OnePlus Watch im Test – was ich gut finde und was nicht

Mit der OnePlus Watch haben wir die erste Smartwatch des Herstellers ausgiebig in der Praxis getestet und hier findet ihr, was ich ich daran gut finde und was nicht. Denn perfekt ist leider anders.

Ich muss mich direkt mal an OnePlus Fan outen, denn ich habe bis zum OnePlus 8 jedes Modell seit dem OnePlus One besessen. Trotz allem war ich am Ende extrem gespannt, als sich die Gerüchte um die erste Smartwatch von OnePlus, dem Modell W301GB, bewahrheitet haben. Denn OnePlus ist eben OnePlus und nicht einmal Apple schafft es einen dermaßen Hype um die eigene Marke zu etablieren. Die OnePlus Watch soll natürlich alles besser als die Konkurrenz machen und wer die Geschichte von OnePlus kennt, weiß, dass man hier einiges erwarten kann. Und so habe ich direkt zum Verkaufsstart mein Exemplar in silber bestellt. Nicht vom Hersteller gestellt, sondern wirklich ganz normal gekauft. Das Feuer war wieder entfacht und so startete ich verheißungsvoll in den Praxistest. Wichtig zu wissen ist, dass ich eine Smartwatch rund um die Uhr trage und wie genau ich teste, ist hier ausführlich beschrieben -> Link

Technische Daten OnePlus Watch:

  • RTOS
  • Android ab 6.0
  • 1,39″ AMOLED-Always-On Display mit 454 x 454 Pixel
  • 1 GB RAM
  • 4 GB interner Speicher
  • Pulsmessung
  • Schlaftracking
  • 6-Achsen-Beschleunigungssensor
  • Barometer
  • wasserdicht bis 5 ATM (was bedeutet das?)
  • SpO2 Messung (was ist das?)
  • GPS / GLONASS / BeiDou / Galileo
  • Bluetooth 5.0 LE
  • 22 mm Armbänder
  • 46,4 x 46,4 x 10,9mm
  • 76 g
  • 402 mAh

Produktseite: oneplus.com/de/oneplus-watch

Deutsche Bedienungsanleitung: n/a

Erhältlich ist das OnePlus Watch in den Farben Midnight Black und Moonlight Silver unter anderem bei Amazon* zum Preis von 159 Euro. Wir haben die silberne Version gekauft und im Test.

Was ich gut finde:

In der schicken Verpackung findet man neben der Uhr noch ein Ladegerät und eine Kurzanleitung in deutscher Sprache. Das war es schon, aber ist üblich, denn was soll man noch mitliefern? Von daher alles im grünen Bereich. Viel mehr weiß das Design und die Verarbeitung zu begeistern. Die Front wird zum größten Teil vom Display eingenommen, lässt aber doch einen relativ breiten Rand. Aber diese leichte Wölbung des Display passt perfekt zum restlichen, hochwertigen Finish aus 316L Edelstahl. Bildschön die beiden, nahezu bündig abschließenden, Tasten mit ihren perfekten Druckpunkten. Schade nur, dass man zwar an einer Taste den Schriftzug OnePlus angebracht hat, um diese fühlbar zu machen, aber warum keine rote Schrift, eine rote Umrandung oder direkt eine knallrote Taste im Stile von OnePlus? Das ist mir auch beim Ladekabel aufgefallen. Das ist das Erkennungszeichen von OnePlus. Dieses rote Ladekabel. Der OnePlus liegt ein schlichtes, schwarze 08/15 Kabel bei. Sehr schade, denn das wäre eine Kleinigkeit, um den Fans zu zeigen, dass hier Hardware von OnePlus vor einem liegt. Rund herum dann noch ein kleines Loch, welches das Mikrofon beherbergt und auf der linken Seite der Lautsprecher, denn mit der OnePlus Watch kann man über das verbundene Smartphone problemlos telefonieren. Auf der Rückseite aus Kunststoff sieht man die Sensoren und die beiden Pogo-Pins für das Ladegerät. Das Armband hat die Standardbreite von 22 mm und kann ohne Werkzeug gewechselt werden. Rundum einfach ein Traum in Silber.

Mit nur 76 g inkl. Armband und einer Dicke von gerade einmal 10,9 mm ist die OnePlus Watch beim Tragekomfort ebenfalls ein Highlight. Kein Vergleich zu dicken Kloppern wie der Ticwatch Pro 3 GPS (Testbericht). Zwar lesen sich 2,3 mm mehr nicht wirklich viel, aber im Alltag ist das dann doch eine ganz andere Hausnummer. So trage ich die OnePlus Watch wirklich rund um die Uhr, also auch Nachts. Ein weiterer Pluspunkt ist der Akku. Obwohl ich alles aktiviert habe, die Displayautomatik eingeschaltet, das Always-On Display scharf geschaltet, viele Benachrichtigungen bekomme, auch mal über die Ihr telefonieren und auch Sport treibe, hat der Akku 5 Tage durchgehalten und dank Dash Charge ist er in nicht einmal einer Stunde wieder vollständig aufgeladen.

Was ich ok finde:

Bei der Ausstattung gibt es leider keine wirklichen Highlights, außer der 4 GB Speicher, der mit Musik gefüllt werden kann. Mehr nicht und ist heutzutage zwar noch kein Standard, aber die allermeisten Nutzer werden das Smartphone dabei haben und ihre Musik streamen. So wie ich auch. Dieses Musik drauf laden funktioniert nur, wenn man die entsprechende mp3 auf dem PC liegen hat. Das gilt nicht für Musik, die man auf den diversen Streamingportalen herunterladen kann. Denn diese Dateien bekommen man nicht vom PC auf die Uhr geladen und wer hat noch mp3 auf dem Rechner? Mit an Bord ist auch ein Barometer, aber dazu komme ich gleich noch mal im Detail. Dank des eingebauten GPS Modul ist man auch ohne Smartphone in der Lage seine Strecke mehr oder weniger genau aufzuzeichnen.

Beim Display setzt man auf ein Standard-AMOLED mit 1,39″ und 454 x 454 Pixel, wie es auch in vielen anderen Modellen zu finden ist. Gerade per Firmwareupdate hinzu gekommen ist das Always-On Display. Es liefert tolle Farben und Kontraste, aber hat auch hier das Problem, sobald es sonnig wird. Dann ist es selbst bei maximaler Helligkeit kaum abzulesen. Das ist eben der große Nachteil von AMOLED-Displays. Dafür reagiert es prompt auf Eingaben und ist auch sonst ein gutes. Gilt auch für die Wasserdichtigkeit bis 5 ATM (was bedeutet das?), womit man in Süßwasser, also im Schwimmbad, schwimmen gehen kann, aber nicht zum Tauchen geeignet ist.

Im Praxistest gibt es viele Höhen und Tiefen, wodurch es am Ende nur bei einem „ok“ bleibt. Über den Tragekomfort habe ich mich schon positiv geäußert, denn die OnePlus Watch ist ein bildschöner Hingucker, weil elegant und doch sportlich. Im Alltag trübst sich das aber mit jedem Tag, denn es gibt etliche Probleme, von denen die falschen Werte des Barometer oder beim Wetter sicher vernachlässigbar sind. Eher nervt das Fehlen von Tap-to-Wake. Zwar gibt es die übliche „Auf-die-Uhr-Schauen“-Geste, aber diese funktioniert leider nur unzuverlässig. Also muss man die Taste drücken, um das Display zu aktivieren. Selbst bei den billigsten Konkurrenten reicht ein Antippen des Display. Bei der OnePlus Watch geht das nicht. Das verwundert, denn bei der normalen Bedienung wird alles per antippen ausgewählt. Nur für das Menü wird die obere der beiden Tasten benötigt, wobei auch die Einstellungen über das Schnellmenü erreicht werden kann, welches man durch wischen nach unten erreichen kann. Die untere Taste kann man mit einer Funktion nach Wahl belegen. Bei mir ist es der Start einer Aktivität. Apropos Start einer Aktivität. Diese sollen auch automatisch erkannt und gestartet werden. Leider funktionierte das im Test nur bedingt. Zwar wurde nach einiger Zeit eine Laufaktivität erkannt, allerdings erst gut 600 Meter nach dem wirklichen Start und diese fehlten am Ende. Dafür funktioniert die automatische Pause sehr gut. Allerdings ist die so sensibel, dass selbst leichte Bewegungen des Arms als Ende der Pause erkannt werden, um dann direkt wieder zu pausieren. Jedes mal vibriert die Uhr und gibt einen Ton von sich, was nach spätestens fünften mal in der Minute nervt. Es gibt diverse Watchfaces zur Auswahl, aber man keine eigenen installieren, dafür ein paar wenige noch anpassen. Das ist in Ordnung, denn es sind wirklich einige schöne Watchfaces dabei. Bezahlen kann man mit der OnePlus Watch übrigens nicht, da es kein WearOS spendiert bekommen hat, sondern das bekannte RTOS, wie es auch von Amazfit, Xiaomi und noch ein paar mehr eingesetzt wird.

Bei den Messwerten kann die OnePlus Watch leider nicht überzeugen. So liefert der Pulsmesser permanent falsche Messwerte, wenn man diese direkt mit einem Fingerclip vergleicht, wie sie auch im Rettungsdienst verwendet werden. Undd as nicht zu knapp. In Ruhe zeigt die OnePlus Watch einen Puls von 52 an, der Fingerclip hingegen 65 Schläge, die per Tasten des Pulses bestätigt werden. Während einer Aktivität wird es dann nahezu unbrauchbar, denn die Anzeige springt bei gleichbleibender Belastung zwischen 68 und 158 Schlägen pro Minute. Ihr wollt den Sauerstoffgehalt des Blutes wissen? Sucht euch eine Zahl zwischen 85 und 100% aus . Das macht die Uhr offensichtlich, denn auch hier variiert die Anzeige und wicht erheblich von der Anzeige des Fingerclip ab. Einzig die Schlafdaten passen soweit, aber hier auch nur die Schlafdauer. Angaben wie die Qualität des Schlafs sind alles andere als realistisch, worüber wir im Podcast immer wieder sprechen. Eine Uhr kann das nicht korrekt ermitteln. Egal von welchem Hersteller. Dafür erkennt die OnePlus Watch aber automatisch auch ein Mittagsschläfchen korrekt, zählt diese aber dem nächtlichen Schlaf hinzu, zeigt ihn aber einzeln an. Die Routenaufzeichnung ist in Ordnung. Zwar auch nicht perfekt, aber im großen und ganzen absolut in Ordnung, auch wenn die Streckenlänge am Ende bei einer Laufstrecke von 6,78 km mit 6,85 km angezeigt wurde. Wer es perfekt will, darf halt kein Spielzeug kaufen, sondern eine „echte“ Sportuhr. Es gibt eine 14 Aktivitäten zur Auswahl, die aber nicht angepasst werden kann. Es können auch keine anderen hinzufügt werden oder unnötige entfernt werden. Für einige lassen sich Ziele definieren, aber weitergehende Möglichkeiten wie vorgeplante Routen ablaufen oder Export von Daten sind nicht möglich. Einen Brustgurt kann man nicht verbinden, dafür aber ein Bluetooth Headset, was auch wirklich gut funktioniert, wenn man beide nicht mehr als 2 Meter voneinander trennt. Seine Aktivitäten kann man aktuell nur mit Google Fit teilen.

Der Wecker funktioniert gut, denn auf Wunsch vibriert er nur und das sehr kräftig. Das Telefonieren ist dagegen nur im Notfall zu gebrauchen. Viel zu leise ist der Lautsprecher und man muss die Hand schon sehr nahe an den Mund bringen, um einigermaßen verstanden zu werden. Leider werden sämtliche Umgebungsgeräusche ungefiltert mitgeliefert und so wird das Gegenüber wohl schnell darum bitten, auf das Telefon umzuschalten. So geht es dann auch weiter im Praxistest. Funktionen, wie z.B. das „KI-Outfit „für Watchfaces, mit denen man seine Klamotten fotografieren kann, um daraus ein farblich passendes Watchface zu kreieren, funktionieren nicht oder sind teilweise seltsam übersetzt wie „Ausschalten“, um aus einem Menü heraus zu kommen oder wenn m an sein Schrittziel erreicht, kommt die Meldung, dass man sein Standard erreicht hat.

Was ich nicht gut finde:

Die beiden negativen Punkte haben es in sich. Zum einen die Tatsache, dass die benötigte OnePlus Health App (Android) derzeit nur für Android erhältlich ist. Für iOS gibt es schlicht keine und es ist nach wie vor fraglich, ob da überhaupt noch was kommt. Aktuell wird die OnePlus Watch offiziell als nicht kompatibel zu iOS bezeichnet und das ist im Jahre 2021 ein absolutes No-Go, denn selbst bulligste Smartwatches bieten Apps für beide Systeme. Ist ja auch nicht so, dass iOS so selten wäre. Auch die Auswahl an Sprachen ist derzeit eher seltsam. Die deutsche Sprache kam erst die Tage per Update dazu. Ab Werk war Deutsch nicht vorhanden. Was soll das?

Das mit Abstand größte Problem ist aber die Konnektivität. Ich habe neben meinem iPhone noch ein Xiaomi Redmi 9 und da musste ich teilweise mehrmals am Tag die Verbindung neu herstellen, da diese, warum auch immer, verloren gegangen war. Dabei habe ich das Redmi während des Tests immer bei mir. Noch nerviger ist aber, dass zum erneuten verbinden oft die Uhr und/oder das Smartphone neu gestartet werden musste. Zweimal musste ich die Verbindung zwischen Uhr und Telefon von Grund auf neu einrichten, was nur nach einem Reset auf die Werkseinstellungen möglich war, womit natürlich auch die Daten vom Tag verloren gegangen sind. Selbst solche einfachen Aufgaben wie die Synchronisation zwischen App und OnePlus Watch gerät oft zum Geduldsspiel. Unter naja, ist halt so fällt die Tatsache, dass meine OnePlus Watch in Moonlight Silver von der App als Midnight Black erkannt wird. Ein kleines Detail, welches aber genau diese Probleme ganz gut beschreibt. Das ist alles irgendwie nicht OnePlus.

Fazit:

Ist die OnePlus Watch empfehlenswert? Derzeit leider nicht. Sie wirkt von der Software her irgendwie unfertig. Das kann nicht von OnePlus sein. Die teilweise skurrilen Übersetzungen kann man ja sehr einfach per Update korrigieren und auch noch einige Funktionen nachliefern. Von daher würde ich mit dem Kauf noch warten, bis mit weiteren Updates nachgeholfen wurde und dann hoffentlich auch die massiven Verbindungsprobleme behoben wurden. Da sie auch preislich zu hoch angesiedelt ist vergebe ich das Gütesiegel nicht, sondern empfehle eher die bessere Huawei Watch GT 2 Pro (Testbericht), welche zwar 20 Euro teurer ist, aber deutlich mehr zu bieten hat oder die gleich teure Samsung Galaxy Watch Active 2* und wer es deutlich günstiger haben möchte, aber auf Ausstattung nicht verzichten will, die Amazfit GTR 2 (Testbericht).

Offenlegung: Mobi-test.de hat dieses Gerät auf eigene Kosten direkt bei OnePlus gekauft. Es wurde nicht vom Hersteller bzw. Onlineshop als Leihgabe bzw. als Geschenk zur Verfügung gestellt. Diese Offenlegung dient der Transparenz.

OnePlus Watch
  • Verarbeitung/ Ausstattung
  • Verbindung/ Bedienung
  • Praxistest
  • Preis/ Leistung
2.6

Zusammenfassung

+ top Verarbeitung
+ zeitloses, schickes Design
+ gute Akkulaufzeit
+ Schnellladefunktion

– massive Verbindungsprobleme
– keine iOS App
– viele Messwerte fehlerhaft
– teilweise schlechte Übersetzung
– eine Funktionen ohne Funktion

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