Xiaomi Mi Band 7 im Test – ist der Fitnesstracker immer noch empfehlenswert?

Im Test habe ich das Xiaomi Mi Band 7, denn wieder will ich wissen, ob die neue Version nach wie vor ohne Wenn und Aber empfehlenswert ist. Und was soll ich sagen…aber am besten selber lesen.

Kaum in China auf dem Markt, hat mir tradingshenzhen* das Xiaomi Mi Band 7 für einen Test besorgt. Diese Bezeichnung ist übrigens nicht mehr ganz aktuell, denn offiziell heißt es Xiaomi Smart Band 7 und wird zukünftig in nunmehr 3 Versionen erscheinen. Derzeit gibt es nur die chinesische Version ohne NFC und ohne GPS (Modellnr.: M2129B1). Zwischen den chinesischen und den globalen Versionen des Xiaomi Mi Band 7 gibt es technisch auch keine Unterschiede mehr. Alle sind aus der Verpackung heraus auch in deutscher Sprache nutzbar. Einzig das fehlende CE-Kennzeichnen unterscheidet sie. Daher sind die chinesischen Version immer etwas günstiger. Ich bin seit dem allerersten Mi Band dabei und habe seitdem alle Modellen gekauft und getestet. Zuletzt natürlich das Xiaomi Mi Band 6 (Testbericht). Das Neue soll alles nochmals viel besser machen und bringt auch ein paar Neuerungen mit sich. Aber lohnt sich der Umstieg oder gibt es mittlerweile bessere Alternativen?

Auch wichtig zu wissen ist, dass ich so einen Fitnesstracker während des Tests rund um die Uhr trage und wie genau ich teste, ist hier ausführlich beschrieben -> Link

Technische Daten Xiaomi Mi Band 7:

  • Android ab 6.0 und iOS ab 11
  • 1,62″ AMOLED Farbdisplay mit 490 x 192 Pixel
  • 16 bit Farbtiefe
  • 2,5D gehärtetes Glas
  • Alwyays-On Display
  • 3-Achsen Sensor
  • Pulsmesser
  • SpO2 Messung (was ist das?)
  • wasserdicht bis 5 ATM nach IP68 (was bedeutet das?
  • Bluetooth 5.2 LE
  • 100+ Aktivitäten
  • 46,5 x 20,7 x 12,25 mm (nur der Tracker)
  • Armbandlänge 160 – 224 mm
  • 26 g gesamt
  • 180 mAh

Produktseite (chinesisch): mi.com/smartband7

Deutsche Bedienungsanleitung: n/a

Erhältlich ist das Xiaomi Smart Band 7 derzeit nur in der chinesischen Version am günstigsten bei tradingshenzhen.com* ab 47 Euro. Ohne Versandkosten und mit einem schnellen Versand aus der EU ist es für 67 Euro* zu bekommen. Bei Amazon* ist es zum Preis ab 79 Euro zu haben. Demnächst kommt noch die globale Version, eine mit NFC (Modellnr.: M2130B1) und noch eine Pro Version mit GPS.

Was ich gut finde:

In der Verpackung des Xiaomi Mi Band 7 gibt es außer dem Tracker noch ein Ladekabel und eine Kurzanleitung. In meinem Fall natürlich in chinesischer Sprache, aber in der globalen Version wird diese in deutscher Sprache beiliegen. Das Ladegerät ist übrigens dasselbe wie beim Mi Band und Mi Band 6. Endlich hat Xiaomi dazu gelernt. An der Verarbeitung gibt es nichts zu meckern. Eben ein Xiaomi Mi Band, wie man es kennt. Der Tracker kann immer noch sehr leicht aus dem Armband herausgedrückt werden und damit in sekundenschnelle gewechselt werden. Passende Alternativen an Wechselarmbändern findet man in den Tipps und Tricks zum Xiaomi Mi Band 7 (Link zum Artikel). Die Schlaufe mit dem „Pinöpel“ am anderen Ende ist ebenfalls geblieben, aber schließt ordentlich und bislang habe ich auch noch kein Mi Band verloren.

Das Xiaomi Mi Band 7 am Handgelenk getragen

Die Bänder vom Mi Band 6 passen übrigens nicht mehr, denn es ist etwas kürzer und dünner, dafür minimal breiter geworden. Gewachsen ist primär das Display, welches jetzt eine Displaydiagonale von 1,62″ aufweist und natürlich ein waschechtes AMOLED. Nun gibt es endlich auch ein AoD (Always-On-Display) und auch bei der Auflösung hat es minimal zugelegt. Die Farben sind knackig und gestochen scharf. Gefällt mir echt gut, zumal es für einen Fitnesstracker dieser Größe absolut ausreicht. Bei direkter Sonneneinstrahlung kann man zwar die Displayhelligkeit manuell nachregeln, aber das ist etwas umständlich, da es keine automatische Helligkeitsregelung gibt.

An der Unterseite die beiden Pins für das magnetische Ladegerät und die Sensoren auf einem kleinen „Buckel“, um den Abstand zur Hautoberfläche möglichst gering zu halten. Wasserdicht ist das Xiaomi Mi Band 7 bis 5 ATM nach IP68 (was bedeutet das?) und kann also problemlos zum Schwimmen im Süßwasser und Duschen getragen werden.

Alles läuft mittlerweile über die neue Mi Fitness (früher Xiaomi Wear Lite) – Android iOS. Hier gibt es aktuell etwas durcheinander, weil es noch die altbekannte Mi Fit App gibt, aber das Xiaomi Mi Band 7 kann nur mit der MI Fitness App verbunden und genutzt werden, wie ich hier ausführlich beschrieben habe (Link zum Artikel). Das ist eben Xiaomi. Alles etwas chaotisch und ständig im Wechsel. Über die comicartige Aufmachung der App kann man denken wie man will. Das ist nur Optik. Die App ist übersichtlich, hat aber immer noch den Nachteil, dass die Synchronisation nach dem Start mitunter mehrere Minuten in Anspruch nehmen kann. Bei Xiaomi ist Geduld oberste Pflicht.

Dafür ist sie sehr übersichtlich und bietet viele Funktionen und Einstellmöglichkeiten. Die Startseite kann den eigenen Wünschen angepasst werden, was dort, wo genau angezeigt wird oder eben nicht. Tippt man eines der Felder an, bekommt man weitere Details präsentiert. Optisch wirklich gut aufbereitet, aber über die Qualität der Daten muss ich mich leider weiter unten auslassen. Im Reiter „Gerät“ kann man die grundlegenden Funktionen des Xiaomi Mi Band 7 verwalten. Wie oft soll der Puls gemessen werden, welche Apps sollen Benachrichtigungen schicken dürfen, welche Aktivitäten sind auf der Uhr auswählbar, wie und in welcher Zeitspanne reagiert das Armband auf die klassische Auf-die-Uhr-schauen-Geste usw. Das alles wie gesagt sehr übersichtlich und gut verständlich. Im „Profil“ kann man seine persönlichen Daten ändern und Ziele setzen. Seine Daten kann man nur auf dem iPhone mit Strava teilen. Unter Android ist aktuell nur WeChat und AliPay verfügbar. Google Fit? Fehlanzeige. Kommt aber sicher noch per Update.

Im Alltag ist das Xiaomi Mi Band 7 ein dezenter Begleiter. Angenehm leicht, so dass man es auch beim Schlafen tragen kann. Über das Display, Akku und die Messwerte komme ich weiter unten zu sprechen. Dafür gibt es viele Watchfaces im Angebot, die man jederzeit wechseln kann und einige sogar noch ein wenig anpassen, welche Komplikationen angezeigt werden. Da sollte jeder was finden. Auch bei den Aktivitäten hat man mittlerweile eine riesige Auswahl, aber wie immer bei Xiaomi werden nur Laufen im Freien, Laufband, Gehen und Radfahren im Freien mit allen möglichen Details aufgezeichnet und auch nur drei davon, die sich im Freien abspielen, bekommen eine Aufzeichnung per GPS. Alle anderen werden nur über die Dauer und eine grob geschätzte Kalorienzahl aufgezeichnet. So eine große Auswahl ist ganz nett, aber nicht wirklich nützlich. Das ist aber auch bei allen anderen Herstellern so, daher kann man es Xiaomi nicht ankreiden.

Der Wecker weckt zuverlässig und auf Wunsch sogar smart. Heißt, das Band schaut, wie man gerade schläft und weckt dann bis zu 10 MInuten früher als geplant. Wozu das gut sein soll? Ist halt modern. Der Bitte-nicht-stören-Modus kann zeitlich gesteuert werden und ebenfalls auf smart gesetzt werden. Damit soll das Xiaomi Mi Band 7 erkennen, ob ich Schlafe oder nicht. Das hat zum Teil gut funktioniert, teils gar nicht. Muss man nachts mal raus, kann es dauern, bis das Band erkennt, dass man wieder im Bett liegt und leuchtet munter vor sich hin und das so richtig hell.

Bezahlen kann man mit dem Xiaomi Mi Band 7 nicht. Dafür gibt es demnächst ein eigenes Modell mit der Bezeichnung Xiaomi Smart Band 7 NFC. Anrufe werden zwar signalisiert, aber telefonieren kann man auch mit dem Mi Band 7 nicht. Dafür kann man jetzt Schnellantworten erstellen, die per Klick geschickt werden können. Die gehen übrigens als SMS raus, also Vorsicht, wer keine Flatrate hat. Die Schlafüberwachung ist einigermaßen präzise, aber man muss mit Abweichungen von bis zu 30 Minuten leben. Ist halt ein Spielzeug und kein tragbares Schlaflabor, welches man wirklich ernst nehmen sollte. Neu ist auch eine Funktion, die den Nutzer permanent überwacht oder besser gesagt dessen Herzschlag. Kommt es zu Unregelmäßigkeiten, alarmiert das Xiaomi Mi Band 7, aber das zwei riesige Nachteile, auf die ich unten zu sprechen komme.

Die Mi Fitness App ist sehr bunt

Was ich nicht gut finde:

Die Reaktionsfähigkeit des AMOLED Displays ist gegenüber dem Xiaomi Mi Band 6 (Testbericht) schlechter geworden. Man kann in den Einstellungen des Xiaomi Mi Band 7 die Empfindlichkeit zwischen normal und empfindlich einstellen, aber so wirklich brauchbar ist keine von beiden. Steht es auf empfindlich, dann ist es so sensibel, dass man sich permanent verdrückt oder im Alltag nur durch eine leichte Berührung des Displays dieses entsperrt und den ohnehin schon schwachen Akku noch weiter schwächt oder im schlimmsten Fall noch etwas aktiviert, was man gar nicht wollte. Auf der Einstellungen „Normal“ ist es wiederum so träge, dass man oft genug mehrmals drücken muss, damit es überhaupt mal reagiert.

Ein Problem ist aber mittlerweile auch, dass das immer umfangreichere Menü eine immer kleinere Schrift spendiert bekommt. Die Menüpunkte scrollen zwar durch, aber die Schriftgröße eignet sich eher für einen Sehtest als zur gezielten Bedienung, zumal man die Texte öfter hintereinander durchscrollen lassen muss, da sich zu schnell durch marschieren. Leider kann man daran rein gar nichts ändern. Das macht die an sich sehr einfache Bedienung unnötig umständlich und kann, oder sogar muss, Xiaomi definitiv besser machen.

Das mit dem Akku habe ich ja bereits mehrfach angesprochen. Die Zeiten von mehren Wochen sind lange vorbei. Beim Xiaomi Mi Band 5 (Testbericht) hielt der 125 mAh messende Akku noch etwas über 7 Tage durch. Beim Xiaomi Mi Band 6 (Testbericht) war der Akku gleich, aber durch das größere Display reduzierte dich die Akkulaufzeit auf um die 5 Tage. Beim Xiaomi Mi Band 7 ist der Akku auf nunmehr 180 mAh vergrößert worden, aber die Akkulaufzeit ist trotzdem massiv nach unten gegangen.

Leider eher fragwürdige Messwerte

Wie immer habe ich alles aktiviert, was man aktivieren kann. Nur so kann man wirklich eine vernünftige Aussage treffen. Also das Always-On-Display aktiviert, die Messung des Puls auf permanent, da mir das Band bitte bei Problemen mit dem Herz sofort Alarm schlagen soll, Die Displayhelligkeit auf Mittel, sämtliche Benachrichtigungen vom Smartphone gespiegelt, SpO2 Messung an, Schlafüberwachung aktiv, Stressmessung aktiv und was man halt noch so einschalten kann. Damit komme ich knapp 36 Stunden durch. Das sind 1,5 Tage. Wer Funktionen abschaltet oder einschränkt, kommt natürlich noch etwas weiter, aber mehr als 3 oder 4 Tage werden das sicher nicht. Erst recht nicht, wenn man ab und zu mal eine Aktivität per GPS aufzeichnen lässt. Erfreulich ist dagegen, dass der Akku ruckzuck wieder voll aufgeladen ist. Das dauert keiner Stunde.

Ein Problem sind, warum auch immer, die Messwerte. Vor allem die Pulswerte und die Werte des SpO2 Sensors liefern doch eher fragwürdige Werte. Wie immer teste ich den Puls öfter über den Tag in absoluter Ruhe, normaler Arbeit, beim Sport oder auch beim Spazieren gehen. Dabei habe ich einen kleinen Fingerclip Pulsoxysensor (Link zu Amazon*), um brauchbare Vergleichswerte zu bekommen. Dabei weichen die Pulswerte eigentlich immer um 10 bis 30 Schläge pro Minuten vom Messwert des Fingerclips ab. Egal ob auf der Couch liegend oder beim Sport. Sehr seltsam, denn beim Xiaomi Mi Band 6 (Testbericht) waren diese Werte noch akzeptabel. Hier sind sie nahezu unbrauchbar und machen die weiter oben genannte Funktion zur Erkennung von Herzrhythmusstörungen unbrauchbar.

Jede Menge einstellbar in der Mi Fitness App

Das gilt auch für die Messung des Blutsauerstoff, der per se schon sehr fragwürdig ist, wie ich hier ausführlich beschrieben habe (Link zum Artikel). Laut dem Mi Band 7 bin ich öfter mal auf Sauerstoff angewiesen, weil meine Werte unter 95% gesunken sind. Wäre das wirklich so, würde ich das wirklich merken. Totaler Quatsch, zumal die Werte beim Schlaf noch verrückter erscheinen. Da ist alles von 68% bis 100% vorhanden. Unter 90% müsste man schon vom Notarzt intubiert werden, also beatmet werden.

Das Thema mit den ungenauen Schritten gibt es nach wie vor, ist aber mittlerweile eher zweitrangig. Es zählen nicht die Schritte, sondern viel mehr die Dauer von Aktivitäten. Ob man dafür jetzt hundert Schritte mehr oder weniger gemacht hat, ist am Ende egal. Aber viele Nutzer bemängeln das immer noch. Das wird beim Xiaomi Mi Band 7 nicht anders sein, denn auch hier gibt es starke Schwankungen. Mal zu wenige Schritte, dann wieder viel zu viele. Das gilt im übrigen auch für die GPS Aufzeichnungen. Das GPS Signal holt sich das Mi Band 7 vom verbundenen Smartphone und dieses Signal wird offensichtlich zu selten abgefragt. So nimmt man häufiger mal Abkürzungen quer durch Gärten oder Felder.

Noch mehr Einstellungen, aber ein ungenaues GPS beim Xiaomi Mi Band 7

Fazit:

Ist das Xiaomi Mi Band 7 empfehlenswert? Nein, denn das Xiaomi Smart Band 7 ist das erste Modell, welches deutlich schlechter als der Vorgänger Xiaomi Mi Band 6 (Testbericht) ist. Das Display ist zwar größer, aber die Reaktion lässt zu wünschen übrig. Dafür ist die Schrift viel zu klein. Die Messwerte sind größtenteils unbrauchbar, das GPS Problem besteht nach wie vor, genauso das mit den Schritten. Auch wenn es böse klingt – das Xiaomi Mi Band ist und bleibt nicht mehr und nicht weniger als ein Spielzeug für Einsteiger, die mal sehen wollen, ob sie überhaupt so einen Tracker dauerhaft tragen wollen. Mittlerweile günstiger und in wirklich allen Belangen besser ist das Huawei Watch Fit New (Testbericht). Das wäre meine Empfehlung, aber leider nicht das Xiaomi Mi Band 7. Daher vergebe ich dieses mal das Gütesiegel nicht.

Offenlegung: Mobi-test.de hat dieses Gerät auf Anfrage vom Onlineshop tradingshenzhen.com* als Leihgabe bzw. als Geschenk erhalten. Unsere Berichterstattung ist davon nicht beeinflusst und bleibt gewohnt neutral und kritisch. Der Artikel ist, wie alle anderen auf unserem Portal, unabhängig verfasst und unterliegt keinerlei Vorgaben Dritter; diese Offenlegung dient der Transparenz.

Peter W.
Xiaomi Mi Band 7
  • Verarbeitung/ Ausstattung
  • Verbindung/ Bedienung
  • Praxistest
  • Preis/ Leistung
2.3

Zusammenfassung

+ gute Verarbeitung
+ gro0es Display
+ guter Tragekomfort
+ viel Zubehör erhältlich

– meist unbrauchbare Messwerte
– Probleme bei der Touchbedienung
– Probleme bei der Synchronisation
– GPS Fix dauert lange
– sehr kurze Akkulaufzeit

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