Apple AirTag vs. Tile Mate vs. Chipolo One GPS Tracker im Praxistest – wer wird schneller gefunden

Vergleichtests zwischen dem Apple AirTag, dem Tile Mate und dem Chipolo One gibt es viele, aber wie sieht es in der Praxis wirklich aus? Welcher der drei wird besser gefunden, wenn er wirklich mal verloren gehen sollte? Genau das habe ich in der Aschaffenburger Innenstadt über mehrere Tage ausprobiert.

Vor ein paar Tagen habe ich den Tile Mate und den Tile Slim (Testbericht) getestet und für gut befunden. Preislich interessant, einfach in der Einrichtung und funktioniert. Aber wie sieht es im direkten Vergleich aus? Denn wenn es um smarte GPS-Tracker geht, hat man direkt drei Namen im Kopf. Den Apple AirTag, den Chipolo One und eben den Tile Mate. Allerdings läuft der Chipolo (noch) ein wenig außer Konkurrenz, was ich aber erst im Praxistest herausfinden sollte. Also wie testet man so einen GPS Tracker realistisch im Alltag? Man „verliert“ ihn einfach und schaut mal, wie schnell er gefunden wird und wie man dann wieder rankommt. Dafür haben wir alle drei im S-Salon, einem kleinen italienischen Restaurant, mitten in der Aschaffenburger Innenstadt. Dort habe ich nach Absprache mit dem Inhaber alle drei Kandidaten zusammen in einer Pflanze im Schaufenster platziert und eine Woche liegen lassen. Dort laufen jeden Tag tausende vorbei, also potentielle Finder und liefern einen guten Eindruck, wie groß die Netzwerke der jeweiligen Nutzer wirklich ist.

Apple AirTag:

Apple ist dieses Jahr mit den Ring der GPS-Tracker gestiegen und plötzlich boomt der gesamte Markt. Das ist halt Apple und zieht damit alle anderen mit. Plötzlich ist das Thema in aller Munde und natürlich haben wir uns einen für Test gekauft.

Preislich liegt er natürlich ganz weit oben, denn 35 Euro pro Stück oder 115 Euro für vier davon* sind schon heftig. Dazu benötigt man meist noch einen Anhänger, denn der aller größte Nachteil ist die fehlenden Möglichkeit zur Befestigung. Ein simples Loch für einen Schlüsselring hätte ja gereicht. Aber nein – Apple wäre nicht Apple, wenn man noch Zubehör verkaufen möchte. Zum Glück ist die Auswahl am passenden Schlüsselanhängern bei Amazon* gigantisch. Die verbaute CR2032 Knopf­zelle soll ein Jahr halten und kann sehr einfach selbst gewechselt werden. Trotzdem ist er nach IP67 klassifiziert und kann damit für bis zu 30 Minuten in 1 Meter Wassertiefe überleben. Größter Nachteil ist aber, dass so ein Apple AirTag bislang nur mit iOS läuft. Noch im Laufe des Jahres 2021 soll es auch für Android möglich sein. Was (noch) fehlt ist die Möglichkeit bei der Trennung der Bluetoothverbindung benachrichtigt zu werden. Vergisst man seine Schlüssel, wird man bei der Trennung nicht informiert. Dieses Funktion soll aber bald per Update nachgeliefert werden.

Die Einrichtung ist dagegen wieder, typisch Apple, ein Kinderspiel. Den AirTag aktivieren und schon erscheint er im iPhone bzw. iPad als Pop-Up und kann mit wenigen Klicks in der „Wo ist?“ App eingerichtet werden. Schon fängt er an seinen Standort zu melden und genau darin sehen viele ein Problem. In einem Test habe ich den AirTag, natürlich abgesprochen, meiner Tochter mitgegeben und sie beim Ausgehen immer wieder mal tracken lassen. Und siehe da. Entgegen Apples Verlautbarung hat sie davon nichts bemerkt. Ihr iPhone hat zu keiner Zeit gemeldet, dass sie einen AirTag bei sich trägt. Sollte man zu Hause z.B. seinen Schlüssel verlegen, kann man ihn über die App akustisch auf sich aufmerksam machen lassen und in Verbindung mit dem iPhone 12 auch noch nach wärmer, kälter Prinzip grafisch im Handydisplay suchen. Natürlich geht das auch umgekehrt. Den Apple AirTag drücken und schon meldet sich das gesuchte iPhone. Im jetzigen Praxistest hat sich das gigantische „Wo ist?“ Netzwerk aus Millionen iPhones bewährt, denn im Falle eines Verlusts helfe alle iPhones den AirTag zu finden und melden den Fund direkt an den Besitzer. Das hat im Test keine 5 Minuten gedauert, nachdem wir den AirTag im Restaurant zurückgelassen haben. In der Folge wurde es dann noch 62 mal an diesem einen Tag gefunden und so ging es die Tage weiter. Man wird als Besitzer per Push informiert und kann sich direkt zum Fundort navigieren lassen. Das ist halt Apple, aber die Idee mit dem Netzwerk ist natürlich keine Erfindung von Apple, denn die kommt von einem Konkurrenten.

Tile Mate:

Der Test des Tile Mate (Testbericht) war ja der eigentliche Aufhänger des Tests, denn er ist die Nummer zwei hinter dem AirTack von Apple. Mit einem Preis von 24,99 Euro bei Amazon* ist er zwar nicht gerade günstig, aber er ist halt gut und funktioniert genauso wie der Apple. Auch hier gibt es ein Netzwerk aus allen Nutzern der Tile App, die sich im Falle des Verlusts auf die Suche machen. Allerdings muss man zugeben, dass der Tile Mate doch eher billig daherkommt. Plastiklook total, aber mit einem vernünftigen Loch zum Anhängen. Als Energiespender kommt eine CR3032 Knopfzelle zum Einsatz, die bis zu 2 Jahre halten soll. Auch diese kann sehr einfach gewechselt werden.

Die Tile App ist sehr übersichtlich und auch die Einrichtung eines Tile ist sehr einfach. Per Knopfdruck lässt sich so ein Tile dann in den Verloren-Modus versetzen und das Netzwerk fängt an zu suchen. Größter Vorteil gegenüber dem Apple AirTag ist aber, dass er (leider nur in der teuren premium-Version) eine Trennung meldet. Vergisst man z.B. sein Portemonnaie, kann die App darüber informieren, sobald man aus der Reichweite kommt.

Allerdings ist er im Vergleich zum AirTag ein bisschen zu leise, wenn er in der Wohnung gesucht wird. Denn auch der Tile Mate lässt sich per App dazu animieren, akustisch auf sich aufmerksam zu machen. Selbst in der lautesten Einstellung muss man sehr genau hinhören, wenn er irgendwo vergraben ist. Das Handy kann durch doppeltes Drücken des Tile Mate gesucht werden und übersteuert auch beim iPhone den Lautlos-Modus. Im Praxistest hat es vergleichsweise lange gedauert, bis der Tile Mate von einem „Finder“ gefunden wurde. Genauer gesagt nach 6 Stunden das erste und einzige mal am ersten Tag. In den nächsten Tagen wurde er ein- bis zweimal gefunden. Das reicht zum finden vollkommen aus, allerdings merkt man hier schon sehr schnell, dass das Netzwerk aus Nutzern der Tile-App deutlich kleiner als von Apple ist und das die Erfolgsquote massiv sinkt, je weniger Menschen in einer Gegend unterwegs sind. Im Test liegt der Tile Mate inmitten einer belebten Einkaufsstraße in einer Stadt mit fast 100.000 Einwohnern. Aber wenn er gefunden wird, dann wird man direkt per Push-Nachricht und Mail benachrichtigt.

Chipolo One:

Die Tracker von Chipolo gibt es gefühlt schon ewig und haben einen Hype erfahren, als bekannt wurde, dass der demnächst erscheinende Chipolo One Spot* der erste Tracker sein wird, der auch das Apple „Wo ist?“ Netzwerk nutzen kann und damit die Alternative zum Apple AirTag. Aber bislang gibt es nur den Chipolo One für 24,99 Euro* und der kann das noch nicht und wie ich erfahren musste, kann der Chipolo One auch nur vom eigenen Smartphone gefunden werden, wenn dieses per Bluetooth verbunden ist. Fälschlicherweise bin ich davon ausgegangen, dass auch der Chipolo von Nutzern der Chipolo App gefunden werden kann. So wie mir, wird es wohl vielen gegangen sein. Nicht richtig gelesen und dann gewundert. Dabei ist der Chipolo One als solches absolut in Ordnung. Ok auch er besteht komplett aus Plastik und nicht sehr hübsch, aber absolut funktionell, denn er hat ein großes Loch zum Aufhängen und seine CR2032 Knopfzelle kann nach den bis zu 2 Jahren sehr einfach gewechselt werden. Er ist nach IPX5 spritzwassergeschützt.

Die Chipolo App sieht der von Tile sehr, sehr ähnlich und funktioniert genauso. Ok, wie sollte man es auch anders machen. Hauptsache es ist einfach einzurichten und zu bedienen. Wie bereits beschrieben funktioniert es nicht, dass man ein verloren gegangenen Chipolo One in Echtzeit tracken kann. Auch der Chipolo One lag die ganze Zeit im S-Salon und wurde demzufolge auch nicht gefunden. Erst als ich bei der Abholung selbst in die Nähe gekommen bin, hat er sich auch meinem iPhone per Push und Mail bemerkbar gemacht. Um ihn dann zu finden tippt man in der App auf Suchen und schon dudelt er los und das ist einer sehr hohen Lautstärke. Den findet man mit Sicherheit wieder. Erfreulicherweise muss es gar nicht so weit kommen, denn die Benachrichtigung beim Zurücklassen des Chipolo One ist gratis und funktioniert hervorragend. Auch das Suchen des Handys klappt einwandfrei. Aber eben nur, wenn beide per Bluetooth in Reichweite sind.

Fazit:

Drei GPS Tracker haben wir getestet und auch wenn der Apple AirTag bislang nur mit iOS läuft, sehr teuer ist und auch noch Folgekosten in Form eines extra zu kaufenden Anhängers nach sich zieht, ist er der klare Testsieger. Nicht weil ich ein iPhone nutze, aber der AirTag macht genau das, was alle von einem solchen GPS Tracker erwarten und das in Perfektion. Er wird beinahe im Minutentakt gefunden und man muss auch als Apple-Hater zugeben, dass die vielen Millionen Apple Nutzer ein extrem engmaschiges Suchnetz bilden. Da kann das Tile-Netzwerk nicht einmal annähernd heranreichen, auch wenn er einmal am Tag in der Aschaffenburger Innenstadt gefunden wurde. Das reicht zum finden allemal, aber der Tile Mate muss sich mit Platz 2 zufrieden geben. Platz 3 belegt (noch) der Chipolo One, aber er läuft ein wenig außer Konkurrenz, da er nur im Bereich von Bluetooth arbeiten kann. Das wird sich mit Erscheinen des Chipolo One Spot* ändern, der dann auch das „Wo ist?“ Netzwerk von Apple nutzen kann.

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