HUAWEI FreeClip im Test – was taugt das Open-Ear Headset?

Im Test habe ich das HUAWEI FreeClip Open.Ear Headset in einem ganz speziellen, neuen Design. Aber was taugt es? Sieht es nur fenzy aus, oder steckt noch mehr dahinter?

Huawei kann ungewöhnliches Headsets. Zuletzt hat man mit den Huawei Freebuds 5 (Testbericht) eindrucksvoll bewiesen, dass ein Headset nicht immer wie ein normales Headset aussehen muss und trotzdem gut klingen kann. Die HUAWEI FreeClip gehen noch ein Stück weiter und sind eher Schmuckstück als Headset, zumindest sind sie getragen im ersten Moment nicht als klassisches Headset erkennbar. Mit dem Open-Ear Design folgt man dem aktuellen Trend, den nicht zuletzt SHOKZ gesetzt hat. Mittlerweile habe ich ein paar solcher Open-Ear Headsets getestet (Testberichte). Mittendrin und trotzdem voll dabei lautet hier das Motto, denn bei einem Open-Ear Headset sitzt das Headset vor dem Ohr und nicht im Gehörgang, so dass man alles um einen herum problemlos mitbekommt und trotzdem ganz entspannt Musik oder einen Podcast (wie z.B. unseren Mobi-Test Podcast) hören kann. Ein großer Nachteil ist aber, dass solche Headsets leider eher dünn klingen und wenig bis gar keinen Bass bieten, da der Weg zwischen Membran und dem Trommelfell doch recht lang ist und sich die Musik, gerade der Tieftonbereich, den langen Weg durch die Luft bahnen muss. Dieses Problem will Huawei in den Griff bekommen haben und das macht mich extrem neugierig.

Wie ich genau teste und worauf ich dabei so achte, habe ich hier im Detail beschrieben (Link zum Artikel). Natürlich bewerte ich auch solche Sachen wie Verarbeitungsqualität, Konnektivität mit Android und iOS, Tragekomfort usw. denn ich treibe auch Sport und trage sie dabei. Am Ende schreibe ich auf, was ich gut finde, was ok und was ich nicht gut finde. Wie immer sind das meine ganz persönlichen Eindrücke und gerade der Klang, aber auch die Akkulaufzeit hängt extrem vom eigenen Nutzungsverhalten und Hörgewohnheiten ab. Das auch mit einer der Gründe, warum wir unsere Testberichte eher kurz halten, denn niemand elend lange Texte lesen und daher konzentrieren wir uns auf besonders erwähnenswerte Merkmale.

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Technische Daten HUAWEI FreeClip:

  • 10,8 mm Treiber
  • 20 Hz – 20 kHz
  • Bluetooth 5.3
  • Bluetooth Profile A2DP, AVRCP, HFP (was ist das?
  • Bluetooth Codec AAC, SBC, L2HC, LC3 (was ist das?
  • Freisprechfunktion
  • dynamische Rauschunterdrückung
  • Touchbedienung
  • Trageerkennung
  • Sprachassistenten
  • Huawei AI Life App
  • spritzwassergeschützt nach IP54 (was bedeutet das?)
  • USB Typ-C
  • Wireless Charge
  • 59,7 x 51,95 x 27,35 mm (Case)
  • 26,7 x 22 x 25,3 mm (Earpiece)
  • 6 g (pro Earpiece)
  • 57 g (gesamt mit Case)
  • 55 mAh (Earpiece)
  • 510 mAh (Case)

Produktseite: huawei.com/de/freeclip

Deutsche Bedienungsanleitung: huawei.com/freeclip_anleitung.pdf

Erhältlich ist das HUAWEI FreeClip Open-Ear Headset in lila oder schwarz bei Amazon* zum Preis von 179 Euro.

Was ich gut finde:

Packt man die HUAWEI FreeClip aus, dann findet man in dem kleinen Karton das Case mit den beiden innenliegenden Ear-Clips, einem kurzen USB-C auf USB-C Kabel und eine deutsche Kurzanleitung. Das Case ist dem der Huawei Freebuds 5 (Testbericht) sehr ähnlich, also eher rundlich und ein echter Handschmeichler. Eigentlich kann das Case nur hingelegt werden, aber es ist ein kleines Spielchen es hinzustellen, wenn man etwas Langeweile hat. Das funktioniert tatsächlich. Der Deckel öffnet schön weit, so dass die beiden Clips problemlos entnommen und auch wieder eingesetzt werden können. Beide Clips werden übrigens magnetisch gehalten und sollte man die Clips falsch herum einsetzen, macht das auch nichts, weil sie so oder so passen und geladen werden. An der Front ist eine kleine LED zu finden, an der Seite eine Taste zum Verbinden und an der der Unterseite die USB-C Buchse. Das Case kann auf Wunsch auch kabellos per Qi geladen werden.

Ist eigentlich schon aufgefallen, dass ich die beiden Ohrstöpsel nicht Ohrstöpsel nenne, sondern Clips? Weil es eben Clips sind. Das eigenwillige Design ist gleichzeitig dessen Funktion, denn die so ein HUAWEI FreeClip wird nicht in das Ohr eingesetzt oder eingehängt, sondern tatsächlich an der Ohrmuschel befestigt, eben geclipt. Huawei nennt das „C-Bridge Design“ und so ein Clip besteht aus drei Teilen. Dem größeren Comfort Bean, der hinter dem Ohr sitzt, der flexiblen Verbindung, der C-Bridge, welche auch aus einer flexiblen „hochleistungsfähigen Ni-Ti-Formgedächtnislegierung“ besteht und dem Acoustic Ball, der im Ohr hängt. Dessen Ausrichtung ist in Richtung des Gehörgangs. Zum „Anziehen“ des Clips schiebt man ihn einfach über die Ohrmuschel und schiebt ihn etwas in Position. Obwohl der Clip wirklich nur so hängt, hält er dort bombenfest und sieht von weitem aus wie ein Piercing oder ähnliches.

Der Tragekomfort ist wirklich hervorragend, auch wenn man gerade am Anfang erst mal den für sich passenden Sitz herausfinden muss. Am zweiten Tag hat man das aber raus und man hat die HUAWEI FreeClip genauso schnell eingesetzt, wie andere Headsets auch. Bereits nach wenigen Sekunden merkt man die Clips dann schon nicht mehr, denn auch wenn sie geclipt werden, drückt da absolut nichts. Das ist wirklich faszinierend und eine ganz neue Art ein Headset zu tragen. Egal was man so über Tag macht, z.B. auch beim Sport, bleiben sie an Ort und Stelle. Ich habe Jumping Jacks gemacht, Seilspringen, Burpees oder auf dem Laufband. Einfach unglaublich wie gut die halten und trotzdem nicht als störend empfunden werden. Auch wenn es dazu verleitet, aber duschen sollte man mit den HUAWEI FreeClip besser nicht, denn wasserdicht sind sie nicht, sondern „nur“ spritzwassergeschützt nach IP54, womit der Regenschauer nichts ausmacht, genauso starkes Schwitzen.

Im Inneren sorgen zwei spezielle Treiber mit jeweils 10,8 mm Durchmesser für die Vertonung der Signale. Dazu gibt es pro Seite jeweils 3 Mikrofone zur Filterung von Geräuschen bei Telefonaten, denn ANC macht so einer offenen Bauart absolut keinen Sinn. Dazu gibt es neben AAC und SBC noch die hauseigenen, hochauflösenden L2HC und LC3 Codecs (was ist das?). Leider werden die nach wie vor nur von Huawei und Honor Smartphones unterstützt. Die HUAWEI FreeClip unterstützen auch eine Trageerkennung, haben Bluetooth der Version 5.3 mit an Bord, womit Probleme bei der Verbindung nicht auftauschen sollten, Multipoint (was ist das?), also der Möglichkeit sich mit zwei Geräten gleichzeitig zu verbinden und die Bedienung erfolgt per Touch. Absolut gelungen ist auch die automatische Links-Rechts-Erkennung der beiden Clips. So spielt es keine Rolle, wenn man mal links und rechts vertauschen sollte. Eine Ansage macht auf die Umschaltung aufmerksam und die Wiedergabe erfolgt akustisch korrekt.

Die Bedienung der HUAWEI FreeClip erfolgt wie bereits beschrieben per Touch und zwar spielt es keine Rolle, wo man an einem der beiden Clip drückt. Dabei ist die Bedienung sehr einfach gehalten. Doppeltes antippen steuert Play und Pause bzw. nimmt einen Anruf an. Dreimaliges antippen springt einen Titel nach vorne. Mehr gibt es nicht zu bedienen, wobei man in der App noch einstellen kann, dass der Sprachassistent aktiviert wird. Im Alltag funktioniert die Bedienung tadellos. Befehle werden korrekt erkannt und direkt umgesetzt. Zum Glück es keinen einfachen Touch, so dass man sich auch mal ans Ohr fassen kann, ohne direkt eine Aktion auszulösen. In der App kann man übrigens auch sämtliche Touchgesten deaktivieren und auch im Monobetrieb funktioniert das alles sehr gut. Für einen Reset auf die Werkseinstellungen setzt man die beiden Clips in das Case, lässt den Deckel offen und hält die Taste so lange gedrückt, bis die LED weiß blinkt.

Apropos App. Auch bei den HUAWEI FreeClip kommt HUAWEI AI Life (Android iOS) zum Einsatz, welche bei Android nach wie vor über den Umweg der Huawei AppGallery installiert werden muss. Aber das ist kein großer Aufwand, weil er ganz normal wie der Playstore funktioniert. Die App bietet alle wichtigen Funktionen direkt auf der Startseite wie z.B. einen einer Möglichkeit den Kalng mit vier vordefinierten Presets ein wenig anzupassen. Einen „großen“ Equalizer gibt es nicht, aber ich muss zugeben, dass die Presets für den Alltag genügen. Ansonsten kann man die Bedienung anpassen, Updates der Firmware installieren, eine niedrigere Latenz aktivieren und auf Wunsch die Trageerkennung deaktivieren.

Bei der Akkulaufzeit versprechen die HUAWEI FreeClip eine Laufzeit von bis zu 8 Stunden und zusammen mit dem Case von bis zu 36 Stunden. Diese Angaben konnte ich im Test erfahrungsgemäß leider nicht ganz erreichen, denn ich höre etwas lauter als bei den Tests wohl eingestellt wird und so war nach 7 Stunden und 9 Minuten Ende der Vorstellung. Beide Clips konnte ich danach im Case noch dreimal komplett aufladen und beim vierten mal reichte es dann noch mal für knapp 1 Stunde. Das ist für ein Headset dieser Bauart absolut in Ordnung, zumal gerade einmal zehn Minuten Aufladen für bis zu 3 Stunden ausreichen soll. In der Praxis waren es 2 Stunden und 2 Minuten. Lobenswert, dass das Case auf Wunsch auch kabellos geladen werden kann, was dann aber etwas länger dauert.

Und wie klingt das HUAWEI FreeClip? Während ich diese Zeilen schreibe, höre ich mit dem HUAWEI FreeClip meine gesamte Test-Playlist durch und ich muss sagen, dass es für ein Open-Ear Headset wirklich sehr gut klingt. Prinzipbedingt gibt es zwar keine tiefen Bässe und auch die „normalen“ Bässe haben jetzt nicht so den Punch, wie bei einem In-Ear Headset, aber Huawei kann eben nicht die Physik überlisten und es klingt trotzdem weitaus besser als eigentlich alle Open-Ear Modelle, die ich schon so getestet habe. Dafür klingt der gesamte Rest umso besser und so macht selbst stundenlanges Musikhören einfach nur Spaß. Man ist halt mittendrin und bekommt eine sehr weite Bühne hingestellt, die manch In-Ear schmerzlich vermissen lässt. Als ob die Musik um einen herum spielt und das mit einer Klarheit und Brillanz, die auch einer Stimme wie Adele oder Sade das gewisse Etwas verleiht. Oder hoch hinaus mit Sia, denn auch das beherrschen die HUAWEI FreeClip und das ohne zu übersteuern bis zur maximalen Lautstärke. Wenn man mal keine Lust auf Musik hat, hört man einfach mal einen Podcast (wie z.B. unseren Mobi-Test Podcast), setzt per Preset den Fokus auf Stimmen und ab dafür.

Beim Telefonieren kann das HUAWEI FreeClip ebenfalls absolut überzeugen. Selbst bei ordentlichen Windböen wird man immer noch gut verstanden und genau wie bei Musik profitiert man auch beim Telefonieren mit dem HUAWEI FreeClip die unglaubliche Räumlichkeit. Als ob der Anrufer direkt neben mir steht und das sehr sauber und klar. Hut ab Huawei.

Übrigens kurz was zum Thema mithören. Ein Open-Ear Headset „hängt“ ja frei in der Luft und natürlich können umliegende Personen etwas hören, natürlic davon abhängig wie laut man hört, aber nichts verstehen. Man hört irgendwas und kann es als Musik entziffern, aber den Titel errät so niemand und das gilt auch für Telefonate. Man hört, dass da jemand spricht, aber kein einziges Wort so richtig.

Was ich nicht gut finde:

Leider kann man am Clip der HUAWEI FreeClip die Lautstärke nicht ändern. Hier würde sich der Bügel bzw. dessen Lage am Ohr perfekt eignen. Wischen nach vorne für lauter oder nach hinten wischen, um die Lautstärke der Wiedergabe zu reduzieren. Aber wer weiß. Vielleicht kommt das ja noch mal per Update. Schade finde ich zudem auch, dass es die HUAWEI FreeClip nur in schwarz und lila gibt. Dieses in silber würde es noch mehr als Schmuckstück durchgehen lassen oder in weiß? Auch ein Braunton bzw. hautfarben würde sicher gut passen und so einen Clip am Ohr nahezu unsichtbar machen.

Fazit:

Sind die HUAWEI FreeClip empfehlenswert? Wer gezielt nach einem richtig guten Open-Ear Headset sucht und kein Nackenband möchte, macht mit dem Kauf der HUAWEI FreeClip absolut keinen Fehler. Das Design ist jetzt schon ikonisch und der Tragekomfort einfach nur fantastisch. Dazu ein, für ein Open-Ear Headset, richtig guter Klang gepaart mit einer sehr guten Räumlichkeit, einfacher Bedienung und sehr guter Akkulaufzeit. Dafür gibt es von mir das Gütesiegel, denn es ist eine absolute Empfehlung.

Offenlegung: Mobi-test.de hat dieses Gerät auf Anfrage vom Hersteller als Leihgabe erhalten. Unsere Berichterstattung ist davon nicht beeinflusst und bleibt gewohnt neutral und kritisch. Der Artikel ist, wie alle anderen auf unserem Portal, unabhängig verfasst und unterliegt keinerlei Vorgaben Dritter; diese Offenlegung dient der Transparenz.

Peter W.
HUAWEI FreeClip

Zusammenfassung

+ sehr gute Verarbeitung
+ hervorragender Tragekomfort
+ sehr guter Klang
+ flexibel tragbar
+ ikonisches Design
+ gute Akkulaufzeit
+ gute App
+ Trageerkennung
+ Multipoint
+ Schnellladefunktion
+ kabelloses Laden

– keine Lautstärkeregelung am Clip
– nur schwarz und lila

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