Tesvor S4 Saugroboter im Test – was taugt er im Alltag wirklich?

Wir haben den Tesvor S4 im Test und wollen wissen, wie gut sich dieser Saugroboter im Alltag so schlägt, denn mit 249 Euro ist er preislich durchaus attraktiv.

Es ist schon interessant zu zusehen, wie sich das stetig wachsende Segment der Saugroboter etabliert. Vor allem in der Preisklasse um die 250 Euro tummeln sich jede Menge Modelle und im groben sind sie alle irgendwie gleich. So auch der Tesvor S4, wobei Tesvor so gesehen schon einen gewissen Bekanntheitsgrad hat. Vor allem bei Amazon, wo deren Saugroboter immer ganz vorne zu finden sind. Und seitdem mich Markus mit dem Test des Trouver Finder (Testbericht) angefixt hat, haben wir innerhalb kürzester Zeit etliche Saugroboter getestet. Zuletzt den Roborock S7 (Testbericht), welcher aber auch doppelt so teuer ist und daher für den Vergleich nicht herangezogen wird. Eher schon der realme Techlife Robot Vacuum (Testbericht), welcher mittlerweile für unter 300 Euro zu haben ist. Trotzdem muss auch der Tesvor S4 durch unsere Wohnung navigieren und sich den bekannten Herausforderungen einer ganz normalen Wohnung stellen, welche ich hier ausführlich beschrieben habe -> Link

Technische Daten Tesvor S4:

  • LiDAR-Navigation
  • Sprachsteuerung per Google Assistant/ Alexa
  • 2200 pa Saugleistung
  • max. 58 dbA
  • 2 Seitenbürste
  • 1 Bodenbürsten
  • Zonenreinigung
  • No-Go Areas
  • Virtual Wall
  • max. 5 Karten
  • Tesvor App
  • 600 ml Staubbehälter
  • 15 mm Steigfähigkeit
  • HEPA-Filter
  • WLAN (2,4 GHz)
  • 348 x 348 x 148 mm
  • 4,8 kg
  • 25 Watt
  • 2500 mAh

Produktseite: tesvor.com/de/tesvor-s4-saugroboter

Deutsche Bedienungsanleitung: tesvor.com/s4_manual_de.depdf

Erhältlich ist der Tesvor S4 zum Preis von 249 Euro und bei Amazon*. Optional gibt es noch eine Absaugstation.

Was ich gut finde:

Beim Auspacken fällt schon mal die sehr gute Verarbeitung des Tesvor S4 auf. Schick sieht er aus. So schwarz glänzend und er hat sogar einen richtigen Ein/Aussschalter. Das ich den öfter mal brauchen werde, konnte ich bis dahin nicht ahnen. Im Karton liegen alle Teile übersichtlich bereit. Darunter zwei Seitenbürsten, ein Ersatzfilter, ein Reinigungswerkzeug, eine Fernbedienung, eine Anleitung und die Ladestation nebst Kabel. Die rutscht gerne mal herum, da der Tesvor nicht gerade zimperlich ist, wenn an seiner Ladestation andockt und die Basis verschiebt. Ein Stück Moosgummi unter die Basis geklebt wirkt Wunder. Ein Kabelmanagment gibt es leider nicht, so dass das Kabel offen herumliegt.

Beim Zusammenbau fällt schon mal auf, dass der Tesvor S4 zwar einen großen Staubbehälter hat, aber dafür keinen Wassertank. Den gibt es gegen Aufpreis, damit fällt dann aber der Staubbehälter weg. So wie beim Ecovacs DEEBOT T9+ (Testbericht), bei dem man sich vor der Reinigung auch entscheiden muss. Dafür ist die Entnahme und Entleerung sehr einfach und dank des 600 ml Volumen eher selten nötig. In den 3 Wochen des Tests haben wir den Saugroboter insgesamt 26 mal fahren lassen und nur einmal entleeren müssen. Oben ist der Turm mit dem LiDAR Sensor zu sehen, davor zwei Tasten und die LED für den WLAN Empfang. An der Front und der Unterseite sind weitere Sensoren verteilt. Natürlich auch die beiden Seitenbürsten und die Bodenbürste.

Die LiDAR-Navigation ist wirklich gelungen. Zielsicher steuert der Roboter durch unser Labyrinth aus insgesamt 24 dünnen Stuhlbeinen unter unserem Esstisch. Das macht sonst nur unser iRobot Roomba i7+. Alle anderen haben sich geweigert dort hindurch zu manövrieren. Der Tesvor S4 saugt hier anstandslos und navigiert sich geschickt hindurch. Auch in der restlichen Wohnung findet es sich gut zurecht und fährt (meistens) zielsicher zum Ort der Reinigung.

Auch wenn die Saugleistung mit 2200 pa vergleichsweise gering ausfällt, ist die Saugleistung richtig gut. Während des Tests hatten wir einen stark haarenden Hund zu Gast, der offensichtlich einen Fellwechsel bei uns gemacht hat. An diesem tag musste die Küche nach einem großen Kochevent, dem Hund und vor allem unter dem Esstisch gesaugt werden. Es hat zwar etwas gedauert, aber am Ende war nirgends mehr was von Hundehaaren zu sehen oder dem Festmahl. Absolut top, zumal er auch sehr leise zu Werke geht.

Was ich nicht gut finde:

Den Anfang macht die Tesvor App (Android / iOS), welche gelinde gesagt eine absolute Katastrophe ist. Diese wurde laut Hersteller von Grund auf neu erstellt, aber angeschaut hat sich das in der deutschen Sprache wohl niemand, denn die Übersetzungen sind m mitunter sehr skurril. Was „Verboten arbeiten“ bedeutet, erschließt sich bei der Nutzung, aber das „Rahmen“ in die Einstellungen der App führt, ist schon schräg. Gut ist auch die „Wahlkreisreinigung“, mit der man einen bestimmten Bereich reinigen lassen kann. Oder was bedeutet bitte „Geschlossen“ bei der Auswahl der Saugleistung? Solche Beispiele gibt es ohne Ende und ich muss zugeben, dass man teilweise gezielt nach solchen Fehlern sucht.

Die Verbindung per Assistent ist relativ einfach. Nur die Verbindung mit dem heimischen WLAN ist nicht ganz selbsterklärend, denn man muss sich dafür mit dem Smartphone mit dem WLAN des Saugers verbinden und dann wieder auf das heimische WLAN umschalten. Aber ist das erledigt, ist die restliche Einrichtung schnell gemacht. Zu Beginn habe ich die App auf meinen iPhone 11 mit iOS ausprobiert. Wie immer muss der Roboter eine erste Orientierungsfahrt durchführen. Dabei fällt schon mal auf, dass der Tesvor S4 massive Probleme mit Teppichen aller Art hat. Egal ob sehr flach oder etwas hochflorig. Er bleibt immer wieder hängen. Damit es weitergeht, muss man den Roboter befreien und die Power-Taste an der Oberseite drücken. Dann geht es zwar weiter, aber plötzlich fängt der Tesvor S4 an eine weitere, etwas rotierte Karte anzulegen und legt diese über die bisher erstellte. Bei der ersten Fahrt hatte ich am Ende vier Karten übereinander und keine davon fertig. So erscheint zum Bearbeiten auch direkt eine Latte an schlecht übersetzten Fehlermeldungen an deren Ende nur das Löschen der Karte bleibt und der erneute Start zum erstellen der Karte. Das ganze habe ich 4 Tage lang öfter durchexerziert und entnervt den Support angeschrieben, der mir leider nicht weiterhelfen konnte. Also umsteigen auf Android und siehe da. Zwar fährt sich der Roboter immer noch sehr oft fest, aber nach fast 6 Stunden und zwei Akkuladungen später, war die Karte der Wohnung fertig und konnte editiert werden.

*** Update ***

Es ist jetzt doch auch unter Android passiert. Also das mit den übereinanderliegenden Karten. Auf seiner letzten Fahrt hat der Tesvor S4 den kleinen Läufer vor der Balkontür ein paar Meter mitgezogen, sich daran festgefahren. Nachdem ich ihn befreit und den Saugvorgang fortgesetzt habe, hat er eine neue Karte erstellt und über die alte gelegt. Diese kann man zwar editieren, aber sie ist unbenutzbar, da man zwar Zimmer auswählen kann, aber diese angeblich nicht erreichbar wären. Bei dem Chaos an Zimmern kein Wunder. Also leider auch unter Android unbrauchbar.

Auch beim Editieren stolpert man immer wieder über irreführende Bezeichnungen und hangelt sich durch die Menüs, bis die Zimmer fertig ausgerichtet, benannt und die No-Go Areas eingerichtet sind. Und dann kann es endlich losgehen mit dem Reinigen. Mehrere Zimmer kann man zwar auswählen, aber er fängt nicht an zu saugen, sobald man auf den Button zum Starten tippt. Wählt man anschließend nur ein einzelnes Zimmer aus z.B. die Küche, saugt er alle vorher markierten Räume. Zonenreinigung? Kann der Tesvor S4, aber er reinigt nach Auswahl der Zone trotzdem das komplette Zimmer. Da spielt es eigentlich schon gar keine Rolle mehr, dass vorher angelegte No-Go Areas komplett ignoriert werden. Und so geht es weiter. Eigentlich funktioniert nur das auswählen eines Zimmers ohne Extras. Oft genug startet dann der Putzvorgang, der Roboter fährt von der Ladestation, dreht sich ein wenig zum orientieren um dann den Vorgang abzubrechen, weil das Ziel angeblich nicht erreichbar ist. Dabei ist der Weg von 5 Meter in die Küche einfach nur geradeaus ohne Hindernisse.

Das sich der Tesvor S4 gerne festfährt habe ich ja schon beschrieben. Egal ob ein flacher Läufer vor der Balkontür oder ein schwerer Teppich mit etwas Flor im Schlafzimmer ist oft genug ein unüberwindbares Hindernis. Er fährt an den Teppich heran, schiebt ihn zusammen und versucht hoch zu fahren. Natürlich bleibt er irgendwann hängen und ist hilflos. Ein Problem ist dabei auch, dass er bis maximal 15 mm steigen kann. Diese Höhe hat schon ein mittelfloriger Teppich, den er zwar erklimmt, aber sobald er dann drauf fährt und über den Rand hinaus fährt, bleibt der Tesvor S4 auch wieder hängen. Aber nicht nur diese Tatsache mit den Teppichen an sich nervt, denn bislang war kein Saugroboter bei uns so schlecht in Punkto Teppich, aber der Tesvor S4 fährt sich an diesen Stellen nicht nur einmal fest, sondern vier- fünfmal direkt hintereinander. Dasselbe bei Ecken, in denen er sich festfährt wie unter unter unserem Wohnzimmertisch. Es gab Fahrten, da musste ich den Saugroboter innerhalb weniger Minuten 8 mal darunter hervorziehen. Und der Tesvor S4 geht nicht zimperlich mit Mobiliar um. Er fährt mit Wucht dagegen und anschließend daran entlang. Beim nächsten mal schleicht er mit Abstand am Schrank entlang, um beim nächsten mal wieder dagegen zu fahren. Dementsprechend sieht der Tesvor S4 nach 3 Wochen auch aus. Schrammen und Macken rundherum.

Die mitgelieferte Fernbedienung habe ich bis heute nicht ans Laufen bekommen. Ich weiß auch nicht, ob man diese irgendwie extra verbinden muss oder nicht. Die Anleitung schweigt sich dazu aus und auch in der App findet man dazu nichts. Wichtig zu wissen ist aber, dass man die Fernbedienung nur komplett autark nutzen darf. Also nicht per App eine Reinigung starten und dann mit der Fernbedienung irgendwas ändern oder umgekehrt. Dadurch wird der laufende Vorgang abgebrochen und muss neu gestartet werden.

Alles im allem ist der Praxistest sehr durchwachsen verlaufen. Wenn man nur das einfache Standardprogramm fährt, also sauge Zimmer X, keine „Fallen“ wie Teppiche oder verwinkelte Ecken in der Wohnung hat und auch sonst keine Ansprüche, dann ist der Tesvor S4 ok. Aber ich war mehr genervt und teilweise richtig verärgert, denn der Support schreibt beim Beschreiben der Probleme, dass man bitte wie in der Anleitung beschrieben, seine Wohnung besser organisieren soll, damit der Roboter arbeiten kann. Das sagt eigentlich schon alles aus.

Fazit:

Ist der Tesvor S4 empfehlenswert? Aktuell nicht, obwohl er relativ leise seine Arbeit verrichtet und die Saugleistung gut ist. Aber die extrem verbuggte App, die massiven Probleme mit Teppichen und ständigen Festfahren machen den Tesvor S4 nahezu unbrauchbar, da man dem Ding eigentlich permanent hinterher rennen muss, um ihn zu befreien. Mal so nebenbei saugen lassen, während man einkaufen geht ist nicht machbar. Und daher vergebe ich das Gütesiegel nicht. Kauft euch lieber den Trouver Finder (Testbericht) , denn Markus ist bis heute absolut zufrieden damit und der kostet bei Amazon* dasselbe.

Offenlegung: Mobi-test.de hat dieses Gerät auf Anfrage vom Hersteller als Leihgabe erhalten. Unsere Berichterstattung ist davon nicht beeinflusst und bleibt gewohnt neutral und kritisch. Der Artikel ist, wie alle anderen auf unserem Portal, unabhängig verfasst und unterliegt keinerlei Vorgaben Dritter; diese Offenlegung dient der Transparenz.

Tesvor S4
  • Verarbeitung/ Ausstattung
  • Verbindung/ Bedienung
  • Praxistest
  • Preis/ Leistung
1.8

Zusammenfassung

+ gute Verarbeitung
+ gute Saugleistung
+ gute Akkulaufzeit
+ gute Navigation

– App durch massive Bugs unbrauchbar
– App schlecht übersetzt
– massive Probleme mit Teppichen
– ignoriert oft No-Go Areas

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