Ich glaube es ist so abgelaufen. Einige Wissenschaftler haben sich in einem Labor in Tokio getroffen. Sie haben darüber gesprochen, dass es nach all den Alpha-Kameras, Fernsehern und Monitoren mal wieder an der Zeit ist der Welt zu zeigen, dass sie auch noch gute Smartphones herstellen können. Also beschließen sie, das beste Smartphone der Welt auf den Markt zu bringen. Einige Monate später liegt das Sony Xperia 1 II bei mir auf dem Tisch und ich stelle fest – Sony hat es mal wieder geschafft.

Die letzten Jahre waren eher etwas traurig was die Smartphone-Sparte von Sony betraf. Nun sind sie zurück, und wie. Um es schon einmal vorweg zu nehmen. Das Sony Xperia 1 II hat nur einen Schwachpunkt. Auf diesen gehe ich später ein, denn dieser Schwachpunkt ist rein subjektiv. Andere würden dieses nicht als Fehler betrachten, aber dazu später mehr.

Dieser Test ist ein klassischer „Was mir gefällt und was mir nicht gefällt“. Starten wir gleich mal mit den positiven Aspekten des Sony Xperia 1 II.

Design / Verarbeitung
Zunächst einmal das Design und die Verarbeitung. Über das Design kann man streiten. Aussehen ist immer ein sehr subjektives Empfinden. Das Sony Xperia 1 II besitzt ein sehr klares Design. Einige würden es langweilig nennen. Mir gefällt es ausgesprochen gut. Das Display ist mittig im Gehäuse untergebracht. Oben und unten befindet sich ein schwarzer Balken. Allerdings nicht störend, sondern sehr dezent. Das Sony Xperia 1 II besitzt keine Notch. Es besitzt auch kein Punchhole. Die Frontkamera ist in im oberen Balken untergebracht. Der Rahmen zur linkem und rechten Seite ist sehr dünn. Es ist ein herkömmliches Design, welches man heute leider nicht mehr so häufig vorfinden wird. Das Display sowie die Rückseite sind mit Gorilla Glas 6 geschützt. Auch das ist sehr gut. Der Rahmen besteht aus Metall. An der rechten Gehäuseseite befindet sich die Lautstärketaste, der Ein/Ausschalter sowie eine dezidierte einzelne Taste. Diese kann man relativ frei belegen. Standardmäßig ist dort der Kamera Auslöser untergebracht. Sehr sinnvoll. Das ganze Gerät fühlt sich unglaublich wertig an. Die Spaltmaße sind faktisch nicht vorhanden. Allerdings, wäre eine Schutzhülle sinnvoll denn aufgrund der Materialbeschaffenheit ist das Gerät, wie alle anderen Oberklasse-Geräte unglaublich rutschig.

Zum Design gehört auch der Formfaktor. Und der ist grandios. Das Gerät ist 166 mm lang.  Damit ist es länger als ein Samsung Galaxy Note 20 Ultra. Allerdings ist das Xperia 1 II nur 72mm breit. Damit ist es in etwa so breit wie ein iPhone 10s oder ein Google Pixel 4a, aber schmäler als ein Galaxy Note 20. Das bedeutet, dass die Handhabung des Gerätes sehr gut ist. Man erreicht in den unteren zwei Dritteln beinahe jeden Button mit einer Hand. Erst wenn man in den oberen Bildschirmbereich tippen muss, greift man um.

Im Ein/Ausschalter, der ein klein wenig im Gehäuse versenkt ist, befindet sich der Fingerabdruckscanner. Es gibt keinen Fingerabdruckscanner im Display oder auf der Rückseite. Die Rückseite ist relativ plan und ist hochglänzend. Einzig der Kamerabump steht etwas über. Dieser ist im Vergleich zu anderen Geräten sehr dezent gehalten.

Auf der linken Gehäuseseite befindet sich der Schacht für die Simkarten. Eine tolle Geschichte, die man so von Sony schon lange kennt. Man benötigt kein Werkzeug, um die Simkarte zu entnehmen. Man kann ihn einfach herausziehen. Toll gelöst.

An der Oberseite befindet sich der Kopfhöreranschluss sowie ein Mikrofon. Ja richtig gelesen. Das Gerät verfügt über einen Kopfhöreranschluss. Komisch das Sony das hinbekommt. An der Gehäuseunterseite befindet sich der USB-C Anschluss sowie ein weiteres Mikrofon. Das Gerät ist selbstverständlich wasserdicht. Nach IP 65/68 zertifiziert.

Um ehrlich zu sein. Bei der Verarbeitung merkt man keinen Unterschied mehr zu Geräten der Mittelklasse. Auch die verwendeten Materialien sind auf den ersten Blick nicht zu unterscheiden. Das heißt, wenn man das Gerät im ausgeschalteten Zustand vor sich liegen hat und in die Hand nimmt, merkt man keinen Unterschied ob es ein 1200 € Gerät von Sony ist oder ob es ein 500 € Gerät von OnePlus ist. Aber es sind die Kleinigkeiten, die sich bereits im ausgeschalteten Zustand bemerkbar machen. Diese Kleinigkeiten machen das Gerät speziell. Eine dedizierte Kamerataste. Ein Simkartenschacht, der sich einfach so öffnen lässt. Ein Kopfhöreranschluss. Ich mag es, wenn sich Menschen Gedanken gemacht haben.

Display
Das Display ist eines der Highlights des Sony Xperia 1 II. Es handelt sich dabei um ein 6,5” (16,5 cm) CinemaWide Display im 21:9 Format. Ach so, ganz nebenbei. Es handelt sich um ein 4k HDR OLED Display mit einer Auflösung von 3840 x 1644 Pixel. Ich habe in meinem Leben knapp 100 Smartphones besessen. Das Display ist grandios gut. Die Einstellung des Displays sind gigantisch. Der Schwarzwert ist toll. Die Farben wirken natürlich, nie übertrieben. Schaut euch auf dem Gerät mal ein YouTube Video in 4K an. Das ist der Wahnsinn.

Nun wissen wir ja, das Sony herausragen gute Fernseher, Kameras und Monitore baut. Und diese Technologie ist in das Display des Xperia 1 II geflossen. Um euch eine Vorstellung zu geben. Ein professioneller Monitor von Sony, der BVM-HX310, kostet über 30.000 €. Es geht dabei um Farbtreue und Wiedergabe von echten Farben.

Im Xperia 1 II wurde der Creator-Modus „powered by CineAlta“ verbaut. CineAlta Ist die Bezeichnung einer Produktkategorie bei Sony. Es hat mit professionellen Filmaufnahmen zu tun. Ihr könnt ja mal nach CineAlta, Venice googlen. Das ist eine Filmkamera für 40.000 €. Begonnen hat das Ganze im Jahr 1999 als George Lucas die Fortsetzung der Star Wars Serie angekündigt hat. Dafür benötigte er halt sehr gute Kameras. Wie dem auch sei. Die Technik der Sina Alter Serie ist in das Xperia 1 II geflossen. Man spürt tatsächlich die Professionalität dieses Gerätes. Das ist die wahre Pro-Serie und nicht den Quatsch den andere Hersteller, versuchen ihren Jüngern als Pro zu verkaufen.

Wie weit Sony dabei gegangen ist, sieht man am Formfaktor des Gerätes. Ein 4k HDR OLED Display mit einer Auflösung von 3840 x 1644 Pixel. Im 21:9 Format. Es ist das perfekte Display für Netflix und Co. Die unglaublichen Einstellungsmöglichkeiten tun ihr übriges. Ihr könnt wirklich jeden Wert des Bildschirms so einstellen, wie es euch am besten passt. Mir kommt das sehr zu gute. Wenn ich Fotos gemacht habe, möchte ich die Bilder so unverfälscht als möglich sehen. Das ist tatsächlich nicht leicht. Deshalb kosten professionelle Monitore auch ein unglaubliches Geld. Das Xperia 1 II kommt dem sehr nahe.

Ich lehne mich jetzt sehr weit aus dem Fenster, aber für mich, mit der Erfahrung von 100 Smartphones in der Hinterhand, das beste Display auf dass ich je blicken durfte.

Kamera

Dort wo es beim Display begonnen hat, setzt es sich nahtlos bei der Kamera fort. Erstmal vorneweg, die meisten Smartphones auf der Welt nutzen Kamera Technologie von Sony. Das heißt, kein Hersteller weltweit hat so viel Know-how, was Kameratechnik betrifft. Deshalb sollte die Kamera des Xperia 1 II gut sein. Ehrlich gesagt, mehr als das. Beginnen wir mit der Technik.

Das Xperia 1 II besitzt 3 Kameras. Diese stehen ein wenig erhaben aus dem relativ dezenten Bump heraus. Auffällig ist sicherlich der Zeiss Schriftzug. Es handelt sich dabei um ZEISS Qualitätsobjektive, welche speziell für das Xperia 1 II kalibriert wurden und eine ZEISS T Beschichtung aufweisen. Anstatt eines „einfachen“ Lasers bedient sich Sony eines 3D indirect Time-of-Flight-Fokus“ (3D iToF). Dieser soll schneller und präziser arbeiten.

Die Hauptkamera hat 12 Megapixel. Es handelt sich um ein 1/1,7” Exmor RS for mobile Sensor. Mit einer F1.7 Blende und einer 24mm Brennweite.

Unterstützt wird die Hauptkamera von einer weiteren Kamera die ebenfalls 12 Megapixel besitzt. Sie hat einen 1/3,4” großen Sensor und eine Brennweite von 70mm.

Komplettiert wird das Setup von einer weiteren 12 Megapixel Linse, welche über einen 1/2,55” Exmor RS Sensor verfügt. Die Blende ist eine F2.2 mit einer 16mm Brennweite.

Fotografen sollten jetzt über den Begriff Exmor gefallen sein. Das ist der Markenname für eine Kameratechnologie von Sony. Die Exmor Sensoren sind in beinahe allen professionellen Kameras von Sony verbaut.

Nachführ-AF/AE-Berechnung bis zu 60 Mal pro Sekunde, Augen-AF in Echtzeit für Menschen und Tiere Dual-Fotodiode , 3D iToF, RGB-IR, optische Bildstabilisierung (OIS) sind zwar kein Standard, sollten aber bei einer Kamera aus dem Hause Sony nicht fehlen. Dazu kommt ein 3-fach optischer und dreifach digitaler Zoom. Dieser wird über die verschiedenen Brennweiten geregelt. Aber das ist nur die Fotografie. Jetzt kommen wir zum wirklich wahnsinnigen des Sony Xperia 1 II. Der Videofunktion.

Man kann mit dem Sony Xperia 1 II natürlich auch Videos aufnehmen. Das Gerät schafft 4K-HDR-Filmaufnahmen mit 24, 25, 30 und 60 fps. Dazu kommen OIS- und EIS-Video, optische SteadyShot-Bildstabilisierung (hybride OIS/EIS-Videostabilisierung) und SteadyShot mit Intelligent Active Mode (Fünf-Achsen-Stabilisierung), intelligenter Windfilter, Slow Motion (120 BpS). Das ganze in Cinematography Pro „powered by CineAlta.

Jetzt könnte man annehmen, dass ist das übliche Werbegelaber der Smartphone-Hersteller. Nein ist es nicht. Die Kamera des Sony Xperia 1 II ist vielleicht nicht die hochauflösendste oder die mit dem größten Zoom. Aber das Gesamtpaket macht sie zu einer der besten Kameras in einem Smartphone. Was Videoaufnahmen betrifft vielleicht sogar zur besten. Die Möglichkeiten sind schier unglaublich. Ich habe noch niemals in meinem Leben zu Hause auf der Couch gesessen und überlegt was ich am nächsten Tag filmen möchte. Aber beginnen wir mal ganz vorne.

Das Sony Xperia 12 hat die übliche Kamera App. Diese unterscheidet sich nicht von den Kamera-Apps andere Android-Geräte. Mit dem Vorteil, dass Sony einen dezidierten Kamera Button hat. 

Wie ihr sehen könnt, ist das Einstellungsmenü relativ simpel und übersichtlich gehalten. Es ist halt Android Style. Wir haben oben im Display einige Bedienelemente. Mit dem können wir den Blitz einschalten, einen Bokeh Effekt setzen, von 4:3 auf 16:9 umschalten, Farbe und Helligkeit einstellen, zur Frontkamera wechseln und in die Einstellungen gehen. Am unteren Displayrand haben wir die drei Buttons für Nahaufnahme, Panorama und normale Aufnahme. Darunter der Umschalter für die Videokamera und mittig groß der Aufnahme-Knopf.

Die Automatikfunktion der Kamera ist sehr gut. Der Kontrast ist sehr gut, Feinheiten werden gut erkannt, der Zoom funktioniert sehr gut und die Kamera löst blitzschnell aus. Wenn man nahe genug an ein zu fotografierendes Objekt heran tritt, wird automatisch in den sehr gut funktionierenden Makromodus geschaltet. Bis hierher eine sehr gute Smartphone Kamera. Beispielbilder findet ihr weiter unten.

Es gibt aber noch diesen kleinen orangefarbenen Button. Tippt ihr auf diesen, beginnt die Magie. Dann ändert sich das komplette Aussehen des Interfaces und ihr erhaltet ein, an die Sony Alpha Serie angelehntes, Kamera Menü. Hier kann man wirklich alles verändern. Man kann die Blenden einstellen oder zwischen den verschiedenen Objektiven wählen. Ob wir einen manuellen Fokus setzen wollen oder die ISO-Werte komplett anpassen. Auch hier können wir noch entscheiden, AF-On oder AEL.

Wir können natürlich RAW-Format und JPG speichern oder beides. Wir können den Messmodus einstellen und den HDR Modus. Die Gesicht Augen Erkennung. Wir können ein Auge anvisieren und der Fokus läuft mit. Außerdem können wir die Horizontale Ausrichtung des Smartphones kalibrieren. Wir können wählen zwischen Programmautomatik oder Priorität der Verschlusszeit und manuelle Belichtung. So wie wir es von unserer DSLR zu Hause kennen. Wir haben natürlich sämtliche Histogramme vorrätig. Und wir können das alles für jede einzelne Linse einstellen. Und zum Glück gibt es auch ein Tutorial. Es werfen ja derzeit sehr viele Unternehmen mit dem Begriff Pro um sich. Das hier ist wirklich Pro.

Ich habe in einigen Testberichten gelesen, dass man mit dem Gerät keine Nachtaufnahmen machen kann. Selbstverständlich kann man hervorragende Nachtaufnahmen und Aufnahmen des Sternenhimmel machen. Es gibt nur keine Automatik dafür. Man muss, wie man es von einer Kamera gewohnt, ist die Brennweite, die Belichtungszeit usw. selber einstellen. Hier findet ihr eine kleine Anleitung wie man Nachtaufnahmen mit Smartphones machen kann.

Hier seht ihr einige Beispiel-Bilder. Alle mit dem Sony Xperia 1 II aufgenommen und unbearbeitet.

Wenn die Fotokamera schon völlig wahnsinnig ist, so geht die Videokamera noch einen Schritt weiter. Auch hier gibt es eine sogenannte Pro App. Startet man diese, landet man in einer, für ein Smartphone unglaubliche Kamera. Wie bei der Fotokamera ist auch hier alles anpassbar. Es sind sogar schon verschiedene Color Gradings eingestellt. Sei es, opak, hell, warm, kräftig, kühl, weich, weiches monochrom. Man kann das Objektiv wählen ob 70 mm, 24 mm oder 16 mm. Die Umgebung wählen, bewölkt, Tageslicht, Leuchtstofflampe und so weiter.

Besonders toll ist, dass ich den Fokus auswählen kann. Hier mal ein kleines Beispiel worum es dabei geht. Man kann mit der Kamera zwei Punkte fokussieren. Wie in diesem Beispiel fokussiere ich zuerst das eine Tier und danach das andere. Danach kann ich auf einen Knopf drücken und die Kamera wechselt automatisch von dem einen Fokuspunkt zu dem anderen Fokuspunkt. Diese kann man frei definieren.

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Man kann verschiedene Projekte erstellen, diese speichern später bearbeiten. Natürlich in 4k. Dazu kommen weitere Kleinigkeiten wie eine 5-Achsen-Stabilisierung, ein intelligenter Wind-Filter sowie eine hybride OIS/EIS-Videostabilisierung.

Dass ich ziemlich begeistert von den Kameras des Sony Xperia 12 bin sollte man bemerkt haben. Aber ein weiterer Punkt ist mir relativ wichtig. Ich glaube dass Menschen mit so einer Smartphone Kamera an echte Kameras herangeführt werden. Und wenn man sich dann eine professionelle Kamera kaufen möchte, dann bekommt man für um die 1000 € schon eine Sony Alpha 6400.

Hardware / Leistung

Ein weiterer Punkt der mir sehr gut gefällt ist die Hardware. Das bedeutet die technische Ausstattung des Sony Xperia 1 II. Verbaut ist der Snapdragon 865. Das ist derzeit der schnellste Chipsatz aus dem Hause Qualcomm. Der Arbeitsspeicher mit 8GB RAM ist nicht sonderlich großzügig bemessen. Ein Samsung Galaxy S20 Ultra hat z.B. 12GB Ram.

In der täglichen Arbeit merkt man aber keinen Unterschied. Das Sony Xperia 1 II ist sehr schnell. Dafür sprechen auch die 887 Punkte im Single Core und 3223 Punkte im Multi-Core bei Geekbench. Ich möchte nochmal darauf hinweisen, dass diese Benchmarks für uns keinerlei Relevanz besitzen. Wichtig ist auf dem Platz. Und wichtig ist die Zukunftssicherheit. Denn wer 1200 € für sein Smartphone ausgibt, möchte auch die nächsten Jahre Spaß damit haben. Das ist beim Sony Xperia 1 II absolut gegeben.

256 GByte (UFS 3.0) Arbeitsspeicher stehen zur Verfügung. Das Gerät bietet die Möglichkeit mittels Micro-SD-Karten den Speicher auf 1 Terabyte zu erweitern.

An Konnektivität ist so ziemlich alles verbaut, was Rang und Namen hat. WiFi 6 und LTE sollten Standard sein. Weiterhin ist ein 5G Modul sowie Bluetooth 5.1 verbaut. Die Bluetooth Verbindung zu meinen Gadgets wird, selbst durch Wände hindurch, ständig und sicher gehalten. Abbrüche wie von anderen Geräten habe ich nicht erlebt.

Das WLAN-Modul hat keine Auffälligkeiten. Es ist deutlich besser als das im Pixel 4a oder OnePlus Nord. Das sollte bei einem 1200 € Gerät aber auch der Fall sein. Die Telefonfunktion funktioniert einwandfrei, ich verstehe meinen Gesprächspartner sehr klar und deutlich und auch ich werde sehr gut verstanden. Allerdings gibt es hier ein kleines Problem. Darauf gehe ich Abschnitt „was mir nicht gefällt“ noch mal näher ein.

User Interface / Bedienung
Sony orientiert sich bei der Bedienoberfläche sehr eng an Vanilla Android. Es gibt einige kleine Unterschiede die zum Teil sehr große Auswirkung haben. Durch den länglichen Formfaktor des Gerätes ist ein Splitscreen sinnvoll. Und das ist so gut umgesetzt, wie ich es bisher bei noch keinem anderen Gerät erlebt habe. Ihr könnt im oberen Display Bereich eine App laufen lassen während ihr im unteren Display Bereich eine andere App laufen lasst. Das ist mittlerweile normal bei vielen Herstellern. Allerdings kann man durch den langen Bildschirm wirklich angenehm damit arbeiten.

Weiter ist Side-Sense verbaut. Durch ein Doppeltippen auf den Displayrand kommt man zu diversen Schnelleinstellungen, sowie den letzten geöffneten Apps. Man kann auch über den Displayrand streichen. Normalerweise nutze ich solche Features grundsätzlich nicht. Wenn man sich einmal damit vertraut gemacht hat, kann man schnell zwischen den Apps umschalten. Mir gefällt es.

Audio
Kommen wir zu einem für mich sehr wichtigen Punkt. Der Audiofähigkeit eines Smartphones. Mittlerweile höre ich recht viele Musik über meine Smartphones. Podcast sowieso. Ich höre abends zum Einschlafen Podcast. Tgsüber liegt das Gerät meistens auf meinem Schreibtisch und dudelt vor sich hin. Morgens beim Duschen ist das Gerät mit im Bad und dort muss die Lautstärke dementsprechend hoch sein.

Es gibt die Seite Dxomark. Diese haben das Sony Xperia 1 II auf seine Audiofähigkeiten getestet. Das Ergebnis ist ziemlich niederschmetternd. Was soll ich sagen. Ich bin in jedem einzelnen Punkt anderer Meinung. Dazu muss ich sagen, dass ich mich sehr lange mit Musik beschäftige. Ich habe nebenbei als Studiomanager in einem der besten analogen Tonstudios Deutschlands gearbeitet und mache seit 30 Jahren selber Musik. Das nur zur Einordnung.

Zunächst einmal besitzt das Gerät Stereo-Lautsprecher. Diese sind an der Vorderseite des Gerätes platziert. Wenn man das Gerät quer in der Hand hält ,werden die Lautsprecher nicht abdeckt. Das ist schon mal sehr clever gelöst. Weiterhin unterstützt das Gerät Highresaudio und Highresaudio wireless. LDAC gehört ebenfalls mit dazu. Da das Sony Xperia 1 II, als einen der wenigen Flaggschiffe auf dem Markt, ein 3,5 mm Audio-Anschluss besitzt kann man seine kabelgebundenen Kopfhörer anschließen. Dank Bluetooth 5.1 ist auch die Qualität zu kabellosen Kopfhörern hervorragend.

Dolby Atmos ist ebenfalls mit an Bord. Sony baut eben nicht nur Fernseher, Monitore, Smartphone und Spielekonsolen. Sony ist eines der größten Filmstudios der Welt. Sowie eine der größten Plattenfirmen der Welt. In Zusammenarbeit mit Sony Pictures wurde die Dolby Atmos Technologie in das Smartphone implementiert. Der Klang ist wirklich gut. Übrigens ist auch 360° Reality Audio verbaut.

Besonders spannend ist DSG Ultimate. Diese Funktion sorgt mittels künstlicher Intelligenz dafür, dass die Qualität der Musik verbessert wird. Es wird die Audio Frequenz und die Bitrate in Echtzeit angehoben und angepasst. Hohe und tiefe Töne werden optimiert. DSG ultimate funktioniert mit Bluetooth, mit Kabel und im Streaming.

Die Einstellungsmöglichkeiten innerhalb des Gerätes sind wirklich grandios und vielfältig. Besonders hervorheben möchte ich die Funktion „dynamische Vibration“. Wie genau das funktioniert habe ich noch nicht herausgefunden. Ich habe irgendwo gelesen, dass der Vibrationsmotor des Gerätes benutzt wird, um einen Bass zu simulieren. Wie dem auch sei, wenn man diese Funktion einschaltet, vibriert das Gerät in der Hand. Passend zur Musik.

All diese Technik nützt aber nichts, wenn sie nicht funktioniert. Und das tut sie. Der Klang des Sony Xperia 1 II ist wirklich gut. Gerade bei hohen Lautstärken, wenn man das Gerät komplett aufdreht, kommt es nie zum Übersteuern oder zu einem Soundmatsch. Super gemacht Sony.

Eine weitere Sache die mir am Sony Xperia 1 II sehr gut gefällt ist der Akku. Das Gerät hat ein 4000 Milliampere Akku verbaut, der sich als sehr ausdauernd zeigt. Ich nutze alle Smartphones gleich. Morgens um 8 Uhr wird das Gerät von der Steckdose genommen und zwischendurch nie geladen. Bis es dann abends wieder an den Saft muss. So ist es vorgekommen, dass ein Samsung Galaxy 10e schon nach 6 Stunden oder anders ausgedrückt, nachmittags um 14 Uhr das erste Mal aufgeladen werden musste. Ein Google Pixel 4a, mein iPhone, ein OnePlus Nord halten bis ca. 21 Uhr durch. Ein Oppo Reno 4 bis zum nächsten Tag und länger. In dieser Liga spielt auch das Sony Xperia 1 II

Zu der langen Nutzungsdauer des Gerätes kommt eine sehr clevere Energie- und Ladefunktion. Es ist eine Schnellladefunktion verbaut und wie bereits angesprochen wird das Netzteil mitgeliefert. Wir können das Gerät relativ schnell aufladen. Hier gibt es aber mehrere Varianten. Es gibt den Punkt „Batteriepflege“. Das ist gar nicht so unwichtig. Denn die Schnellladefunktion des Smartphones kann dafür sorgen, dass der Akku beschädigt wird. Die Batteriepflege beim Sony sorgt dafür, dass das Gerät lernt, wann man es auflädt. z.B. über Nacht. 

Das Gerät lernt wann man es längerfristig am Stromkabel hängt und lädt den Akku dann nur auf 90% auf. Danach wird der Ladevorgang gestoppt, um dann wieder aufgenommen zu werden. Wenn man also standardmäßig morgens um 8 Uhr das Gerät vom Stromkabel nimmt, weiß es das Gerät und passt die Ladedauer dementsprechend an. So wird der Akku geschont.

Wenn man das Gerät zwischendurch auflädt, wird mit voller Leistung geladen, da die verbaute KI davon ausgeht, dass man jetzt schnell Strom braucht. Die KI lernt auch das Nutzungsszenario des Anwenders und passt es dementsprechend an. Apps die man seltener benutzt werden in den Hintergrund geschoben. Dazu gibt es den von Sony bekannten Stamina Mode. Damit lässt sich die Akkulaufzeit verlängern. Hintergrundaktivitäten, optische Effekte und weitere Funktionen werden abgeschaltet. Auch hier kann man zwischen verschiedenen Ebenen wählen. Laufleistung, Akku sowie Akkupflege beim Sony Xperia 1 II sind ebenfalls hervorragend.




Multi-Window
Kommen wir zu etwas was mir wirklich gut gefällt und ich es auch noch keinem Gerät so ausgiebig genutzt habe, wie auf dem Sony Xperia 1 II. die Splitscreen Fähigkeit. Aufgrund der Länge des Gerätes bietet es sich an mit zwei Fenstern zu arbeiten. Ich kann z.b. oben ein YouTube Video schauen und unten ein Text lesen. Man kann oben meine Excel-Liste geöffnet haben und unten ein Word-Dokument. Oder einen Testbericht lesen und unten das Amazon Fenster geöffnet haben. Dieses funktioniert so genial und intuitiv, wie ich es bisher bei noch keinem Gerät erlebt habe. Man gelangt in diese Funktion mittels Side Sense oder über die App Multi-Fenster.

Es gibt sogar einen Taskmanager für beide Fenster, das heißt ich kann im oberen Fenster den Task wechseln oder im unteren Fenster. Es ist wirklich genial. 

Was ich Ok finde.
Der Lieferumfang. Auf der einen Seite ist es schön, das Sony ein Netzteil mit Schnellladefunktion mit in die Verpackung gelegt hat. Auch gibt es einen KKabelgebundenen Kopfhörer. In Zeiten, in denen Hersteller ihre Netzteile weg rationalisieren, hallo Apple, ist das klasse. Das war es leider auch schon mit den Zugaben. Eine Schutzhülle oder eine Displayschutzfolie wie wir sie von vielen asiatischen Herstellern, selbst bei günstigen Geräten kennen, werden nicht mitgeliefert. Das finde ich beim 1200 € Gerät etwas schade. Denn gerade die Rutschigkeit des Gerätes könnte man durch eine Schutzhülle minimieren. Hier findet ihr einige dieser Schutzhüllen günstig auf Amazon*.

Was mir nicht gefällt

Was nicht mit einem Softwareupdate behoben werden kann ist das Gerät selber. Wie ihr bisher gemerkt habt, bin ich wahnsinnig verliebt in das Sony Xperia 1 II. Bis auf einen Punkt. Ich komme mit so großen Geräten einfach nicht mehr klar. Das Gerät ist nicht breiter als meiner kleines iPhone. Das heißt es liegt sehr gut in der Hand. Aufgrund der Länge des Gerätes, noch mal zur Erinnerung das Gerät ist länger als ein Samsung Galaxy Note 20 Ultra, ist es sehr kopflastig.

Ich verstehe die Hersteller. Sie wollen mittels Glas und Metall ihre Geräte dem Premium Segment zuordnen. Allerdings macht das die Geräte unglaublich rutschig. Viel rutschiger als z.B. ein Pixel 4a, welches aus Kunststoff besteht und recht sicher in der Hand liegen. Beim Sony Xperia 1 II kommt die Länge dazu. Für mich ist es recht schwer das Gerät sicher zu halten. Wer allerdings an große Smartphones gewöhnt ist, für den ist es wohl kein Problem.

Ein weiteres Problem. In meinem Test schwankte das LTE-Signal selbst ohne Positionswechsel stark. Verglichen mit einem iPhone oder auch einem Pixel 4a ist auch die Empfangsleistung merklich schlechter. Folglich waren Telefonanrufe (im Vodafone-Netz) in mehreren deutschen Städten sowie auf dem Land von Qualitätsschwankungen geprägt. Das kennen ich so von kaum einem anderen aktuellen Smartphone. Ich bin mir allerdings relativ sicher dass diese Probleme mit einem zukünftigen Software-Update behoben werden kann.

Fazit

Kommen wir mal langsam zum Fazit. Ja, Sony hat eines der besten Smartphones aller Zeiten gebaut. Die Verarbeitung, die Kamera, das 4k Display und der Klang sind absolute Oberklasse. Zum Teil so gut wie bisher noch nicht erlebt.

Mit dem Snapdragon 765 wurde ein sehr potenter Prozessor gewählt, der derzeit stärkste, so dass man auch für die nächsten Jahre was den Bereich Geschwindigkeit und Arbeitstempo betrifft, auf der sicheren Seite ist. Dazu kommen viele kleine feine Ideen. Ein Simkartenschacht den ich ohne Werkzeug öffnen kann, eine dedizierte Kamerataste, Soundeinstellungen und Klang, Kameraeinstellung, multi window, side Sense und so weiter.




Natürlich sind 1200 € ein stolzer Preis. Aber die Preise von Smartphones zu bewerten das möchte ich nicht. Ist jemand verrückt der 1200 € für ein Sony Smartphone ausgibt? Nicht verrückter als jemand der 1000 € für ein iPhone ausgibt. Und bei Sony bekomme ich noch verdammt viel Technik für den Preis. Es ist ganz klar ein Gerät für Freaks & Geeks. Leute die gern fotografieren, die häufig und viel filmen. Die streamen und Youtube schauen. Das ist euer Gerät. Für alle anderen ist es eine Machbarkeitsstudie. Was ist heutzutage möglich? Und wer es einmal in der Hand hatte und die Möglichkeiten erkannt hat, wird es nicht mehr hergeben wollen.

Es ist zumindest das beste Smartphone, dass ich bisher nutzen durfte. Der einzige Grund weshalb ich es wieder in die Verpackung lege und an Sony zurückschicke, und nicht mit dem Sony Xperia 1 II in den Sonnenuntergang reite ist der Formfaktor. Mir ist das Gerät tatsächlich zu groß. Eventuell kommt das Sony Xperia 5 II meinen haptischen Ansprüchen näher.

Für alle anderen die sowieso Geräte jenseits 6 Zoll nutzen, gerne fotografieren, Musik hören oder aufs Display schauen, zugreifen. Zumindest solltet ihr dem Gerät eine Chance geben. Das Xperia 1 II ist es wert. Bekommt es unser Gütesiegel? Selbstverständlich.

Sony Xperia 1 II
  • Verarbeitung
  • Lieferumfang
  • Kamera
  • Akku
  • Arbeitsgeschwindigkeit
  • Preis / Leistung
4.7

Zusammenfassung

Es ist ein grandioses Smartphone. Ein echtes Flaggschiff. Perfekte Kamera, perfekte Akku-Laufzeit, großartige Verarbeitung und unglaublich schnell.

2 KOMMENTARE

  1. Hi Markus,

    hast Du mal geprüft, ob es die Google-Cam auch für das Sony gibt? (GCam Ports)

    Gerade beim Sternenhimmel spielt da tatsächlich die GCam ihre Vorteile aus, da sie nicht ein Bild macht, das langezitbelichtet ist, sondern es stackt mehrere langzeitbelichteten Bilder. Daher hast Du auch keine Startrails, die schon bei 3-4 Minuten Belichtung (was so eine GCam mal machen kann) bekommen würdest.

    Die manuellen Einstellungen lassen zwar auch sehr schöne Nachtaufnahmen (und vor allem auch Aufnahmen von Lichtspuren oder anderen Effekten) zu, jedoch ist hier das Multistacking meherer Bilder der GCam bisher ungeschlagen.

    Auch bei meinem Mi 10 Pro nutze ich die manuellen Einstellungen sehr gerne – aber habe gerade bei Sternenaufnahmen den Unterschied gesehen.

    Achtung: bei der GCam brauchst Du ein XML-Config-File, welches die Hardwarefeatures definiert. (Man kann das auch selber erstellen, was allerdings nahezu unendlich viele Möglichkeiten bietet.)

    Und Gratulation an Sony, dass sie (endlich) mal wieder ein Handy herausgebracht haben, das konkurrenzfähig ist. Jetzt müssen nur die (inzwischen abtrünnigen) User wieder zu der ursprünglich tollen Marke zurückfinden.

    Ich persönlich würde trotzdem Xiaomi vorzuhiehen, da das Preis/Leistungsverhältnis hier doch eindeutig besser ist. (Mein Xiaomi Mi 10 Pro habe ich für knapp 700€ im Saturn gekauft gehabt, als es vor 6-8 Wochen mal eine Aktion gegeben hat.) Das ist zwar ziemlich groß und schwer, aber ich persönlich komme damit sehr gut zurecht.

    Super Test, weiter so.

    Grüße
    Martin

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