Anker Soundcore Frames im Test – was taugt die Bluetooth Audiobrille?

Mit den Soundcore Frames by Anker habe ich eine echte Bluetooth Brille im Test, denn die sieht nicht nur cool aus, sondern ist auch sehr flexibel und vor allem möchte ich wissen, wie es im Alltag klingt und vor allem trägt.

Was im ersten Moment total schräg klingt, ist beim näheren Hinsehen eine wirklich tolle Sache. Man liegt am See, Schwimmband, Strand oder ist sonst wo im Freien unterwegs, trägt eine Sonnenbrille und hört Musik so ganz ohne Headset im Ohr oder auf dem Kopf. Das hat durchaus seinen Reiz, wie ich beim Test der JLab JBuds Frames (Testbericht) schon herausfinden konnte. Größter Unterschied zwischen den JLab und den Soundcore ist, dass die JLab an der vorhandenen Brille angebracht werden können, da es externe Lautsprecher sind und beim Soundcore sind die Lautsprecher in den Bügeln der Brille fest verbaut. Man bekommt also eine „neue“ Brille, bei der aber das Brillengestell getauscht werden kann. Aber wie trägt sich das? Wie klingt das? Was bekommen die Umstehenden mit? Alles Fragen, die ich im Test der Soundcore Frames beantworten werde.

Natürlich bewerte ich auch solche Sachen wie Verarbeitungsqualität, Konnektivität mit Android und iOS, Tragekomfort usw. Am Ende schreibe ich auf, was ich gut finde, was ok und was ich nicht gut finde. Wie immer sind das meine ganz persönlichen Eindrücke und gerade der Klang, aber auch die Akkulaufzeit hängt extrem vom eigenen Nutzungsverhalten und Hörgewohnheiten ab. Das auch mit einer der Gründe, warum wir unsere Testberichte eher kurz halten, denn niemand elend lange Texte lesen und daher konzentrieren wir uns auf besonders erwähnenswerte Merkmale. Wie ich genau teste und worauf ich dabei so achte, habe ich hier im Detail beschrieben -> Link

Technische Daten Soundcore Frames:

  • 2 Lautsprecher mit je 25 x 8 mm
  • 2 Lautsprecher mit je 8 mm
  • 2 Mikrofone
  • 20 Hz – 20 kHz
  • 88 dB ±3 dB
  • Bluetooth 5.2
  • Bluetooth Profile A2DP, AVRCP, HFP, HSP (was ist das?
  • Bluetooth Codec AAC, SBC (was ist das?
  • Freisprechfunktion
  • Touchbedienung
  • Trageerkennung
  • Sprachassistenten
  • spritzwassergeschützt nach IPX4 (was bedeutet das?)
  • polarisierte Gläser (je nach Gestell)
  • Größe und Gewicht variiert je nach Modell

Produktseite: de.soundcore.com/frames

Deutsche Bedienungsanleitung: soundcore.com/Soundcore_Frames_INT_Quick_Start_Guide.pdf

Erhältlich ist das Soundcore Frames Audiobrille in verschiedenen Designs bei Amazon* zum Preis ab 109,99 Euro. Wie so oft bei Anker, gibt es auch hier beinahe im Wochentakt Rabattaktionen, bei denen kräftig gespart werden kann. Für knapp 40 Euro kann man weitere Rahmen hinzukaufen.

Was ich gut finde:

In der Verpackung findet sich neben der eigentlichen Soundcore Frames noch ein Reinigungstuch, ein Ladekabel, ein faltbares Brillenetui und eine deutsche Kurzanleitung. Diese sollte man zu Rate ziehen, um das Falten des Etuis zu lernen. Gar nicht mal so einfach, aber echt genial, denn zusammengefaltet ist das Case echt ein Flachmann, bietet aber genug Platz für die Brille. Das Gestell der Brille besteht aus TR90, einem thermoplastischen Material und derzeit eines der meisten verwendeten Materialien für Brillengestelle. In den beiden Gestellen ist die komplette Technik untergebracht. Also die vier Lautsprecher, von dem jeweils der größere, rechteckige mit 25 x 8 mm vor und ein zweiter, runder, mit 8 mm Durchmesser hinter dem Ohr platziert ist. Damit ist eine Art Surround Sound möglich, auf den ich gleich noch zu sprechen komme.

Der Lieferumfang der Soundcore Frames

Die beiden Mikrofone und Akkus sind ebenfalls in beiden Bügeln getrennt untergebracht, wodurch das Ladekabel zwei Ladepads besitzt, um beide Akkus gleichzeitig laden zu können. An beiden Bügeln sind Soundcore-Schriftzüge zu finden, die auch die Fläche für die Bedienung per Touch markieren. Dazu gibt es noch eine Trageerkennung, die die Soundcore Frames einschalten, sobald man Bügel auseinanderklappt bzw. in den Standby schickt, sobald man sie zusammenfaltet. Die Wiedergabe wird pausiert, sobald man die Brille absetzt und fortgesetzt, wenn man sie wieder aufsetzt. Das funktioniert wirklich hervorragend, aber auf Wunsch kann man die Brille aus manuell Ein- oder Ausschalten.

Der „Trick“ sind die sehr einfach wechselbaren Frontrahmen. Einfach vorne am Bügel und Rahmen festhalten und einmal kurz ziehen – schon löst sich die Verbindung. Dadurch kann man die verschiedenen Frontrahmen tauschen und das ohne Werkzeug in wenigen Sekunden. Dabei hält die Verbindung im Alltag völlig problemlos. Man muss also keine Angst haben, dass die Brille beim Tragen plötzlich auseinander fällt. Mir gefällt auch die Sprachsteuerung, die es derzeit nur in englisch gibt, aber sie funktioniert ausgezeichnet. Überhaupt ist die Bedienung per Touch oder eben Sprache sehr einfach gehalten. Titel vor, zurück, lauter, leiser, Play, Pause Anruf annehmen oder auflegen. Das alles kann auf beide Arten bedient werden. Dabei werden bis auf Leiser und Lauter per Tippen am Logo bedient und Lauter bzw. Leiser durch wischen in die entsprechende Richtung.

Klassisches Design der Soundcore Frames

Als App kommt auch bei den Soundcore Frames die gleichnamige App Soundcore (iOS / Android). Hier kann man die Touch-Bedienung anpassen, die Brille kalibrieren und vor allem den Equalizer mitsamt dem sogenannten OpenSurround Sound. Gerade hier sollte man sich etwas zeit nehmen, um die für sich passende Einstellung zu finden. Etwas versteckt ist die Funktion zum manuellen Ausschalten, die man unter „Laborfunktion“ finden kann. Viel mehr gibt es nicht, wenn man von der Möglichkeit zur Aktualisierung der Firmware absieht.

Die Mikrofone, Lautsprecher und Ladeanschlüsse der Soundcore Frames

Erstaunlich gut ist der Tragekomfort. Auch für mich als Brillenträger, allerdings muss man seine eigene Brille dafür absetzen. Obwohl die Bügel relativ dick sind, sitzt der Bügel gut am Ohr und stört auch nicht nach längeren Tragen. Allerdings rutscht die Brille ein wenig, wenn man sich heftiger bewegt wie z.B. beim Sport. Das ist halt der Preis für ein nicht angepasstes Gestell. Dieses Schicksal haben auch die JLab JBuds Frames (Testbericht), die auf die Bügel der eigenen Brille geklemmt werden. Nicht perfekt, aber ganz ok. Zum in der Sonne liegen oder auf dem Balkon zu sitzen reicht es allemal. Man muss sich halt mal vor Augen halten, wofür man sich so eine Brille kauft.

Das faltbare Case bietet genug Platz für die Soundcore Frames

Beim Thema Akku kann man nichts bemängeln. Versprochen werden bis zu 5,5 Stunden Stunden, die man, je nach Hörlautstärke, auch wirklich erreichen kann, da man eher selten bei voller Lautstärke hören wird. Bei normaler Hörlautstärke komme ich teilweise auf über 6 Stunden. Dank Schnellladefunktion reichen 10 Minuten laden aus, um bis zu 90 Minuten Musik zu hören. In der Realität waren es 82 Minuten.

Die Sprachqualität bei Telefonaten ist in Ordnung. Nicht überragend, aber es ist schon ziemlich cool ohne Headset im Ohr einfach zu sprechen. Man selber hat aber ein leichtes Echo und Rauschen, welches aber die Qualität nur minimal stört. Eher stören die Umgebungsgeräusche. Wenn ich an der Straße stehe, kann mein Gegenüber jedes Auto deutlich wahrnehmen. Der Anrufer klingt etwas dünn, wobei ich gleich beim Thema Klang eingehen muss. Aber die Sprachverständigung ist gut.

Die Soundcore Frames mit angeschlossenen Ladekabel

Was ich nicht gut finde:

Leider gibt es bei der Soundcore Frames Audiobrille ein bisschen was zu kritisieren. Allem voran der Klang. Dieser ist recht dünn. Eigentlich kein Wunder, denn die Lautsprecher sind ein Stück vom Ohr entfernt und damit kann man keinen Spitzenklang erzeugen. Nicht mit so kleinen Membranen. Selbst einfache In-Ear Headsets verfügen heute über Membranen mit 11 mm bis hin zu 16 mm und stecken direkt im Ohr. Daher ist das absolut nicht vergleichbar, Die Soundcore Frames klingen ok, aber Bass oder gar Druck liefern die nicht. Musik hören oder Filme schauen funktioniert zwar, aber das ist eher von der Musik im Hintergrund berieseln lassen, als aktiv zu hören. Wer sich dessen bewusst ist, wird gefallen daran finden, denn gerade bei Podcasts oder Hörbüchern kann der Klang überzeugen.

Die Optik ist klassisch dezent

Der Equalizer hilft da nur bedingt, denn man kann zwar die tiefen Frequenzen hochschrauben, was aber die Membranen recht schnell an ihre Grenzen bringt, was diese durch hörbares übersteuern quittieren. Im Frequenzgang nach oben hin ist dabei noch genug Luft nach oben, denn sehr laut können die Soundcore Frames auch nicht wirklich, aber das wird sich niemand länger antun. Dafür klingt es mit zunehmender Lautstärke einfach nicht mehr gut an. Auch das in fünf Stufen aktivierbare „OpenSurround“ klingt besser, als es in der Realität ist, denn von echtem Surround ist das weit entfernt. Einziger Effekt ist mit jeder Stufe mehr Hall, der den Klang Letzen Endes eher verschlechtert als verbessert.

Größtes Manko ist aber, dass es nach wie vor keine Korrekturgläser für die wechselbaren Rahmen gibt. Für mich als Brillenträger ein Problem, denn ohne Korrektur bin ich zwar nicht blind wie ein Fisch, aber kann in der Ferne nichts mehr lesen. Diese Gläser mit Dioptrien sollen irgendwann mal kommen, aber wann, zu welchem Preis und von welchem Hersteller, ist derzeit nicht bekannt. Wer normalerweise keine Brille trägt, für den ist das natürlich kein Thema.

Fazit:

Ist die Soundcore Frames Audiobrille empfehlenswert? Jein, denn es kommt drauf an, ob man, so wie ich, eine Brille trägt oder nicht. Wenn nicht, bekommt man eine wirklich schicke Sonnenbrille in verschiedenen Designs, welches man nach Belieben ändern kann, mit vernünftigen Gläsern und einer super einfachen Bedienung und guter Akkulaufzeit. Wunder darf man aufgrund der offenen Bauweise nicht erwarten, aber für die Beschallung im Hintergrund ist es absolut in Ordnung und macht das Hören beim Tragen sehr angenehm ohne störende Stöpsel im Ohr oder dicke Polster auf dem Ohr. Wer allerdings eine Brille mit Dioptrien benötigt, für den ist die Soundcore Frames (noch) keine Option. Eine Alternative wären die eingangs erwähnten JLab JBuds Frames (Testbericht), die denselben Klang bieten und an der eigenen Brille befestigt werden können. Durch die enorme Flexibilität, das gute Handling, den guten Akku und einfache Bedienung in der Praxis bekommt es das Gütesiegel.

Offenlegung: Mobi-test.de hat dieses Gerät auf Anfrage vom Hersteller als Leihgabe erhalten. Unsere Berichterstattung ist davon nicht beeinflusst und bleibt gewohnt neutral und kritisch. Der Artikel ist, wie alle anderen auf unserem Portal, unabhängig verfasst und unterliegt keinerlei Vorgaben Dritter; diese Offenlegung dient der Transparenz.

Peter W.
Soundcore Frames
  • Verarbeitung/ Ausstattung
  • Verbindung/ Bedienung
  • Klang/ Praxistest
  • Preis/ Leistung
3.1

Zusammenfassung

+ sehr gute Verarbeitung
+ wechselbare Rahmen
+ sehr gute Akkulaufzeit
+ sehr einfache Bedienung
+ Schnellladefunktion

– etwas dünner Klang
– OpenSurround ist kein echter Surround
– keine Gläser mit Dioptrien erhältlich