Amazfit Verge Test – wirklich eine vollwertige Smartwatch für kleines Geld?

Meine Erwartungen an die Amazfit Verge sind hoch. Und mein Amazfit Verge Test wird zeigen, ob diese Smartwatch für den schmalen Geldbeutel wirklich so viel kann, wie behauptet wird.



Die Amazfit Verge ist wieder rund (zum Glück) und hat einiges zu bieten. Zumindest in der Preisklasse bis 150 €. Allerdings ist sie nicht der vielzitierte Nachfolger der Amazfit Pace (Testbericht) und auch nicht der Amazfit Stratos (Testbericht). Eher der kleine Bruder und das nicht in technischer Hinsicht, sondern den Abmessungen.

Was sie jetzt wirklich bietet, wie gut sie wirklich im Alltag ist und ob sie ihr Geld am Ende wert ist, habe ich in einem über 3 Wochen dauernden Dauertest ausprobiert.

Technische Daten Amazfit Verge:

  • Android 4.4 und iOS 9.0 oder aktueller
  • Amazfit OS
  • 1,3″ AMOLED Display mit 360 x 360 Pixel
  • Gorilla Glass 3
  • 1,2 GHz Dual-Core Prozessor
  • 512 MB RAM
  • 4 GB interner Speicher
  • Lautsprecher und Mikrofon
  • Luftdrucksensor
  • VO2max Berechnung (was bedeutet das?)
  • GPS / GLONASS
  • Bluetooth 4.2 BLE
  • WLAN b/g (2,4 GHz)
  • NFC
  • wasserdicht nach IP68 (was bedeutet das?)
  • 43 x 12,6 mm
  • 46 g
  • 390 mAh

Produktseite: de.amazfit.com/verge

Ausführliche deutsche Bedienungsanleitung: de.amazfit.com/Verge_Anleitung.pdf

Die Amazfit Verge gibt es in einer internationalen und einer chinesischen Version. Beide kommen mit der englischen Sprache. Eine deutsche Version ist derzeit nicht geplant. Wer die Augen offen hält, kann die Amazfit Verge bei Gearbest* noch zum Flashsale Preis von 129,78 € ergattern. Ansonsten bekommt man mit diesem Link von Gearbest* 8% Rabatt auf alles außer Sale. Bei Amazon* gibt es die Amazfit Verge sogar mit Prime in allen Farben zum Preis von 149 €.

Verarbeitung und Ausstattung:

Rein optisch ist sie eher sportlich und weniger elegant wie die Amazfit Stratos (Testbericht) und gleicht schon eher der Amazfit Pace (Testbericht). Vor allem ist sie kleiner als die Stratos und damit weniger klobig, auch wenn sie genauso dick ist. Schon interessant, dass die Amazfit Verge am Handgelenk ganz anders wirkt als auf dem Tisch liegend.

Der erste Eindruck ist allerdings etwas durchwachsen. Sie besteht aus Plastik und das sieht man. Es ist zwar Polycarbonat, aber es sieht aus wie Plastik und fühlt sich an wie Plastik. Daraus besteht die Amazfit Stratos (Testbericht) zwar auch, aber die wirkt ungleich wertiger, was wohl mit den silbernen Farbe zusammenhängt. Dadurch wirkt die Amazfit Verge leider auch weniger elegant wie eine Amazfit Stratos (Testbericht).

Bei der Hardware herrscht Gleichheit zwischen der Verge, Pace und Stratos. Nur das Display ist bei der Verge einen Ticken größer, genauso der Akku. Der Rest, also WLAN, NFC, GPS, Prozessor, Speicher usw. sind gleich geblieben.

Die Front wird vom 1,3″ messenden AMOLED Display mit 360 x 360 Pixel eingenommen. Geschützt ist es durch Gorilla Glass 3. Erfreulicherweise hat es nicht diesen „Flat Tire Effekt“, also die schwarze Abflachung am unteren Rand des Display.



Überhaupt gefällt mir das Display der Amazfit Verge deutlich besser als bei der Amazfit Stratos. Viel intensiver von den Farben und einer wesentlich höheren Leuchtkraft und den deutlich besseren Kontrast. In der Sonne ist das auch problemlos ablesbar. Absolut wow.

Eine Lünette gibt es nicht. Die vier roten Striche sind nur optischer Gimmick . Rechts eine rote Taste, für die Bedienung, die im Zusammenspiel mit dem Touchscreen wirklich durchdacht und eingängig ist.

Daneben ein kleines Loch. Ein Mikrofon. Ja, richtig gelesen. Das ist ein Mikrofon. Auf der anderen Seite eine längliche Öffnung. Das ist ein Lautsprecher. Beides zusammen erlaubt es mit der Amazfit Verge zu telefonieren. Zwar nur im Zusammenspiel mit dem Smartphone, aber das Telefon kann zum telefonieren in der Tasche bleiben.

Auf der Rückseite die Sensoren zur Pulsmessung und vier sogenannte Pogo-Pins als Verbindung zur Ladestation. Die ist gelinde gesagt echt Mist. Zuerst einmal ist das Kabel auf der Unterseite der halbrunden Ladeschale herausgeführt. So kullert das Ganze fröhlich herum. Zudem wette ich, dass das Kabel genau an der Stelle über kurz oder lang einen Wackelkontakt haben wird.

Daher habe ich mir direkt bei Amazon* ein Ersatzladegerät für 6,53 Euro bestellt.

Apropos Akku. Laut Werksangabe soll der Akku bis zu 5 Tage durchhalten. Bei mir waren es sogar 6 oder auch mal 7 Tage. Kommt halt immer auf die Nutzung an. Bei mir die Pulsmessung dauerhaft aktiv, die Displayhelligkeit auf 50%, Benachrichtigungen aktiv usw. Dazu noch etwas Sport in Form von Laufen draußen, welches per GPS getrackt wird.



Geladen ist der Akku dann in etwas über einer Stunde. Übrigens trage ich eine Smartwatch Tag und Nacht, also 24/7 rund um die Uhr. 

Das Armband ist leider so ein Thema. Der Verstellbereich ist großzügig bemessen, aber eine Schließe aus Plastik macht keinen hochwertigen Eindruck. Auch dass man es auswechseln kann ist ganz toll, aber leider hat es keine Standardbreite. Das Armband als solches ist zwar 22 mm breit, aber an der Verbindungsstelle zum Gehäuse nur 14 mm. Passen also nur spezielle Armbänder für die Amazfit Verge.

An der Verarbeitungsqualität gibt es nichts auszusetzen. Das Gehäuse mitsamt Display sind sehr kratzresistent, was ich bei zahlreichen ungewollten Wandberührungen und diversen Stürzen unfreiwillig ausprobieren durfte.

Verbindung, Bedienung und App:

Hinter Amazfit steht eine riesige Community, die auch das Modding der Amazfit Verge erlauben. Egal ob Watchfaces installieren oder alternative Apps. 

Die zentrale Schnittstelle ist die Amazfit Watch App ( Android / iOS ), aber auch Mi Fit ( Android / iOS), wobei die Amazfit Watch App die wesentlich bessere Wahl ist. 

Die erstmalige Verbindung ist schnell erledigt, allerdings hakte die Synchronisierung immer wieder mal. Bis hin zu kompletten Verbindungsabbrüchen. Ein Problem, welches Amazfit bzw. Xiaomi einfach nicht in den Griff bekommen. Oft hilft dann nur die Verbindung zu trennen und die Smartwatch neu zu koppeln. Daten gehen dabei zum Glück keine verloren, aber es nervt.

Die Amazfit Watch App bietet alles, was man erwartet und das auch recht übersichtlich. Durch das umfangreiche Menü navigiert man mittels Touchscreen und der Taste. Das ist sehr eingängig und selbsterklärend. So erreicht man durch Wischen nach unten eine Art Schnellstart, nach oben Wischen fördert die Benachrichtigungen von (auswählbaren Apps) zu Tage.



Von diesen können zwar nur die jeweils ersten Zeilen gelesen werden, aber das reicht aus, um zu erkennen, ob etwas wichtig ist oder nicht. Beantworten von z.B. einer Whatsapp funktioniert nicht. Dafür muss das Smartphone herhalten.

Bis zu 12 Sportarten erkennt die Amazfit Verge selbstständig. Dabei natürlich Laufen, Gehen, Radfahren oder Schwimmen aber auch Fußball spielen oder Exoten wie Seilspringen. Normales Krafttraining, Gymnastik oder Bodyweight ala Freeletics oder Pilates kennt es nicht. Das ist auch der größte Kritikpunkt meinerseits an der App.

Sie, also die App, kann so viel, aber mittlerweile sollten ein paar mehr Sportarten zumindest manuell auswählbar sein. So muss man entweder auf eine Aufzeichnung verzichten oder irgendwas anderes auswählen, was keinen wirklichen Sinn macht. Hoffentlich kommt das noch was per Update hinterher. Übrigens einer der größten Pluspunkte von Amazfit. Es kommen immer wieder Update mit neuen Funktionen.

Während und nach einer Aufzeichnung bietet die Amazfit Verge zahlreiche Datenfelder zur Auswertung, die man belieben auch verschieben kann. Ganz so, wie man es möchte. So kann man auch während eines Lauftraining die für sich wichtigen Daten anzeigen lassen und bei Bedarf weitere durchblättern. 

Übrigens kann man auch vorgefertigte Strecken im GPX Format importieren und ablaufen. Funktioniert einwandfrei, auch wenn es keine Navigationsanweisungen gibt. Aber zum wandern reicht es allemal.

Nach einem Training berechnet die Amazfit Verge dann auf Wunsch auf den VO2max (was bedeutet das?). 

Ansonsten gibt es einen zuverlässigen Wecker mit bis zu 10 Weckzeiten, Timer, verschiedene Watchfaces und auf Wunsch auch eine Synchronisation mit Strava. Andere Anbieter wie Google Fit stehen aktuell nicht zur Auswahl.

Der im Menü zu findende Musikplayer kann nur auf Songs zugreifen, die auf der Amazfit Verge lokal gespeichert wurden, was problemlos funktioniert. Dienste wie Spotify werden nicht unterstützt.

Praxistest:

Wie es sich für einen Dauertest gehört, habe ich die Amazfit Verge etwas länger als 3 Wochen am Stück rund um die Uhr getragen. Also auch nachts. Klar ist die groß, aber mich stört das nicht. Wichtig hierbei zu wissen, dass man die Anzeige ganz gezielt einstellen kann.

So habe ich permanent das Always-On Display aktiv. Auch tagsüber. Die nackte Anzeige der Uhrzeit reicht mir, die möchte ich aber eben permanent. Kommt eine Nachricht rein oder ein Anruf, dann aktiviert sich das Display. 

Wenn ich alle Infos sehen will, kann man entweder das Display doppelt antippen oder die Taste drücken. Damit das nicht in der Nacht passiert, kann man das zeitlich begrenzt deaktivieren. Dasselbe mit den Benachrichtigungen. So hat man Nachts seine Ruhe. Sehr gut gelöst.

Im Alltag merkt man die Amazfit Verge nicht wirklich am Arm. Auch wenn sie größer als z.B. die Amazfit Bip (Testbericht) ist, stört sie nicht. Zumindest mich nicht.



Bis auf gelegentliche Aussetzer bei der Synchronisierung verrichtet die Amazfit Verge klaglos ihren Dienst. Der Akku hält bei mir zwischen 5 und 7 Tagen, je nachdem wie oft ich sportlich aktiv bin. Klar, denn je öfter ich draußen per GPS aktiv bin, verbraucht es mehr oder weniger Akku.

Weiter oben habe ich schon beschrieben, dass die Amazfit Verge ein Mikrofon und einen Lautsprecher eingebaut hat. So kann man mit ihr auch telefonieren und das klappt besser, als ich gedacht habe. Ok, es sieht schon seltsam aus, wenn man den Arm vor den Mund hält, aber es funktioniert, auch wenn die Lautstärke etwas zu gering ist.

Sehr gut gefällt mir, dass man sich die Amazfit Verge individualisieren kann, also die Reihenfolge der Menüpunkte ändern, Punkte entfernen, Watchfaces ändern usw.

Das Benachrichtigungen z.B. keine kompletten Mails darstellen oder von Whatsapp nur die erste Zeile zu lesen ist, reicht mir vollkommen aus zu entscheiden, ob eine Nachricht wichtig ist oder nicht. Auch das man nicht antworten kann stört mich nicht. Wer sich daran stört muss wohl oder übel auf eine Smartwatch mit Wear OS ausweichen.

Man muss übrigens die Benachrichtigungen löschen. Das geschieht von Zeit zu Zeit von selbst. Kommen neue rein, werden alte gelöscht. Wenn man trotzdem mal alle auf einmal löschen möchte, dann hält man einen Eintrag gedrückt und bestätigt dann mit „Clear All“.

Das Aufzeichnen von Aktivitäten ist sehr einfach. Man sucht sich eine aus und startet diese. Leider gibt es nur 12 zur Auswahl und es fehlen Sportarten wie Kraftsport, Gymnastik oder ähnliches. Da muss noch was von Amazfit per Update nachgeliefert werden. Das sind zu wenige. 



Was mir hingegen sehr gut gefällt ist die Auswahl der angezeigten Datenfelder während einer Aktivität. Ich laufe gerne, also in Form von wandern. Man kann sich sehr einfach eine Route im GPX Format importieren und ablaufen. Zwar ohne Navigationsanweisungen, aber es reicht vollkommen aus. Während der Wanderung kann ich mir die verschiedenen Daten wie Strecke, zurückgelegte Höhenmeter usw. anzeigen lassen. 

Sämtliche Daten werden danach in die App und auf Wunsch zu Strava exportiert. Auch hier könnten ruhig noch weitere Anbieter wie Google Fit auswählbar sein. Denn Google Fit ist z.B. über Mi Fit zu erreichen. 

Die Pulsmessung ist nach wie vor ein zweischneidiges Schwert. Die Werte können einfach nicht exakt sein. Dafür sitzt es meist zu locker und an der Oberseite des Arms. Aber im Großen und Ganzen sind die Werte brauchbar. Wer wirklich exakte Werte braucht, muss wie hier beschrieben einen externen Brustgurt verbinden.

Der Schlaftracker zeichnet hingegen recht präzise auf, auch wenn die Zeiten hin und wieder mal nicht stimmen. Dafür muss man sich ins Gedächtnis rufen, dass das Amazfit Verge nur darauf achtet, ob sich jemand bewegt oder nicht. Liege ich bewegungslos auf der Couch, dann erkennt das die Verge unter Umständen als Schlaf. Genauso umgekehrt, wenn man ein unruhiger Schläfer ist. Wie will das eine Smartwatch erkennen ohne Elektroden direkt am Kopf? 

Der Wecker funktioniert einwandfrei, nervt aber mit einem nicht abstellbaren Ton. Damit weckt man meist auch den Partner. Warum kann man nicht nur vibrieren auswählen. Einziger Ausweg ist bislang, dass man alle Töne deaktiviert. Dann vibriert auch der Wecker.

Am nervigsten ist aber das Ladegerät. Zwar hält der Akku bei mir bis zu 7 tage und damit länger als die versprochenen 5 Tage, aber das Ladegerät ist eine Qual. Zuerst einmal muss man die Verge regelrecht reinpressen bis sie lädt und bekommt sie dann nur schwer wieder raus. Aber wer hat sich ausgedacht, dass das Kabel an der Unterseite der zudem noch halbrunden Ladeschale herausgeführt wird? Das ist der Kabelbruch vorprogrammiert.

Ansonsten gibt es nicht viel zu meckern. Die Amazfit Verge macht wirklich Spaß.

Fazit im Amazfit Verge Test:

Und ist die Amazfit Verge empfehlenswert? Ja, absolut. Für unter 150 € bekommt man sehr viel Smartwatch für sein Geld, auch wenn sie sehr sportlich aussieht und nicht so elegant wie die Amazfit Stratos (Testbericht). Und sie ist um einiges flexibler für Sportler als eine Amazfit Bip (Testbericht). Einzig die billige Haptik trübt den sonst sehr guten Eindruck und das man keine Standardarmbänder nutzen kann.

Amazfit wird sicher per Update noch weitere Sportarten hinzufügen und dann spricht wirklich nichts gegen die Amazfit Verge. Daher werde ich sie jetzt schon in unsere Bestenliste der Fitnesstracker und Smartwatches einfügen und das Gütesiegel vergeben.

Amazfit Verge
  • 8/10
    Verarbeitung - 8/10
  • 9/10
    Ausstattung - 9/10
  • 8/10
    Praxistest - 8/10
  • 9/10
    Preis/ Leistung - 9/10
8.5/10

Kurzfassung

+ Verarbeitung
+ viele Funktionen
+ sehr gutes Display
+ gute Akkulaufzeit für eine Smartwatch
+ Preis

– billige Haptik
– Konstruktion des Ladegeräte
– noch zu wenige Aktivitäten zur Auswahl

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