasten ab. Der darunter befindliche Schiebeschalter ist ein echter Ein/Ausschalter und dient beim Verschieben auch  als Bluetooth-Taste. Das war es auch schon. 

Laut und Leiser ist klar. Play und Pause steuert man mit der Multi-Taste. Drückt man diese doppelt, dann springt man einen Titel nach vorne. Dreimal drücken einen Titel zurück. Kommt ein Anruf rein, kann man diesen annehmen, ablehnen usw. 

Der Klang ist einfach nur gut, auch wenn er sich vom Bowers & Wilkins PX (Testbericht) deutlich unterscheidet. Der PX5 ist vereinfacht gesagt sehr linear und unverfälscht abgestimmt, was nichts negatives ist.

Im direkten Vergleich zum PX ist er in allen Tonlagen etwas dezenter bzw. weicher abgestimmt. Eben sehr ausgewogen und dürfte somit den Hörgeschmack der allermeisten Hörern nahe kommen.

Bässe kommen gut rüber, aber der PX ist halt noch mal eine ganz Spur präziser und wuchtiger. Die hohen Töne sind beim PX5 nicht ganz so spritzig wie beim PX, dafür aber auch bei höheren Lautstärken angenehmer. 

Die Bühne ist sehr breit und tief. Man bekommt beinahe so etwas wie das Gefühl von Raumklang. Allerdings muss man zugeben, dass auch hier der PX den Konzertsaal ein paar Qudratmeter größer machen kann.

Was so ein High-End Headset wirklich kann, sollte man sich mal mit diesem klassischen Stück mit 360° Sound bei YouTube anhören -> Percy Aldridge Grainger – Molly on the Shore in 360 Grad

Wer den einen Zuschauer 3x husten hört und sagen kann, wo dieser in etwa sitzt, weiß, dass er mit einem guten Kopfhörer hört.

Der Bowers & Wilkins PX5 klingt einfach nur richtig gut und so macht das Musik hören auch nach vielen Stunden immer noch Spaß. Außer ausgemachten Bassfetischisten wird es zu weich abgestimmt sein und echten Klassikfans dürften die Höhen einen Ticken zu vordergründig sein.

Bei Telefonaten ist der Klang ebenfalls nahezu perfekt. Allerdings sollte man hier das ANC ausschalten, sonst brüllt man durch die Gegend, da man sich selbst schlicht nicht hört.

Was ich ok finde:

Das Lebendgewicht von 267 g ist absolut in Ordnung. Kein ausgemachtes Leichtgewicht, auch er leichter aussieht. Selbst nach Stunden auf dem Kopf wirkt er nicht störend. Ganz im Gegensatz zum Bowers & Wilkins PX (Testbericht), der deutlich schwerer ist.

Übrigens kann man an der Gwichtsangabe sehr leicht feststellen, ob ein Tester den Kopfhörer wirklich getestet hat oder nur abgeschrieben. Denn mit nachgewogenen 267 g ist er deutlich schwerer, als die 241 g laut Datenblatt. 

Wo wir auch direkt das Thema Tragkomfort abhandeln können. Denn hier überzeugt der Bowers & Wilkins PX5 auf ganzer Linie. Er sitzt gut, aber um Längen angenehmer als der PX, der einen zu starken Druck auf den Kopf ausübt und dessen eher harten Polster der Ohrmuscheln schon nach kurzer Zeit drücken. Hier beim PX5 mit seinem seinem weichen und sehr angenehmen Ziegenleder eine echte Wohltat.

Bis zu 24 Stunden soll der Akku durchhalten und das mit aktiven ANC. Das schafft er spielend. Bei mir war erst nach 25 Stunden und 13 Minuten der Akku leer. Geladen wird er per USB Typ-C Kabel, was aber schon mal gut und gerne 90 Minuten dauern kann. Allerdings erreiche ich nicht ganz die versprochenen 5 Stunden nach nur 15 Minten aufladen. Bei mir hat es dann für 3 Stunden und 42 Minuten gereicht.

Während dem Aufladen kann man aber problemlos weiter Musik hören. 

Die zum Headset gehörende App nennt sich schlicht Bowers & Wilkins Headphones (Android / iOS) und wird zum Glück nicht zwingend benötigt. Warum steht weiter unten. In ihr kann man festlegen, wie stark die Durchschaltung von Umgebungsgeräuschen sein soll, also ob man mehr oder weniger seiner Umgebung zu hören bekommt. Dazu kann auch die Sprache für die Ansagen geändert werden, Updates durchgeführt werden, der Tragesensor eingestellt werden und das Standby geändert werden.

Neu sind die sogenannten Klanglandschaften, die auf Knopfdruck Naturgeräusche wie Regen einspielen. Perfekt für die Konzentration, aber gibt es auch bei Youtube und Co. massenhaft. Ein nettes Feature, aber kann eben nicht ohne Smartphone aktiviert werden.

Die Latenz ist erfreulich gering, aber noch ein Stück weit wahrnehmbar. 

Wie eingangs beschrieben, lege ich auf das ANC keinen besonderen Wert. Es ist unrealistisch zu glauben, dass ANC alles restlos ausfiltern kann. Das schafft auch der Bowers & Wilkins PX5 nicht, aber alleine die Polsterung nimmt schon einiges an Umgebungsgeräuschen weg. 

In der Stellung „High“ ist auf der Wache schon noch einiges zu hören, aber so minimal, dass es absolut nicht stört. Bei der Stellung „Auto“ hört man leises Gemurmel und je näher es ist, umso mehr hört man, was gerade in eine Büro nicht schlecht ist. Im Straßenverkehr ist es genau richtig dossiert, dass man den Verkehr noch bewusst mithören kann. Alles andere könnte mitunter tödlich enden. Von dem her macht das ANC eine gute 

Einen Reset führt man übrigens aus, in dem man die Lauter-Taste, die Leiser-Taste und die ANC-Taste zusammen für 10 Sekunden gedrückt hält.

Links: Bowers & Wilkins PX5 Rechts: Bowers & Wilkins PX

Was ich nicht gut finde:

Wie auch schon beim PX ist auch das PX5 nicht komplett faltbar, also platzsparend zusammen zu legen. Wobei das auch kein großes Problem ist, da sie an sich schon recht kompakt sind. Aber könnte man durchaus besser machen.

Die Verbindung zur App ist das größte Problem. Aber auch schon beim PX war die Verbindung zur App immer ein Glücksspiel. Umso erfreulicher, dass man die App nicht wirklich benötigt. Musik hören kann man schon mit allen Funktionen, wenn man das Headset ganz normal per Bluetooth mit dem Smartphone verbindet.

Selbst dann, also bei aktiver Bluetoothverbindung und Musik hören, bekommt man nur in 2 von 10 Fällen eine Verbindung zu App. Das muss Bowers & Wilkens dringend verbessern. Zum Glück passt jetzt eine App für alle Headsets, denn bislang gab es derer zwei und beide waren in dieser Hinsicht schlicht katastrophal.

Apropos Verbindung zur App. Erfreulicherweise gibt es hin und wieder auch mal Updates für das Headset. Dumm nur, dass die Installation ungelogen gut 15 Minuten dauert. Und wehe das Smartphone geht währenddessen in den Standby. Dann ist die Chance richtig hoch, dass das Update abbricht. Extrem nervig.

Fazit:

Ist das Bowers & Wilkins PX5 empfehlenswert? Ja, absolut. Hätte ich nicht schon das PX, wäre das PX5 wohl mein nächstes Headset. Super angenehmer Klang, hoher Tragekomfort, lange Akkulaufzeit und man braucht die App nicht zwingend. Das mit der App ist nämlich der größte Kritikpunkt und die ist, zum Glück, nicht zwingend notwendig.

Mittlerweile habe ich etliche High-End Headsets getestet und da würde ich das PX5 irgendwo zwischen dem Sony WH-1000XM3 (Testbericht) und dem Bang & Olufsen BeoPlay H9i (Testbericht) einordnen. Als nächstes habe ich das Jabra Elite 85H im Test und kann jetzt schon mal verraten, dass beide klanglich auf einer Höhe spielen.

Offenlegung: Mobi-test.de hat dieses Gerät auf Anfrage vom Hersteller als Leihgabe bzw. als Geschenk erhalten. Unsere Berichterstattung ist davon nicht beeinflusst und bleibt gewohnt neutral und kritisch. Der Artikel ist, wie alle anderen auf unserem Portal, unabhängig verfasst und unterliegt keinerlei Vorgaben Dritter; diese Offenlegung dient der Transparenz.

Bowers & Wilkins PX5
  • Verarbeitung/ Ausstattung
  • Verbindung/ Bedienung
  • Klang
  • Preis/ Leistung
3.6

Kurzfassung

+ top Verarbeitung
+ guter Tragekomfort
+ sehr guter Klang
+ Akkulaufzeit
+ Schnellladefunktion
+ gutes ANC

– schlechte Verbindung zur App
– Updates dauern ewig

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