Relativ günstige Over-Ear Headsets mit ANC sind bei Amazon ein Verkaufsschlager. Mit dabei ist immer auch Anker und die in Form des Soundcore Life Q30, welches ich mir für einen Vergleichstest zugelegt habe. Wie schlägt es sich gegen einen direkten Konkurrenten?

Geht es um den Kauf eines Over-Ear Headsets mit ANC, dann werden die allermeisten Interessenten in der Preisklasse von 50 bis 100 Euro suchen. Ziemlich genau in der Mitte liegt der Soundcore Life Q30 und der Gegner ist niemand geringeres als das Tronsmart Apollo Q10 (Testbericht) zum exakt gleichen Preis. Also ein Vergleich auf Augenhöhe und das gilt sowohl für den Preis, als auch die Ausstattung. Mit dabei auch der deutlich günstigere MPOW H17 (Testbericht). Kann der Tronsmart seinen Platz in unserer Bestenliste der Over-Ear Headsets verteidigen, oder wird er durch den Soundcore Life Q30 by Anker verdrängt?

Technische Daten Soundcore Life Q30:

  • 40 mm Treiber
  • 16 Hz – 40 kHz
  • Bluetooth 5.0
  • Bluetooth Profile A2DP, AVRCP, HFP, HSP (was ist das?
  • Bluetooth Codec AAC, SBC (was ist das?
  • Freisprechfunktion
  • ANC
  • Multipoint
  • Sprachassistenten
  • USB Typ-C
  • 3,5 mm Klinkenbuchse
  • NFC
  • Schnellladefunktion
  • 267 g

Produktseite: de.soundcore.com/soundcore_life_q30

Deutsche Bedienungsanleitung: Soundcore_Life_Q30_User_Manual_V2.pdf

Erhältlich ist das Soundcore Life Q30 by Anker in schwarz, blau und rosa bei Amazon* zum Preis von 79,99 Euro.

Wie ich genau teste und worauf ich dabei so achte, habe ich hier im Detail beschrieben -> Link

Natürlich bewerte ich auch solche Sachen wie Verarbeitungsqualität, Konnektivität mit Android und iOS, Tragekomfort usw. denn ich treibe auch Sport und trage sie dabei.

Am Ende schreibe ich auf, was ich gut finde, was ok und was ich nicht gut finde. 

Natürlich sind das meine ganz persönlichen Eindrücke und gerade der Klang, aber auch die Akkulaufzeit hängt extrem vom eigenen Nutzungsverhalten und Hörgewohnheiten ab. Das auch mit einer der Gründe, warum wir unsere Testberichte eher kurz halten, denn niemand elend lange Texte lesen und daher konzentrieren wir uns auf besonders erwähnenswerte Merkmale.

Was ich gut finde:

Fangen wir beim Lieferumfang. Im wirklich gut verarbeitenden Hardcase findet man noch ein USB Typ-C Ladekabel, ein 3,5 mm Klinkenkabel und eine Kurzanleitung. Das ist doch schon mal ein guter Start im direkten Vergleich zum Tronsmart Apollo Q10 (Testbericht), welches nur einen labbrigen Plastikbeutel beigelegt bekommt. Aber sonst ist es halt Standard.

Richtig gut ist das ANC. Die drei ANC-Stufen werden per Tastendruck an der linken Hörmuschel umgeschaltet. Bei „Transparency“ hört man gut die Musik, aber auch die Umgebungsgeräusche. Ideal im Stadtverkehr. Diesen Modus kann man übrigens auch schnell aktivieren, in dem man mit der Handfläche die rechte Ohrmuschel abdeckt. Aktiviert man „Normal“, werden Umgebungsgeräusche schon sehr deutlich abgeschwächt und bei „Noise Canceling“ wird es schön ruhig. Natürlich kann das ANC nicht gegen die Topmodelle wie das Sony WH-1000XM4 (Testbericht) anstinken, aber es arbeitet wirklich gut und das ist in dieser Preisklasse leider nach wie vor keine Selbstverständlichkeit. Übrigens funktioniert das ANC nicht, wenn man per Kabel verbunden ist.

Dank gut bedienbarer Tasten geht die Bedienung locker von der Hand. Funktionen wie Lauter, Leiser, Play/ Pause, ANC und Power haben eigene Tasten bekommen, welche gute Druckpunkte aufweisen und gut ertastbar sind. Hält man die Lauter- bzw. die Leiser-Taste länger gedrückt, springt man einen Titel vor oder zurück. Zum Annehmen von Telefonaten drückt man kurz die Power-Taste. Um diesen abzulehnen, hält man die Power-Taste kurz gedrückt. Im normalen Betrieb startet kurzes gedrückt halten der Power-Taste den Sprachassistenten.

Für einen Reset auf die Werkseinstellungen hält man die Power-Taste und die Lauter-Taste für 5 Sekunden zusammen gedrückt. Die LED wird dann zweimal abwechselnd blau und rot blinken.

Der Akku soll bis zu 60 Stunden durchhalten, was aber nur zu erreichen ist, wenn man das ANC deaktiviert und auch nur bei mittleren Lautstärken hört. Mit aktiven ANC waren es bei mir 38 Stunden und 12 Minuten, was trotzdem noch mehr als ordentlich ist. Mit der Schnellladefunktion sollen 5 Minuten aufladen für mehrere Stunden Musikgenuss ausreichen. Mit ANC sind es exakt 83 Minuten und ohne ANC kann man 3 Stunden und 32 Minuten Musik hören.

Was ich ok finde:

In Punkto Ausstattung ist der Anker Soundcore Life Q30 leider nur ok. Es gibt zwar ANC, Multipoint und eine Schnellladefunktion, aber es fehlt eine Trageerkennung. Darüber kann man lange diskutieren, aber es ist schon ein großer Komfortgewinn, wenn man es hat und man einfach nur das Headset absetzen muss und die Wiedergabe pausiert. Das ist intuitiver, als das abdecken mit einer Handfläche, denn viele empfinden es als unhöflich, wenn man beim Gespräch ein Headset auf dem Kopf hat. Was mir ebenfalls fehlt ist ein Standby. Legt man das Headset zur Seite und vergisst es auszuschalten, dann läuft es so lange weiter, bis der Akku leer ist. Mir völlig unverständlich, warum das fehlt.

Der Tragekomfort ist ebenfalls nur ok, denn vor allem das Polster am Kopfband ist zu dünn und die Ohrmuscheln haben durch ihre runde Form keine gute Passform, außer man hat eher kleine Ohren, die komplett in die Polster passen. Meine schon mal nicht. Da ist die ovale Form der Polster des Tronsmart Apollo Q10 (Testbericht) wesentlich bequemer. Dafür drückt es nicht und auch für mich als Brillenträger gibt es nichts zu meckern.

Die Verbindung kann wahlweise per NFC, Bluetooth oder 3,5 mm Klinkenkabel erfolgen. Allerdings funktioniert NFC nur in Verbindung mit Android Smartphones. Aber auch per Bluetooth gibt es nichts zu beanstanden, denn die Verbindung wird schnell aufgebaut und auch über weite Distanzen gut gehalten. Dieses hängt natürlich immer von den baulichen Gegebenheiten ab. Sehr gut gefällt mir, dass dank Multipoint gleich zwei Geräte zur gleichen Zeit verbunden sein können. So kann ich auf meinem iPad einen Film schauen und bin gleichzeitig mit dem Handy erreichbar. Auch die Umschaltung zwischen verschiedenen Geräten ist problemlos.

Die Soundcore App (Android / iOS) ist eigentlich nur für Firmwareupdates wichtig, denn außer der Umschaltung der ANC-Stufen, einem Equalizer und Geräuschen zum Einschlafen, kann man nichts anstellen. Ist eher so ein Placebo. Viele wollen das, also machen wir das, auch wenn es keinen echten Mehrwert bietet.

Kommen wir zum Klang und damit zum aller wichtigsten Kriterium für ein Headset. Er klingt gut, aber auch nur, wenn man kein anderes Headset für einen Vergleich hat, denn dann merkt man sehr schnell, wie dumpf der Soundcore Life Q30 eigentlich klingt. Und das ist nicht eingebildet, sondern selbst von Laien wie meiner Frau in den ersten Sekunden direkt zu hören. Der gesamte Klangcharakter geht in Richtung dumpf, grummelnd. Wer auf Bässe steht, dem dürfte das gefallen, denn gerade bei den unteren Frequenzen ist richtig was los, aber je höher es geht, desto lustloser kommt es rüber. Umso überraschender ist es, dass es selbst bei maximaler Lautstärke nicht verzerrt und das Q30 kann schon ordentlich laut. Aber alles im allem hat es klanglich gegen das Tronsmart Apollo Q10 (Testbericht) leider keine wirkliche Chance. Das Tronsmart spielt in allen Tonlagen viel freier auf, bietet den definitiv besseren Klang und auch bei der Räumlichkeit und Präsenz siegt es locker gegen das Soundcore. Richtig bitter wird es für das Soundcore Life Q30, wenn man das wesentlich günstigere MPOW H17 (Testbericht) zum Vergleich heran zieht. Dieses ist meiner Meinung nach auch noch dem Tronsmart Apollo Q10 überlegen und spielt das Soundcore Life Q30 locker an die Wand.

Kleberreste und Kratzer frei ab Werk

Was ich nicht gut finde:

Leider gibt es bei der Verarbeitung einiges auszusetzen. So stinken die Polster aus Kunstleder fürchterlich nach Chemie und das selbst nach mehreren Tagen. Empfindliche Gemüter werden es direkt wieder einpacken und zurück schicken. Des weiteren knarzen nach wenigen Tagen der Nutzung die beiden Gelenke der Ohrmuscheln und die linke Ohrmuscheln rastet nicht mehr sauber ein, wenn man es auseinanderfaltet. Ergo klappt die Ohrmuschel weg, sobald man das Headset kurz absetzt und muss es manuell wieder ausrichten, wenn man es wieder aufsetzen will. Auch nicht zu übersehen sind diverse Kleberückstände und Kratzer am Gehäuse direkt nach dem Auspacken. Das sollte in dieser Preisklasse kein Thema sein und natürlich kann man die Kleberreste schnell entfernen, das Knarzen mit einem Tropfen WD40 beseitigen, aber so etwas darf einfach nicht sein. Nicht wenn man die eigene Qualität so hoch lobt, wie es Anker seit jeher praktiziert. Denn gerade der nicht zu übersehende Kratzer nervt mich ohne Ende. Über die fehlende Trageerkennung habe ich mich schon weiter oben ausgelassen.

Fazit:

Ist das Soundcore Life Q30 by Anker empfehlenswert? In Anbetracht des direkten Konkurrenten Tronsmart Apollo Q10 (Testbericht) ganz eindeutig Nein. Der Soundcore ist genauso teuer, klingt aber schlechter, das ANC hinkt dem Tronsmart hinterher, genauso die Akkulaufzeit. Selbst das wesentlich günstigere MPOW H17 (Testbericht) liefert hier besser ab. Ansonsten liefern beide eine ähnliche App ohne echten Mehrwert für den Alltag und die Mängel bei der Verarbeitung sind in dieser Preisklasse ein absolutes No-Go. Von daher gibt es kein Gütesiegel.

Offenlegung: Mobi-test.de hat dieses Gerät auf eigene Kosten bei Amazon gekauft. Es wurde nicht vom Hersteller bzw. Onlineshop als Leihgabe bzw. als Geschenk zur Verfügung gestellt. Diese Offenlegung dient der Transparenz.

Anker Soundcore Life Q30
  • Verarbeitung/ Ausstattung
  • Verbindung/ Bedienung
  • Klang
  • Preis/ Leistung
2.4

Zusammenfassung

+ gutes ANC
+ gute Akkulaufzeit
+ Multipoint
+ Case im Lieferumfang

– diverse Verarbeitungsmängel
– keine Trageerkennung
– App eher Gimmick als nützlich

1 KOMMENTAR

  1. Hallo Peter,

    danke für den Testbericht. Ich bin für den Preis recht zufrieden mit dem Headset. Das ANC funktioniert für mich deutlich besser als bei den Sony WH1000MX3, bei denen mir grundsätzlich übel vom ANC geworden ist. Das Problem habe ich beim Q30 überhaupt nicht.

    Klar, Soundqualität ist Geschmackssache. Für 256 Kbit-Einheitsbreistreaming finde ich es okay und kann gut damit hören. Für qualitativ höhere Musik verwende ich einen Sennheiser Momentum 3, der im ANC noch eine tolle „Anti-Druck“-Funktipn hat, wie geschaffen für Menschen, bei denen das ANC den Gleichgewichtssinn stört und Übelkeit verursacht, oder halt ein kabelgebundenes Hifi-Headset.

    Was mich wundert ist die Kritik an der App. Welche kann denn mehr als das? Ich finde, die Soundcore App schon funktioneller als die manch anderer Hersteller. Ich denke da an die Bose App, die Sennheiser App oder die MyMelody App von Oppo. Die können nicht wirklich was, außer das ANC regeln und den Akkustand anzeigen. Bei der Soundcore App hab ich aber eben noch die Möglichkeit, eine Menge Equalizier Presets einzustellen, oder manuell zu justieren oder eben für mein Gehör eine Hear-ID erstellen zu lassen. Das halte ich schon für wesentlich mehr Komfort als die Apps aller anderen Hersteller.

    Verarbeitungsmängel habe ich übrigens keine. Das Case ist mir einen Tick zu eng. Es gleicht von der Form her ja dem Sony-Pendant, das aber etwas großzügiger bemessen war. Die Sonys (mittlerweile verkauft) ließen sich intuitiver zusammenlegen und dort verstauen.

    Apropos Soundcore: Meine Favoriten im Bereich TWS sind tatsächlich die Liberty Air 2 Pro geworden. Haben eine schön Soundbühne und erzeugen für so kleine In-Ears auch genug Bass, dass man weiß, ja, da ist Bass. Das vermisse ich bei den AirPods Pro beispielsweise.

    In diesem Sinne: Weitertesten! 🙂

    Viele Grüße
    Martin
    mich verwundert,

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