ich habe das Jabra Elite 75t (mit ANC Update) und das Jabra Elite 85t im Test oder besser gesagt ich habe beide im direkten Vergleich und schreibe hier auf, was ich gut finde, was nicht und welcher von beiden die bessere Wahl ist.

Wenn es um Business-Headsets geht, dann fällt sehr oft der Name Jabra. Das Jabra aber auch „normale“ Headsets zum Musik hören bauen kann, haben das Jabra Elite 45h (Testbericht) oder das Jabra Elite 85h (Testbericht) bewiesen. Meine Frau ist seit mehreren Jahren im Homeoffice und telefoniert täglich teilweise mehrere Stunden mit Headsets und hatte schon mal die Jabra Elite 65t genutzt, welche aber nach kurzer Zeit defekt waren. Nun hat uns Jabra gleich zwei Headsets für einen Test geschickt.

Das Jabra Elite 75t wurde seinerzeit ohne ANC ausgeliefert, hat dieses Feature aber vor kurzem per Update erhalten und das als erstes Headset überhaupt. Wie sich dieses nachträgliche ANC gegen das brandneue Jabra Elite 85h mit seinem „Premium ANC“ schlägt, haben wir in unserem 3-wöchigen Test ausführlich ausprobieren können.

Technische Daten Jabra Elite 75t vs. Jabra Elite 85t:

Produktseite Jabra Elite 75t: jabra.com.de/jabra-elite-75t

Produktseite Jabra Elite 85t: jabra.com.de/jabra-elite-85t

Deutsche Bedienungsanleitung Jabra Elite 75t: jabra.com/Jabra-Elite-75t-User-Manual.pdf

Deutsche Bedienungsanleitung Jabra Elite 85t: jabra.com/Jabra-Elite-85t-User-Manual.pdf

Erhältlich sind die Jabra Elite 75t und Elite 85t unter anderem im Jabra Onlineshop* oder bei Amazon* zum Preis von 172,99 Euro bzw. 229,99 Euro. 

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Wie ich genau teste und worauf ich dabei so achte, habe ich hier im Detail beschrieben -> Link

Natürlich bewerte ich auch solche Sachen wie Verarbeitungsqualität, Konnektivität mit Android und iOS, Tragekomfort usw. denn ich treibe auch Sport und trage sie dabei.

Am Ende schreibe ich auf, was ich gut finde, was ok und was ich nicht gut finde. Dieses mal läuft das aber etwas anders, da ich die beiden Headsets nicht nacheinander teste, sondern im direkten Vergleich. 

Natürlich sind das meine ganz persönlichen Eindrücke und gerade der Klang, aber auch die Akkulaufzeit hängt extrem vom eigenen Nutzungsverhalten und Hörgewohnheiten ab.

Nicht zuletzt von der Auswahl der passenden Aufsätze die zum sehr großen Teil den Klang beeinflussen. Dazu habe ich hier mal ein paar Tipps zusammengetragen -> Link

Links: Jabra Elite 85t Rechts: Jabra Elite 75t

Was ich gut finde:

In den beiden Verpackungen findet sich exakt derselbe Lieferumfang. Neben dem Case mitsamt den beiden Ohrstöpseln findet man noch einzeln verpackte Ohrpolster in verschiedenen Größen und ein kurzes USB Typ-C Ladekabel. Eine gedruckte Anleitung gibt es nicht. Dafür eine wirklich sehr, sehr kurze Einführung, dass man sich bitte die dazu gehörende Jabra Sound+ App herunterladen muss. Etwas weiter oben ist die jeweilige Anleitung als PDF verlinkt.

Die Ausstattung der Jabra Elite 75t und Jabra Elite 85t ist gar nicht mal so unterschiedlich, zumal das 75t erst vor kurzem per Update ein ANC spendiert bekommen hat. Die wichtigsten Unterschiede habe ich oben in der Tabelle in grün markiert. Das wären zum einen die unterschiedlichen Treiber. Beim 75t haben die Lautsprecher einen Durchmesser von 6 mm und im 85t von 12 mm. Liest sich jetzt ganz schön krass oder? Des weiteren besitzt der 85t einen eigenen Active Noise Cancellation-Chip, der dem 75t fehlt. Beim Jabra Elite 85t ist auch Wireless Charge mit an Bord. Einfach das Case auf eine entsprechende Ladematte stellen und der Akku wird geladen. Das 75t wird ganz normal über USB Typ-C geladen. Funktioniert übrigens auch beim 85t. Worin sich die beiden Elite noch unterscheiden, ist die Form der Ohrpolster. Die sind beim 85t oval, was für besseren Halt sorgen soll.

Beiden gemein ist wieder die sehr gut funktionierende Trageerkennung oder auch die Bluetooth Audio Codecs AAC / SBC (was ist das?). aptX gibt es nicht. Keine Ahnung, warum so viele scharf darauf sind, denn kaum ein Smartphone unterstützt es. Und so sind die allermeisten, ohne es zu wissen, mit dem schnöden AAC unterwegs, obwohl sie extra ein aptX Headset gekauft haben. Warum das so ist, habe ich hier beschrieben -> Link

Links: Jabra Elite 75t Rechts: Jabra Elite 85t

Gerade für die Buisnesskunden dürfte das Feature Multipointverbindungen sein. Diese haben beide, also sowohl das 75t, als auch das 85t. Sie erlaubt die gleichzeitige Verbindung von zwei Geräten wie z.B. zwei Smartphones, ein Smartphone und einem PC oder einem PC und einem Tablet. Wie man es eben braucht. Meine Frau verbindet damit ihr privates und zusätzlich noch das Geschäftshandy und ist mit beiden erreichbar und kann mit beiden direkt über das Jabra telefonieren.

Richtig gut gelungen ist die Sache mit der Bedienung. Da sind sich die beiden Jabra Elite 75t und 85t zum Glück einig. Die primären Funktionen und auch die Belegung der Tasten werden über die Jabra Sound+ App gesteuert, auf die ich gleich näher eingehen werde. Die grundlegende Bedienung an den Headsets selbst erfolgt über eine gut erreichbare Taste, die dazu auch noch einen sehr, sehr guten Druckpunkt bietet. Im Standard ist es so eingestellt, dass beim Musik hören einmal drücken die Play/ Pause steuert, doppelt drücke rechts springt einen Titel nach vorne, dasselbe links springt an den Anfang des aktuellen Titels. Gedrückt halten rechts erhöht die Lautstärke und gedrückt halten links reduziert diese. Dreimaliges drücken schaltet zwischen den ANC Levels durch. Beim Telefonieren drückt man einmal zum Annehmen und Auflegen, zweimaliges Drücken lehnt den Anruf ab und dreimaliges Drücken hält den aktuellen Anruf. Wie gesagt. Alle Funktionen und Tastenbelegungen lassen sich in der App nach eigenen Wünschen festlegen, was die Bedienung massiv vereinfacht, da man sich selbst festgelegte Funktionen besser merkt.

Für einen Reset auf die Werkseinstellungen löscht man beim Jabra Elite 75t genau wie beim Elite 85t zuerst den Eintrag in den Bluetootheinstellungen und hält dann bei beiden Ohrstöpseln die Tasten so lange gedrückt, bis die LEDs violett blinken und dann erlöschen. 

Links: Jabra Elite 75t Rechts: Jabra Elite 85t

Der Akku der Jabra Elite 75t soll mit aktiven ANC bis zu 5,5 Stunden durchhalten und zusammen mit dem Case dann 24 Stunden. Bei mir waren es 4 Stunden und 28 Minuten bei normalen Hörlautstärken und zusammen mit dem Case schlussendlich etwas über 18 Stunden. Die Jabra Elite 85t sollen ebenfalls 5,5 Stunden und mit dem Case 25 Stunden. Hier konnte ich mit exakt 5 Stunden und 30 Minuten die Herstellerangabe erreichen und mit dem Case summiert es sich auf knapp 20 Stunden. Dank Schnellladung sollen bei beiden 15 Minuten aufladen für bis zu 1 Stunden Musikgenuss ausreichen. Das ist etwas zu hoch gegriffen, denn in der Realität sind es 42 Minuten, was aber immer noch sehr gut ist. Und mit dem kabellosen Qi-Laden des Jabra Elite 85t ist das Laden eine bequeme Sache, auch wenn länger dauert.

Klanglich liegen die beiden nicht wirklich weit auseinander, wie man an der doppelten Größe der Treiber des 85t meinen könnte. Beide liefern einen schönen, satten Klang, welcher irgendwie zu begeistern weiß. Sicher nichts für Klangfetischisten, aber für alle, die einfach nur gut Musik hören wollen. An die schönen Bässe, die vor allem gut sind, wenn man sich wirklich Zeit für den perfekten Sitz der Ohrstöpsel nimmt, schließen sich ordentliche Mitten und Höhen an. Beim 75t könnte man aufgrund der kleineren Treibergröße ein zischeln in den Höhen bei hohen Lautstärken ankreiden, was aber kleinlich wäre, denn man hört es nur, wenn man beide, also das 75t und das 85t, beide direkt miteinander vergleichen kann. Bei beiden bekommt man eine schöne, breite Bühne mit einer Tiefe, die wirklich beeindruckend ist. Dabei spielt sich das Geschehen zentral zwischen den beiden Ohren ab. Ein Phänomen, welches vielen Headsets schlicht fehlt. Egal ob günstig oder teuer. Hier bekommt man es und gerade Livemusik macht damit richtig Laune. Im Endeffekt kann das Jabra Elite 85t seinen Vorteil der doppelt so großen Treiber nicht wirklich umsetzen. Die Unterschiede sind wirklich nur im direkten Vergleich hörbar.

Links: Jabra Elite 75t Rechts: Jabra Elite 85t

Apropos Laune. Bei der Initialisierung der Jabra Sound+ App sollte man unbedingt die MySound“-Funktion nutzen. Eine Art Hörtest, die den Klang der beiden Ohrstöpsel individuell an den Nutzer anpasst und der Unterschied ist teilweise deutlich hörbar.

Jabra ist bekannt für gute Sprachqualität und die liefern das 75t und das 85t in Gänze. Bei Telefonaten können beide absolut überzeugen, auch wenn das 85t mit zwei Mikrofonen mehr aufwarten kann, macht das in der Praxis keinen wirklichen Unterschied. Man selbst ist sehr gut verständlich und selbst laute Nebengeräusche wie eine laute Straße werden wirksam herausgefiltert. Das Gegenüber ist zu jederzeit ebenfalls sehr gut verständlich, auch wenn ich ab und an mal ein dezentes Echo gehört habe.

Was ich ok finde:

Die Verarbeitung der Headsets sind gut. Die Deckel der beiden Cases schließen satt und halten die Headsets gut, auch wenn der Deckel geöffnet ist. In dieser Preisklasse ist das aber der Standard. Das gilt im übrigen auch für die Ohrstöpsel, die zwar komplett aus Plastik bestehen, aber durch die Formgebung gut im Ohr sitzen. Da schenken sich die beiden im übrigen auch nichts. Beim Sport halten beide gut, solange man nicht zu stark bewegt wie z.B. bei Jumping Jacks oder Seilspringen. Beim Laufen halten sie dagegen gut. Allerdings rutschen sie ein wenig heraus, wenn man etwas stärker schwitzt. Das Problem hatte ich mit den deutlich größeren und auch schwereren Sony WF-1000XM3 (Testbericht) nicht. Im normalen Alltag stören die beiden selbst nach mehreren Stunden im Dauereinsatz nicht. 

Wasserdicht sind die beiden Jabra Elite 75t und auch die Jabra Elite 85t nicht, sondern „nur“ spritzwassergeschützt. Ob das 75t jetzt nach IP55 und das 85t nach IPX4, spielt im Alltag keine Rolle, denn beide sind resistent gegen den Regenschauer oder starkes schwitzen, taugen aber nicht zum Duschen oder gar zum Schwimmen. 

Der Hauptunterschied zwischen den beiden liegt im ANC. Das Jabra Elite 75t hat es per Update nachträglich erhalten, ist also rein softwarebasiert, was man im Alltag auch hört. Die Filterung ist als gering zu bewerten, aber immer noch besser als gar keine. Bislang ist mir kein Hersteller bekannt, der ein „altes“ Headset nachträglich mit ANC ausrüstet. Das „Advanced ANC“ der Jabra Elite 85t ist da schon deutlich besser, aber kommt nicht annähernd an das ANC der Sony WF-1000XM3 (Testbericht) heran. Die Dämpfung ist aber schon ordentlich und man kann diese, je nachdem ob man iOS oder Android nutzt, sogar in mehreren Stufen einstellen. Genauer gesagt sind es 5 Stufen im ANC, 5 Stufen im Hear-Through-Modus und Aus. In der Jabra Sound+ App kann man auch noch drei Modis „Mein Moment“, „Pendeln“ und „Fokus“ speichern und aktivieren. Diese HearThrough-Funktion ist für mich bei Headsets aller Art extrem wichtig, kann ich hier sehr genau steuern, was ich von draußen noch hören möchte, was vor allem im Büro wichtig sein kann, wenn man angesprochen wird.

Apropos Jabra Sound+ App (iOS / Android). Wie bereits erwähnt ist diese sehr wichtig für die Nutzung von Jabra Headsets und muss installiert werden. Hierüber werden nicht nur Firmwareupdates gemacht, sondern eben auch die wichtigsten Einstellungen wie Tastenbelegungen, die Umschaltung der drei Modis usw. Je nachdem, ob man iOS oder Android nutzt, unterscheiden sich die Möglichkeiten des ANC. Beim iPhone kann aus 5 Stufen wählen, bei Android nur zwei. Dasselbe gilt für HearTrough. Der Equalizer ist für mich keine Option, da er zu grob rastert und den Klang eher verschlechtert, als optimiert. Ein nettes Gimmick ist „Soundscape“, über die man sich diverse Klänge wie Wellenrauschen einspielen lassen kann, wenn man sich konzentrieren möchte. Nutzer einer Apple Watch können das ANC bzw. HearTrough direkt über die Uhr steuern.

Was ich nicht gut finde:

Etwas verwirrt bin ich über den Punkt mit der Verbindung. Es ist nicht einmal die Reichweite, denn die ist dank Bluetooth 5.0 je nach baulichen Gegebenheiten gut bis sehr gut. Es ist eher die Tatsache, dass beide, also das Jabra Elite 75t und auch das Elite 85t eine deutliche Latenz aufweisen. Bei Telefonaten ist das einigermaßen verschmerzbar, wenn auf Dauer etwas störend, aber bei Videos oder beim Spielen ist es doch zu auffällig. Es spielt auch keine Rolle, ob ich mit meinem iPhone 11 oder meinem Xiaomi Redmi 9 verbunden bin. Vielleicht wird das noch mit einem der nächstem Updates behoben. Zumal ich dieses von anderen Jabra Headsets nicht kenne.

Links: Jabra Elite 75t Rechts: Jabra Elite 85t

Fazit:

Ist das Jabra Elite 75t bzw. das Jabra Elite 85t empfehlenswert? Für beide ein eindeutiges Ja. Preislich liegen beide rund 70 Euro auseinander, unterscheiden sich klanglich aber kaum voneinander. Eher im ANC, welches beim 85t durch den eigenen Chip erheblich besser arbeitet, als beim 75t, aber auch keine Wunder vollbringen kann. Wer wirklich ein sehr, sehr gutes ANC haben will, für den ist nach wie vor das Sony WF-1000XM3 (Testbericht) die Empfehlung, auch wenn dieses keine Multipointverbindungen erlaubt und auch beim telefonieren nicht an die Qualität der beiden Jabras heranreicht. Gerade diese Multipointverbindungen dürften für Nutzer von zwei Smartphones interessant sein und da kann Jabra seit jeher überzeugen, auch wenn es bei Telefonaten zu einer merklichen Latenz kommt. Welches man von beiden nehmen sollte, hängt eigentlich nur von zwei Punkte ab. Dem Budget und ob man ein vernünftiges ANC braucht, denn beide sind ihr Geld wert und erhalten daher beide das Gütesiegel.

Offenlegung: Mobi-test.de hat dieses Gerät auf Anfrage vom Hersteller als Leihgabe erhalten. Unsere Berichterstattung ist davon nicht beeinflusst und bleibt gewohnt neutral und kritisch. Der Artikel ist, wie alle anderen auf unserem Portal, unabhängig verfasst und unterliegt keinerlei Vorgaben Dritter; diese Offenlegung dient der Transparenz.

Jabra Elite 75t vs. Jabra Elite 85t
  • Verarbeitung/ Ausstattung
  • Verbindung/ Bedienung
  • Klang
  • Preis/ Leistung
3.8

Zusammenfassung

+ Verarbeitung
+ Akkulaufzeit
+ Klang
+ App
+ Schnellladefunktion
+ kabelloses Laden (nur 85t)

– deutliche Latenz 

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