Aktuell geht eine News durch die Lande, wonach Fitbit anfängt, die SpO2 Messung per Update auszuliefern. Mal wieder ein totaler sinnloses Feature, was die Nutzer in eine trügerische Sicherheit wiegt und hier erkläre ich warum.

 

Vorab schon mal die Information, dass ich über 20 Jahre lang als Lehrrettungsassistent im Rettungsdienst in Frankfurt am Main tätig war. Ich weiß also durchaus, wovon ich hier rede und möchte auch keine medizinische Abhandlung schreiben. Nur kurz erläutern, warum diese SpO2 Messung, in Fachkreisen als Pulsoxymetrie bezeichnet, in einem Wearable totaler Unsinn ist.

Was bedeutet SpO2 eigentlich?

Bei der SpO2 Messung wird die Sättigung des Blutes mit Sauerstoff ermittelt. In der Medizin mittels diverser Sensoren. Am bekanntesten sind wohl sog. Fingerclips, die auch noch den Puls ermitteln. Eine rote LED und ein Infrarotsensor durchleuchten vereinfacht gesagt den den Finger und messen anhand der Reflektion, wie viel Sauerstoff transportiert wird. Wichtig hierbei ist, dass es keine Beeinträchtigung der Messung durch Lichteinfall gibt. Daher sitzen die Sensoren sehr eng an der Mesststelle oder sind mit einer Abdeckung vor Licht geschützt.

Beim gesunden Menschen schwankt die Sättigung permanent zwischen 95 und 100%. Werte zwischen 90 und 95% sind zwar als zu niedrig einzustufen, aber noch lange kein Anzeichen für ein gesundheitliches Problem. Ist man z.B.  Raucher, dann sind solche Werte durchaus normal. Erst wenn man permanent Werte unter 90% hat, sollte man mal den Arzt konsultieren.

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Wer wirklich dauerhaft solche niedrigen Werte hat, wird das schon gemerkt haben und beim Arzt gewesen sein.

Den Stein ins Rollen gebracht hat die Seite Tizenhelp.com, die darüber berichtet, dass Fitbit Nutzer in den USA und mittlerweile vereinzelt wohl auch schon in Deutschland, ein Update erhalten, mit dem die Messung des SpO2 bei den Modellen der Versa-Serie, Ionic-Serie und Charge 3 freigeschaltet wurde.

Zumindest berichten einzelne Nutzer davon, dass bei der Schlafaufzeichnung plötzlich ein weiteres Diagramm auftaucht.

Im Schlaf, und aktuell wohl auch nur dort, misst der Sensor, die Sauerstoffsättigung im Blut. Ganz toll. Dort sieht man riesige Ausschläge, die beunruhigen könnten, wenn man sich nicht auskennt. Zumal dort auch keine Angaben zu sehen sind, was bzw. in welcher Einheit dort gemessen wurde. Einfach nur eine zackige Linie.

Daran sieht man schon mal, wie schwankend die Werte schon bei einem gesunden Menschen sind. Raucht man eine, kann der SpO2 durchaus mal auf unter 95% fallen, wird sich aber innerhalb kurzer Zeit wieder einpendeln. Ob man damit aber eine Schlafapnoe erkennen kann, wage ich zu bezweifeln. Auch viele Ärzte sehen dieses wohl eher kritisch. 

Zumal Fitbit selbst direkt schreibt, dass es sich bei den Messungen nur um Schätzungen handelt und diese auch nur als solche zu betrachten sind. Auf gut Deutsch. Fitbit gibt selbst nicht viel auf die ermittelten Werte und entzieht sich der Verantwortung, sollte es mal zu Problemen kommen. Geschickt gemacht.

Auch ist diese Art der Messung in einem Wearable alles andere als neu. Schon 2014 hat Withings die SpO2 Messung bei seiner Withings Pulse Ox aktiviert. Und auch bei einiges Garmin Smartwatches kann man schon das SpO2 ermitteln lassen.

Das ändert aber nichts daran, dass die Messung des Blutsauerstoff bei gesunden Menschen absolut keinen Sinn machen. Denn wenn der Wert wirklich auf ein kritisches Level sinkt merkt das der Körper sehr schnell von selbst mit einer fetten Atemnot und da hilft dann nur noch der Rettungsdienst bzw. später die Klinik. Ob mit oder ohne passendes Wearable.

Markus wird sich die Fitbit Versa 2 kaufen und kann dann aus erste Hand berichten und das spätestens im Podcast zum beste geben.

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2 KOMMENTARE

  1. Moin. Mein Sohn (8 Jahre) ist Asthmatiker und wird täglich und vorsorglich mit einem Dosieraerosol behandelt um die Lungenfunktion zu regeln. Da er in der Vergangenheit öfters Anfälle hatte, führen wir immer ein Oxymeter mit. Das Internet und auch Ärzte schlagen ja Alarm, wenn der Wert mal unter 95% fällt. Da wir mittlerweile seit über 5 Jahren davon betroffen sind, haben wir diesbezüglich natürlich eine andere Meinung.
    Ich gebe dir daher vollkommen Recht, dass die Oxymeter Messung bei gesunden Menschen keinen Sinn macht – es eher zu Verwirrungen und/oder Ängsten führt und oftmals mit sinnlosen Arztbesuchen enden wird.
    Abhängig der Genauigkeit der Messung am Handgelenk würde ich meinem Sohn eine solche Uhr eventuell besorgen um das separate Oxymeter nicht mehr mitführen zu müssen.

    • Und genau das ist der Punkt. Wer wirklich auf Zuverlässigkeit bei den Werten angewiesen ist, darf sich nicht auf Spielzeug verlassen. Erst recht, wenn sich die Hersteller wie in diesem Fall direkt aus der Verantwortung ziehen. Machen die ja nicht umsonst, sondern weil die eben selbst den Werten nicht vertrauen und selbst bei einer Toleranz von sagen wir mal +/- 5% (und das ist wenig bei den Wearables) können die SpO2 Werte um 5% verfälscht sein. Das ist doch kein zuverlässiger Wert oder?

      Und ich wette. Sollten Sie solch eine Uhr kaufen, werden mit Sicherheit den Pulsoxy trotzdem dabei haben und nachmessen. Wetten…

      Gruß
      Peter

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